Ausbilden in der Fachabteilung

Wenn Sie hauptamtlicher Ausbilder sind und etwas Nachhaltiges für die Verbesserung der Ausbildung tun möchten, dann rate ich Ihnen zu einem Seminar für Ihre Ausbildungsbeauftragten. Im vergangenen Jahr wurde ich mit Abstand am häufigsten für diese Seminare gebucht. Das Thema ist sinnvoll, der Aufwand überschaubar und man kann eine ganze Menge damit ins Rollen bringen. Wie es meiner Erfahrung nach am besten läuft, erläutern die fünf folgenden Tipps.

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  1. Starten Sie mit einem eintägigen Seminar

    Natürlich gibt es mehr über die Arbeit mit Azubis zu lernen, diskutieren und auszuprobieren, als in einem eintägigen Seminar Platz findet. Doch bei einem eintägigen Seminar sind die Ausbildungsbeauftragten schneller bereit teilzunehmen. Ausbilden geschieht ja beinahe in jedem Unternehmen on top zum eigentlich Job. Viele Kollegen sind zeitlich unter Druck. In einem Tag kann man schon eine ganze Menge Basiswissen vermitteln. Ob und wie es danach weitergeht, können Sie getrost in die Hände der Kollegen legen. Sie glauben gar nicht, wie oft ich in der Abschlussrunde gehört habe:

    „Ich hätte nicht gedacht, dass der Tag so spannend wird und wie viel es zu beachten gibt.“

    Oft sind die Ausbildungsbeauftragte nach dem ersten Seminartag Feuer und Flamme, weiter am Thema zu arbeiten. Das kann in eine stärke Vernetzung münden oder in weitere Seminare. Beides kann dann passgenau konzipiert werden.

    (Meiner persönlichen Meinung nach, sind nach dem Seminar für Ausbildungsbeauftragte erst einmal die Azubis dran. Warum, das erzähle ich in einem anderen Beitrag aber noch ausführlicher).

    Wiesageiches

 

2. Machen Sie es verpflichtend (bzw. so verpflichtend wie möglich)

Als Ausbilder hat man in der Regel keine Führungsgewalt über die Ausbildungsbeauftragten. Man ist auf den guten Willen der Kollegen angewiesen. Es wird immer Ausbildungsbeauftragte geben, die engagierter arbeiten als andere. Manche Menschen hängen das Thema Ausbildung nicht besonders hoch auf. Und nicht immer wird man sie vom Gegenteil überzeugen können. Aber für diesen ersten Seminartag wäre es super, wenn möglichst viele Ausbildungsbeauftragte dabei sind. Im ersten Schritt geht es nämlich darum, interne Standards festzuzurren.  Keine nice-to-have-Inhalte, sondern Dinge, die Ihnen besonders wichtig sind.

In manchen Organisationen braucht man die Unterstützung der Leitung, um wirklich alle, alle ins Boot zu kriegen. Manchmal reicht es, wenn jemand aus der Geschäftsführung die Einladung unterschreibt. In anderen Fällen müssen vielleicht die Vorgesetzten der Ausbildungsbeauftragten darum gebeten werden, ihre Mitarbeiter auch wirklich freizustellen. Kurz: Versuchen Sie, die Seminarteilnahme so problemlos wie möglich für die Mitarbeiter zu gestalten – und die Absage so schwierig wie möglich.

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3. Die Dauerbrenner der Ausbildungsbeauftragten: Motivation und Kritik

Frage ich vor Seminarbeginn, was die Teilnehmer umtreibt, steht unangefochten an erster Stelle das Thema Kritik. Mit Kritik haben ohnehin die meisten Leute so ihre Sorgen. Azubis zu kritisieren ist gleich noch drei mal schwieriger. Schließlich geht es um Menschen, die in gewisser Hinsicht „schwächer“ sind als man selbst. Hier brauchen die Ausbildungsbeauftragten vor allem eine gute Begründung, warum sie kritisieren sollen. Vielen hilft es, wenn sie verstehen und diskutieren können, dass Kritik wirklich, wirklich, wirklich (also wirklich) gut und wichtig für Azubis ist.

Aber auch das Beurteilungssystem muss man verstanden haben, um es akzeptieren und anwenden zu können. Damit Ihr Beurteilungssystem überhaupt wirken kann, muss es außerdem von allen Ausbildungsbeauftragten gleich verstanden werden. Darum ist es auch so wichtig, dass alle (oder möglichst viele) Ausbildungsbeauftragte am Seminar teilnehmen.

Weniger wichtig scheint mir für das Basis-Seminar das Thema Motivation. Zwar berichten viele Ausbildungsbeauftragte, die Azubis wären „irgendwie nicht richtig motiviert“. Doch häufig liegt das an zu hohen Erwartungen oder demotivierenden Rahmenbedingungen. Besser also man konzentriert sich im ersten Seminar auf die Management-Aufgaben der Ausbildungsbeauftragten. Sind die erst mal erledigt, erledigt sich auch das Motivationsproblem der Azubis. Und wenn nicht, kann man immer noch eine zweiten Termin zum Thema anberaumen.

Zeitpunkt

4. Die Dauerbrenner der Azubis: Beurteilungen und Unterforderung

Es ist natürlich auch keine schlechte Sache, die Azubis im Vorwege zu interviewen. Als „Betroffene“ wissen sie ganz gut, woran geschraubt werden könnte. Allerdings trauen Azubis sich nicht immer, die volle Wahrheit zu sagen. Es ist auch viel verlangt.

Aus meiner Praxis kann ich sagen, dass Auszubildende oft mit Langeweile und Unterforderung zu kämpfen haben. Das liegt manchmal daran, dass die Ausbildungsbeauftragten gar nicht so ganz genau wissen, was sie eigentlich mit den Azubis anstellen sollen. Häufig herrscht die Meinung vor, man solle seinen Arbeitsplatz irgendwie erklären. Das klappt dann gut, wenn genügend Arbeiten möglich sind, die der Azubi selbst erledigen kann. Und das klappt ganz und gar nicht,

… wenn die Arbeiten so komplex sind, dass der Azubi sie nicht selbst erledigen kann.
… 0der wenn der Ausbildungsbeauftragte selbst nichts zu tun hat.
… oder wenn der Ausbildungsbeauftragte so viel zu tun hat, dass er sich nicht um den Azubi kümmern kann.
… oder wenn der Ausbildungsbeauftragte sich noch nie Gedanken darum gemacht hat.
… 0der wenn dem Ausbildungsbeauftragten einfach keine Lösung einfällt.

Die Themen Ausbildungsrahmenplan und „sinnvolle Beschäftigung von Azubis“ gehören also zwingend in das Basisseminar.

Stern

5. Finden Sie einen Trainer, der zu Ihnen passt

Ich meine: Finden Sie einen Trainer, die zu Ihnen passt. Natürlich müssen auch Ihre Ausbildungsbeauftragten angetan sein. Aber in erster Linie geht es um Sie. In der Ausbildung sind Sie der Dreh- und Angelpunkt. Es geht um Ihre Gedanken, Ideen, Ziele, Vorstellungen aber auch Herausforderungen und Schwierigkeiten. Wer Ihre Ausbildungsbeauftragten trainiert, sollte jemand sein, dem Sie vertrauen und mit dem Sie gern zusammenarbeiten. Er sollte Ihnen gute Tipps geben – aber auch auf Ihre Wünsche individuell eingehen.

Es ist gar keine schlechte Idee, wenn Sie sich das mal in der Praxis angucken. Viele Bildungsträger bieten Seminare für Ausbildungsbeauftragte an. Dort können Sie live erleben, wie ein Trainer agiert. Sie erfahren die wichtigen Inhalte – und zwar nicht nur von der Agenda sondern auch von den teilnehmenden Ausbildungsbeauftragten.

Falls Sie Lust haben, bei mir mal reinzuschauen, können Sie das bei der Deutschen Gesellschaft für Personalführung – DGfP – tun. Dort gebe ich im März in München und im Juli in Leipzig das Seminar „Erfolgreich ausbilden in der Fachabteilung“.

Ich würde mich freuen, Sie zu sehen!

Ihre, Stefanie Sohr

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