Ich. Ich. Ich. Ich. Ich. Warum fragen seliger denn reden ist.

Kennen Sie das? Da bedankt sich jemand bei Ihnen für das „wirklich gute Gespräch“ und Sie stellen fest: Eigentlich sind Sie kaum zu Wort gekommen. Sie haben so gut wie nichts von sich erzählt. Sie haben vor allem zugehört.

Das kommt Ihnen bekannt vor? Das erleben Sie dauernd? Dann sind Sie ein guter Zuhörer – und damit begehrter Gesprächspartner. Die meisten Menschen reden richtig gern über sich selbst. Manche vergessen darüber den anderen.

Ich. Ich.Ich.Ich.Ich.Ich.

Im Privaten kann das manchmal nervig werden. Zum Beispiel wenn Sie den Eindruck haben, jemand nutzt Sie als „Mülleimer“. Wenn es um Mitarbeiterführung geht, sind gute Zuhörer allerdings klar im Vorteil. So eben auch als Ausbilder.

Gute Zuhörer nutzen meist intuitiv eine Gesprächsführungstechnik, die hilfreich ist wie keine andere: Offene Fragen. Die kann man natürlich auch gezielt einsetzen. 

Gerade in kniffligen Situationen brauchen die wenigsten Azubis einen allwissenden Ratgeber. Was sie brauchen, ist ein guter Zuhörer.  Einen, bei dem sie zur Ruhe kommen und ihre Angelegenheiten reflektieren können.

Ich weiß, ich weiß: Manche Azubis hätten schon ganz gern einen allwissenden Ratgeber. Es ist eben leichter, einen Rat zu befolgen als selbst zu denken und Verantwortung zu übernehmen. Diese Azubis befinden sich noch stark in der Kind-Rolle. Sie hoffen, dass Sie die Probleme für sie lösen (ganz wie Mama und Papa). Aber das ist ein anderes Thema. 

gittehaerter_imcafeAuf die Rolle des Problemlösers sollten sie sich auf keinen Fall einlassen.

  1. Ist das anstrengend und
  2. halten Sie den Azubi damit klein.

In problematischen Situationen ist es viel besser, dem Azubi seine Eigenverantwortung zu  verdeutlichen. Lehnen Sie sich lieber entspannt zurück und hören Sie aufmerksam zu, was der Azubi zu sagen hat. Ermuntern Sie ihn mit offenen Fragen zum Erzählen. Offene Fragen sind ein tolles Instrument, um den Azubi auf eine erwachsene Ebene zu holen.

Offene Fragen sind solche, auf die der Azubi mehr als „ja“ oder „nein“ antworten muss. Gut klappt das mit W-Fragen: Wann, wie, wo, was, wer, wohin, worauf, welche, wen usw usf

Das Tolle an den offenen Fragen:

 

  • Sie laden Ihren Azubi zum Erzählen ein. Sie kennen bestimmt die Umkehrung. Wenn man im Konfliktgespräch glaubt, seine Argumente ganz schnell vorbringen zu müssen, weil einem eh nicht länger zugehört wird. Mit offenen Fragen geschieht das Gegenteil: Ihr Azubi fühlt sich gehört. Das ist ein besonderes Gefühl. Es schafft Vertrauen.
  • Sie entschleunigen das Gespräch. Besonders wenn Sie mit dem Azubi in einem Konflikt stecken, ist es wichtig, dass es nicht zum Schlagabtausch kommt. Man erlebt das oft. A bringt seine Argumente. B hört gar nicht zu sondern wartet auf den Moment, um seine eigenen Argumente zu bringen. Bei denen A dann wieder nicht zuhört sondern im Kopf schon seine Erwiderung formuliert. Offene Fragen unterbrechen Teufelskreise. 
  • Sie geben Ihrem Azubi die Möglichkeit, sich zu „entwirren“. Gerade in schwierigen Situationen weiß der Azubi manchmal selbst nicht so richtig, wie er sich fühlt, was er denkt und wohin er will. Mit offenen Fragen kann der Azubi sich klären. Das klingt nach Coaching? Kein Wunder: Das ist Coaching.
  • Sie vermeiden Fehlinterpretationen. Wenn zwei in eine Auseinandersetzung geraten, fällt früher oder später immer der Satz: „Das hab ich so nicht gemeint. “ Mit offenen Fragen erfahren Sie genau, was Ihr Azubi meint und sogar die Hintergründe werden in aller Ausführlichkeit thematisiert.
  • Sie ermuntern den Azubi zur Lösung. Was kannst Du in Zukunft anders machen? Mit welchem Zustand wären Sie zufrieden? Offene Fragen fordern den Azubi zum eigenen Denken und Handeln auf. Statt zu meckern, weil der Azubi zu oft zu spät kommt, fragen Sie lieber: „Wie können wir das zukünftig ausschließen?“ „Wie kann ich Dich unterstützen?“ Die allermeisten Azubis haben da durchaus eigene Ideen. Und an eigenen Lösungen wird lieber gearbeitet als an fremden.
  • Sie lassen den Azubi Widersprüche selbst aufdecken. Manchmal gehen Azubi (hüstel) flexibel mit der Wahrheit um. Und Schuld ist für Azubis immer der andere. Mag sein, dass Ihr Azubi Ihnen im ersten Anlauf erzählt, er könne üüüüüberhaupt nichts dafür, dass es z.B. zu einer schlechten Beurteilung bei Herrn Meier kam. Mit offenen Fragen bringen Sie den Azubi dazu, seinen eigenen Anteil zu erkennen. Ein Riesenschritt in der persönlichen Entwicklung.

 

BlitzVorsicht: Offene Fragen sind ein mächtigstes Instrument. Sie können damit Ihren Gesprächspartner bis auf die Unterhose ausziehen. Das soll´s natürlich nicht sein. Hüten Sie sich vor inquisitorischen Fragen. Setzen Sie die offenen Fragen behutsam und mit einer guten inneren Haltung ein.

 

BlitzVorsicht mit wieso, weshalb, warum. Diese Fragen sind häufig zu intim. Beispiel: „Warum hast Du Angst?“ Das geht zu sehr ans Eingemachte und uns als Ausbilder gar nichts an.

 

 

BlitzVorsicht: Wieso, weshalb, warum suchen nach Schuld. Der Azubi kann sich  in die Ecke gedrängt fühlen. Dann reagiert er mit Ausflüchten. Typisches Beispiel: „Warum bist Du immer so unausgeschlafen?“ Was soll der Azubi nun sagen? Die Wahrheit? Etwa: Weil ich die ganze Nacht am Computer gesessen habe? Das wird vermutlich nicht passieren. Eher werden Sie von blinden Großmüttern hören, die gepflegt werden müssen. Oder anderen Schicksalsschlägen.

 

BlitzVorsicht: Wieso, weshalb, warum sind problemorientiert. Sie fragen in die Vergangenheit. Damit müssen wir uns aber nicht aufhalten. Wir müssen nicht wissen, warum unser Azubi bisher oft unausgeschlafen war. Wir müssen nur wissen, wie der Azubi das in Zukunft ändern wird.

 

 

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Übung: Finden Sie die passenden offenen Fragen: Meine Verhaltensweisen

 

idee

Die Lösungsvorschläge  können Sie danach hier ausdrucken: Werfragtderführt

 

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