Faktencheck: 10 Fehler im (Beurteilungs)-System

graugrünverlorenDas Beurteilungssystem ist wie ein Garten. Die Arbeit hört einfach nicht auf. In regelmäßigen Abständen muss das Verfahren thematisiert werden, aktualisiert und diskutiert. Sonst  schleichen sich Bequemlichkeiten ein wie Schnecken und Beurteilerfehler schießen aus dem Boden wie Unkraut. Hier 10 untrügliche Zeichen dafür, dass Sie das Beurteilungsverfahren (mal wieder) zum Thema machen sollten:

 

1. Die Beurteilungen werden verschleppt

Wenn Ausbildungsbeauftragte die Beurteilungsgespräche ins Unendliche aufschieben, ist das nicht nur eine ärgerliche Verzögerung. Es ist auch sinnlos. Kritik muss zeitnah erfolgen, wenn sie etwas bewirken soll. Beurteilungen, die Wochen nach dem Einsatz erfolgen, nimmt der Azubi längst nicht so wichtig.

2. Die Beurteilungen fallen zu gut aus

Wenn Ausbildungsbeauftragte keinen gemeinsamen Maßstab haben, fallen die Beurteilungen häufig zu weich aus. Der sogenannte Milde-Fehler rührt oft daher, dass niemand der Meckerfritze oder die blöde Ziege sein will. Mit der Zeit gewöhnen sich die Azubis an immer bessere Beurteilungen und fordern diese auch ein.

3. Ihre Ausbildungsbeauftragten finden diesen „Beurteilungskram“  total überflüssig, überkandidelt und sowieso haben sie dafür nicht auch noch Zeit

Widerstand muss ernst genommen werden. Wird Ihr Beurteilungssystem vielfach oder vehement abgelehnt, ist es allerhöchste Eisenbahn für ausführlichen Austausch.

4. Ihre Ausbildungsbeauftragten finden Beurteilungen generell ok, aber den internen Bogen verbesserungswürdig

Und das ist auch gut so. Tatsächlich muss man den Beurteilungsbogen ab und zu auf den Prüfstand zu stellen. Zeiten ändern sich – Kriterien und Systeme müssen sich ebenfalls ändern. Berufen Sie  ein Meeting ein und sammeln Sie Verbesserungsvorschläge aus dem Kreis der Ausbildungsbeauftragten. Hüten Sie sich aber davor, einen neuen Bogen gemeinsam mit Allen konzipieren zu wollen. „Personal kann jeder“ ist ein gängiges Vorurteil, aber natürlich nicht die Wahrheit. Gerade beim Beurteilungswesen ist echtes Fachwissen nötig.

5. Es gibt „Pappenheimer“ unter den Beurteilern

Man kennt das: Ein bestimmter Kollege nimmt für sich in Anspruch, den Bogen nach eigenem Gutdünken zu nutzen. Klassische Beurteilerfehler werden nicht als solche wahrgenommen. Selbst nicht, wenn man ihn darauf hinweist. Letztlich resigniert man und es heißt: „Ach, der Schmidt, der beurteilt eben immer zu streng.“ Das sollten Sie aber nicht so stehenlassen sondern unbedingt entgegensteuern. Am besten im Zweiergespräch.graugrünclose

6. Die Beurteilungsbögen werden anders genutzt als sie ganz offensichtlich gedacht sind

Manche Ausbildungsbeauftragte richten sich Extra-Felder ein. Andere nutzen nicht den vorgegebenen Maßstab sondern kreieren „Zwischennoten“. Die nächsten weigern sich, außerhalb der Kreuze auch noch ein paar freie Worte zu formulieren. Das sollten Sie in einer gemeinsamen Austauschrunde wertfrei diskutieren. Fragen Sie nach den Gründen.

7. Die Führungskräfte führen die Beurteilungsgespräche

In einigen Betrieben führen die Führungskräfte die Beurteilungsgespräche mit den Azubis, obwohl sie überhaupt nicht mit ihnen gearbeitet haben. Die Führungskräfte holen sich dann Eindrücke von den Ausbildungsbeauftragten und geben sie an die Azubis weiter. Das ist nicht nur sehr umständlich sondern auch kontraproduktiv. Dem Azubi wird so die Möglichkeit gegeben, etwaige Kritik von vornherein abzuwehren. Er kann sich sagen: „Kann der ja gar nicht wissen.“ Und damit hat er ja auch Recht. Wenn Führungskräfte nicht loslassen können, sollten Sie der Personalentwicklung einen Tipp geben. Hier brauchen nicht nur die Ausbildungsbeauftragen eine Schulung sondern auch die Führungskräfte.

8. Die Beurteilungen stimmen nicht mit dem überein, was Sie im persönlichen Gespräch zu hören kriegen

Es passiert gar nicht so selten, dass die Beurteilungen der Azubis ok ausfallen und hinterher ein Beschwerde-Anruf beim Ausbilder ankommt. Manchmal trauen sich die Ausbildungsbeauftragten nicht, die Wahrheit zu sagen. Meistens liegt es daran, dass sie es nicht gelernt haben. Sie wollen den Azubi nicht verletzen und scheuen sich darum vor Kritik. Im Extremfall kann das dazu führen, dass ein Azubi ohne größere Kritikgespräche durch die Ausbildung rutscht und wenn es an die Übernahme geht, will ihn auf einmal niemand haben. Das ist der Super-Gau.

9. Die Azubis hören im Beurteilungsgespräch zum ersten Mal Kritik

Ein echter Klassiker. Wenn Sie von der Azubis erfahren, dass Kritik bis zum Beurteilungsgespräch aufgehoben wird, muss sich das unbedingt ändern. Das Beurteilungsverfahren ist ein Prozess. Es geht nicht um das Kreuz am Ende sondern um die Entwicklung des Azubis. Permanentes Feedback ist  unabdingbar. Wenn die Feedbackkultur schwächelt, ist ein Kommunikationsseminar angesagt.GrauGrünChinoise

10. Die Ausbildungsbeauftragten sind entnervt vom „Kampf um gute Noten“

Manchmal haben die Ausbildungsbeauftragten keine Lust zu diskutieren.  Das ist besonders dann der Fall, wenn die Azubis etwaige Kritik gar nicht hören wollen – sondern nur darauf aus sind, eine möglichst gute Beurteilung zu bekommen. Dann brauchen die Azubis eine Schulung. Der Umgang mit Feedback ist nicht (nur) Charaktersache. Es braucht auch Wissen und Übung.

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