Der betriebliche Ausbildungsplan

In den letzten Monaten habe ich auffällig oft Ausbilder dabei unterstützt, den betrieblichen Ausbildungsplan gemeinsam mit allen Ausbildungsbeauftragten neu aufzustellen oder zu aktualisieren. Mich freut´s: Es ist zwar ziemlich viel Arbeit für alle Beteiligten (besonders die hauptamtlichen Ausbilder). Bringt aber eine ganze Menge. Falls Sie es angehen mögen, habe ich einen „Fahrplan“ für Sie, wie das konkret aussehen könnte.

Wir „erinnern“ uns

Vom Gesetzgeber ist in Ausbildungsordnung und Rahmenlehrplan weitgehend festgelegt, was ein Azubi im Laufe seiner Ausbildung lernen soll. Die zu vermittelnden Fähigkeiten und Kenntnisse sind jedoch relativ allgemein gehalten, damit sie auf quasi jeden Betrieb angepasst werden können. Diese Anpassung wird im betrieblichen Ausbildungsplan festgehalten. Der betriebliche Ausbildungsplan ist Teil des Ausbildungsvertrages und liegt in der Verantwortung des hauptamtlichen Ausbilders.

Die Herausforderung

Die Vorgabe des Rahmenlehrplans sind unheimlich komplex. Manche Inhalte lassen sich ganz einfach einer bestimmten Abteilung zuordnen (z.B. Buchhaltung oder Personalabteilung). Andere Inhalte könnten eigentlich überall vermittelt werden. Oder nirgends. Gleichzeitig finden sich Inhalte, die für den eigenen Betrieb spezifisch sind, nicht zwingend im Rahmenlehrplan wieder. Die wenigsten Ausbilder können im Detail wissen,

… wer welche Inhalte vermitteln kann.

… welche Inhalte ergänzt werden müssen.

… wo welches Vorwissen benötigt wird.

… wie lange ein Azubi idealerweise in der jeweiligen Abteilung eingesetzt werden sollte.

Aus diesen Gründen ist es hilfreich, alle Beteiligten ins Boot zu holen.

Die Beteiligten ins Boot holen

Meiner Erfahrung nach wissen längst nicht alle Ausbildungsbeauftragten über die Existenz eines Rahmenlehrplans bescheid. Viele glauben, sie sollten den Azubis ihren Arbeitsplatz erklären. Andere haben schon mal vom Ausbildungsplan gehört, kommen aber zeitlich nie dazu, sich den Rahmenlehrplan mal anzuschauen oder gar konkrete Lernziele zu entwickeln. In der Folge sind

… Azubis nicht immer ideal auf die Prüfung vorbereitet.

… Azubis nicht immer ausreichend beschäftigt.

… Azubis nicht immer hochwertig beschäftigt.

… Ausbildungsbeauftragte ständig unter Druck, Aufgaben für den Azubi zu finden.

… Ausbildungsbeauftragte häufig überfordert mit der Beurteilung des Azubis.

… Ausbildungsbeauftragte nicht informiert, welches Vorwissen sie voraussetzen können.

… Demotivation für Azubis und Ausbildungsbeauftragte oftmals vorprogrammiert.

In einem Workshop können Sie für eine gemeinsame Basis sorgen und Raum für die Überlegungen geben, die im hektischen Arbeitsalltag zu kurz kommen.

(Wenn Sie nur wenige Ausbildungsbeauftragte und sehr viel Zeit haben (hahaha), können Sie sich mit jedem persönlich verabreden und darüber sprechen. Wenn mehr als 5 Ausbildungsbeauftragte an der Ausbildung beteiligt sind und Ihr Arbeitstag gut ausgefüllt, ist ein Workshop effektiver.)

Das Ziel

Toll: Ein aktueller betrieblicher Ausbildungsplan, damit für jeden Azubi sichergestellt ist, dass alle Inhalte vermittelt werden.

Noch toller: Aktuelle und konkrete Lernziele für jede Abteilung, damit die Ausbildungsbeauftragten genau wissen, wie Ihre Aufgabe lautet. Und die Azubis zukünftig selbständig dafür sorgen können, dass Ihnen alle Inhalte auch vermittelt werden.

Am Tollsten: Alles veröffentlicht im Intranet. So können die Ausbildungsbeauftragten schon vor dem Einsatz sehen, welchen Wissensstand der Azubi hat und wo sie ansetzen müssen. „Das hat mir noch nie einer erklärt“, kann der Azubi dann nur noch sagen, wenn es auch so ist.

Die Vorarbeit

Ordnen Sie die Abteilungen dem Rahmenlehrplan zu, wie Sie es für richtig halten. Ich empfehle Ihnen, die sachliche Gliederung zugrunde zu legen. (Die zeitliche Gliederung ist häufig sowieso nicht umsetzbar wie vom Gesetzgeber vorgesehen). Die Inhalte, bei denen Sie sich unsicher sind, markieren Sie mit einem großen Fragezeichen oder ähnlichem.

Stellen Sie den Ausbildungsbeauftragten mit der Einladung zum Workshop den Rahmenlehrplan zur Verfügung. (Gehen Sie davon aus, dass nicht alle Ausbildungsbeauftragten sich damit beschäftigen werden). Bieten Sie einen Ausweichtermin an. Die Wahrscheinlichkeit, dass es nie einen Termin gibt, der allen passt, ist hoch.

Wenn es Ihnen möglich ist: Lassen Sie den Workshop extern stattfinden. Falls es nur intern möglich ist, versuchen Sie die Rahmenbedingungen möglichst ansprechend zu gestalten. Sie brauchen mindestens einen Plenumsraum und einen Gruppenarbeitsraum.

Bitten Sie einen Kollegen, die Co-Moderation zu übernehmen. Oder buchen Sie einen externen Trainer/ Moderator.

Machen Sie Ihre Hausaufgaben, indem Sie die Lernziele für Ihren Bereich aufstellen. (Im Workshop werden Ihre Lernziele den Ausbildungsbeauftragten ein gutes Beispiel sein.)

Der Workshop

Beginnen Sie mit einem Input über

Ziel der Ausbildung: Ausbildungsordnung und Handlungskompetenz

Inhalte der Ausbildung: Rahmenlehrplan und Betrieblicher Ausbildungsplan

Bedeutung von Lernzielen und wie man sie entwickelt

Im Anschluss folgt die Arbeitsphase

Erster Schritt: Jeder Teilnehmer erhält noch einmal ein Exemplar des Rahmenlehrplans, in dem seine jeweiligen zu vermittelnden Kenntnisse und Fähigkeiten markiert sind (übersichtlicher sind DIN-A-3-Ausdrucke). Die Teilnehmer prüfen

kann ich die mir zugeordneten Inhalte vermitteln?

kann ich zusätzlich Inhalte, die mit Fragezeichen markiert sind, vermitteln?

gibt es weitere Inhalte, die wichtig aber nicht auf dem Rahmenlehrplan verzeichnet sind?

Im zweiten Schritt sollen die Inhalte in konkrete Lernziele übersetzt werden. Stellen Sie hierfür ein Formular zur Verfügung und als Beispiel die Lernziele Ihres Bereichs.

Der dritte Schritt: Lassen Sie die Teilnehmer einen Vorschlag zur Dauer des Einsatzes machen. Interessant ist auch, ob andere Abteilungen vor dem Einsatz durchlaufen sein müssen. (Selbstverständlich finden fast alle Ausbildungsbeauftragte super-lange Einsätze im dritten Ausbildungsjahr am sinnvollsten. Die Beschäftigung mit dem Rahmenlehrplan macht aber sehr gut deutlich, dass das nicht in allen Fällen möglich ist.)

Stolpersteine im Workshop

  • Manche Teilnehmer werden vielleicht sagen, dass für die Erstellung der Lernziele kein Workshop nötig ist. Man kann das besser allein und am Arbeitsplatz erledigen. Das stimmt. Nur ist es in der Praxis meistens so, dass ständig irgendwas dazwischen kommt. Und Ausbildung kann immer irgendwie warten. Wäre es anders, würden überall ständig aktualisierte Lernziele existieren. Mit dem Workshop schenken Sie den Ausbildungsbeauftragten Zeit und Raum. Sagen Sie das ruhig genauso zu Beginn des Workshops.
  • Manche Teilnehmer (wenige, sehr wenige, meiner Erfahrung nach) kommen schon mit fertigen Lernzielen in den Workshop oder sind ganz schnell fertig. Damit die Fleißigen nun nicht in der Phase der Einzelarbeit Däumchen drehen müssen, sollten Sie eine Alternative anbieten. Beispielsweise eine Diskussion über aktuelle Anliegen (dafür ist der Gruppenraum vorgesehen und darum können Sie den Workshop auch nicht allein durchführen.)
  • Die meisten Teilnehmer werden im Workshop noch nicht so weit sein, dass sie die fertigen Lernziele an Sie übergeben möchten. In der Regel möchten Sie es noch einmal am Arbeitsplatz überprüfen und/ oder mit Kollegen besprechen. Stellen Sie von Anfang an klar, dass Sie kein fertiges Ergebnis voraussetzen. Legen Sie gemeinsam fest, wann die Lernziele bei Ihnen abgegeben werden können.

 

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