Übung: Azubis an Feedback heranführen

SAMSUNGAuszubildende haben ja unheimlich Lust, etwas über sich selbst zu erfahren. Trotzdem sind sie nicht immer glücklich, wenn sie beurteilt werden. Kritik finden sie manchmal gemein oder voll unfair. Wenn Beurteilungen als Verurteilungen wahrgenommen werden, liegt das an ungeübten Beurteilern genauso oft wie an unerfahrenen Beurteilten.

Mit meiner allerliebsten Lieblingsübung können Sie die Azubis sanft und mit viel Spaß an das Thema Selbst- und Fremdbild heranführen. Denn längst nicht allen ist klar, was Feedback eigentlich ist.

Sie brauchen für die Übung: Einen Flipchartbogen für jeden Teilnehmer, ebenfalls für jeden Teilnehmer einen Stift (gut sind die Moderationsmarker von Neuland, da sie nicht durchdrücken) und für alle zusammen eine Rolle Kreppband.

Zum Einstieg bietet sich das Johari-Fenster an. Legen Sie dabei besonderen Wert auf die Subjektivität des Fremdbildes. Sind Ihre Azubis noch wenig oder gar nicht mit dem Thema Feedback vertraut, können Sie hier schön mit den Feedbackregeln anschließen.

Dann geht es los

Laden Sie die Azubis dazu ein, einander Feedback zu geben – also Blinde Flecken aufzudecken. Achten Sie darauf, dass die Azubis angstfrei agieren können. Betonen Sie, dass die Übung in gegenseitiger Wertschätzung erfolgt und nichts Schlimmes sondern etwas Interessantes passieren wird.

Das Feedback erfolgt schriftlich. Dafür befestigt sich jeder Azubi einen Flipchartbogen mit Kreppband auf den Rücken.

Sie stellen die Leitfrage. Zum Beispiel können Sie nach der jeweils besten Eigenschaft der Teilnehmer fragen.

Nun schreibt jeder Teilnehmer bei allen anderen Teilnehmern auf den Rücken, welche Eigenschaft er an ihm oder ihr am meisten schätzt.

Wie viele Leitfragen Sie stellen, können Sie je nach Zeit und gewünschter Intensität entscheiden. Ich arbeite gern mit 6 Leitfragen. Dafür lasse ich die Azubis zuvor den Flipchartbogen in 6 Felder aufteilen.

Spannende Leitfragen sind z.B: 

  • Wohin fährt er oder sie wohl gern in den Urlaub?
  • Wenn er oder sie nicht diese Ausbildung begonnen hätte, welcher andere Beruf würde zu ihm oder ihr passen?
  • Welchen guten Rat kannst Du ihm oder ihr geben?
  • An welches Tier erinnert er oder sie Dich aufgrund seiner Eigenschaften?
  • Wie findet er oder sie wohl diese Übung? Wie fühlt er oder sie sich gerade?

Im Anschluss dürfen die Feedbacks in Ruhe gelesen werden. Moderieren Sie ausdrücklich an, dass im ersten Schritt nur still gelesen werden soll (sonst gibt es ein Tohuwabohu). Weisen Sie auf die Regeln zum Feedbacknehmen hin. Schließen Sie eine Feedback-zum-Feedback-Runde an. Jeder Azubi bekommt die Gelegenheit nachzufragen, was er nicht versteht. Auch was ihn freut, erstaunt, beschäftigt ist spannend. Jeder Azubi kann alles sagen oder fragen. Keiner muss etwas kommentieren.

Die Übung kommt toll bei Azubis an. Sie ist eine gute Voraussetzung für viele weitere Themen, z.b. den Umgang mit Kritik.

 

Keine Kommentare möglich.