Azubis auf Probe

bleibenDas Unangenehme zuerst: Nicht jeder Azubi kann die Probezeit bestehen. Manche wollen es auch gar nicht. Es ist zwar kein Weltuntergang, wenn Azubi und Betrieb nicht zueinander passen. Es kann sich allerdings so anfühlen. Besonders wenn die Entscheidung einseitig gefällt wird oder offene Fragen bleiben. Alle Beteiligten sollten darum von Anfang an intensiv und vertrauensvoll miteinander sprechen.

Die Fakten

Die Probezeit in der Ausbildung dauert mindestens einen und maximal 4 Monate. Die meisten Betriebe schöpfen die 4 Monate voll aus. Während dieser Zeit gibt es keine Kündigungsfrist. Von heute auf morgen kann das Ausbildungsverhältnis beendet werden.

Die Probezeit ist als Testphase zu sehen. Wobei es nicht darum geht, ob der Azubi genauso tickt, wie einzelne Mitarbeiter es gut finden. Es geht um die grundsätzlichen Fragen: Passen wir zueinander? Scheint das Ausbildungsziel erreichbar?

Sensibilisieren Sie die Ausbildungsbeauftragten für die Bedeutung der Probezeit.

Die Einschätzungen und Beurteilungen der Ausbildungsbeauftragten haben Gewicht und können einiges lostreten bzw. verhindern. Darum dürfen die Ausbildungsbeauftragten auch keinen zu strengen Blick entwickeln. Die Probezeit dient nicht der Negativselektion. Ebenso wenig ist aber auch der gern zitierte Welpenschutz angebracht. Hier müssen Sie die Ausbildungsbeauftragten genau einnorden. Niemand will einen Azubi verlieren, der zum Unternehmen passt. Niemand will einen Azubi „durchschleppen“, der nicht genügend Motivation mitbringt.

Ergänzen Sie Ihren Beurteilungsbogen für die Dauer der Probezeit um eine explizite Empfehlung der Ausbildungsbeauftragten oder spezielle Kriterien.

Wenn ein Ausbildungsbeauftragter das Bestehen der Probezeit für fraglich hält, gilt es die Gründe im Gespräch genau zu erforschen.

  • Stören Verhaltensweisen, mit denen auch andere Abteilungen kämpfen müssten?
  • Wie reagiert der Azubi auf Kritik? (Welcher Art war die Kritik?)
  • Wie stehen die Chancen, dass der Azubi sich noch ändert?
  • Welchen Betreuungsaufwand würde das mit sich bringen?
  • Wie würde sich die festgestellten Mängel auf die Azubi-Gruppe auswirken?
  • Sind Unternehmen und Beruf das Richtige für den Azubi?

Natürlich hat der Azubi ein Wörtchen mitzureden. Binden Sie ihn in die Gespräche ein und bedenken Sie, dass der Azubi Ihren Schutz benötigt. 

Wenn Sie mit dem Azubi über eine mögliche Beendigung der Ausbildung sprechen, ist Fingerspitzengefühl angesagt. Es trifft Azubis häufig empfindlich, wenn sie sich abgelehnt fühlen. Andererseits hat niemand etwas davon, wenn sich ein Azubi durch die falsche Ausbildung quält. Denken Sie an das Märchen vom hässlichen Entlein. Vielleicht kann der betreffende Azubi es nur  in Ihrem Haus niemandem recht machen – in einem anderen Unternehmen könnte er eventuell glänzen.

Wenn ein Azubi von sich aus die Kündigung anspricht, sollten Sie genau nachhaken. Die Frustrationsgrenze junger Menschen ist vielfach so niedrig, dass (für uns) relativ unbedeutende Erlebnisse den Azubi zum „Hinschmeißen“ verleiten. Nutzen Sie offene Fragen, um die wahren Hintergründe zu erfahren. Vermeiden Sie im ersten Schritt Ratschläge. Fragen Sie einfach und hören Sie gut zu. Der Azubi wird sich gerade durch Ihre Fragen „entwirren“ und so auf manchen guten Gedanken ganz von selbst kommen.

 

Prost

In den allermeisten Fällen bestehen die Azubis allerdings die Probezeit. Eine gute Gelegenheit, um etwas für die Stimmung zu tun.

Laden Sie für den entsprechenden Termin zu einem Meeting ein; stellen Sie es unter eine Überschrift, die auf den ersten Blick nichts mit der Probezeit zu tun hat. Z.B. Arbeitszeit, Arbeitsorganisation, Einsatzplanung etc. Je sachlicher und je früher Sie zu diesem Meeting einladen, umso weniger werden die Azubis die Ereignisse miteinander in Verbindung bringen. Und umso größer wird die Überraschung ausfallen, wenn Sie die Azubis mit alkoholfreien Cocktails erwarten, um auf die gemeinsame Zukunft anzustoßen. Oder überreichen Sie ein Werbegeschenk Ihres Unternehmens als Symbol dafür, dass die Azubis jetzt endgültig dazu gehören. Vermitteln Sie Ihre Wertschätzung für die guten Leistungen der ersten Monate. Es darf ruhig ein bisschen feierlich zugehen.

 

 

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