Brauchen (meine) Azubis Seminare?

SAMSUNGFühren Sie eigentlich Seminare mit Ihren Azubis durch? Oder dürfen Ihre Azubis an externen Veranstaltungen teilnehmen? Mal jetzt abgesehen von IT-Schulungen!?

Meinem subjektiven Eindruck nach war Weiterbildung für Auszubildende schon einmal selbstverständlicher.

Gerade persönlichkeitsbildende Themen gelten mittlerweile in einigen Unternehmen als „nice to have“. Nun ist es vermutlich keine Überraschung, dass ich das anders sehe. Schließlich ist Persönlichkeitsbildung mein Beruf. Ich halte etwas davon, wenn Auszubildende den wertschätzenden Umgang mit Kollegen, Dienstleistern, Kunden, Vorgesetzten lernen. Dazu noch 2 Plattitüden:

  • Die Azubis von heute sind die Kollegen und Führungskräfte von morgen.
  • Was Hänschen nicht lernt, muss Hans mit sehr viel Mühe nachlernen. 

Nicht, dass Sie mich falsch verstehen. Weiterbildung als Selbstzweck empfehle ich nicht. Immerhin bin ich auch Ökonomin. Und wenn die Azubi verkürzen, wird die Zeit ja auch sehr knapp. Ich bin daher eine große Freundin von passgenauer Weiterbildung. Es gibt Themen, die finde ich weniger wichtig als andere. Ich habe da meine persönlichen Big Five. Themen, von denen ich glaube, dass Aufwand und Wirkung in sehr gutem Verhältnis stehen; betriebswirtschaftlich wie menschlich gesehen.

Hier meine Big Five im Faktencheck

 

  1. Einführungsveranstaltung
  2. Präsentationstraining
  3. Kommunikationsseminar
  4. Zielfindungscoaching
  5. Prüfungsvorbereitung

 

 

Die Einführungsveranstaltung

Wann: In der ersten Ausbildungswoche

Was: Alles, was man wissen muss, damit man in Ihrem Unternehmen nicht dumm auffällt.

Warum: „Das werden die schon selbst merken“ ist nicht gerade guter Stil. Aber auch die Ausbildungsbeauftragten werden es Ihnen danken, wenn die neuen Azubis professionell ans Arbeitsleben herangeführt werden. Zeit und Budget sind mehr als gut angelegt.

Trainer: Am besten Sie! Wenn Sie keine Lust/Zeit dazu haben, kann die Einführungsveranstaltung auch von älteren Azubis durchgeführt werden. Die finden das toll. Die Einbindung externer Trainer ist möglich und für bestimmte Parts empfehlenswert (z.B. Knigge oder Outdoor-Elemente).

Wohlfühlfaktor: Hoch 10. Azubis sind ohnehin eine extrem loyale Mitarbeitergruppe. Mit einem gelungenen Kick-off aktivieren Sie den inneren „Gefällt mir“-Button von Anfang an.

Hand auf´s Herz: Haben Ihre Azubis die Möglichkeit, sich vor dem ersten Abteilungseinsatz mit allen wichtigen Verhaltensregeln in angstfreier Atmosphäre vertraut zu machen?

Wenn nicht: Hier gibts Tipps!

 

Präsentationstraining

Wann: Möglichst vor dem ersten Schulblock, damit die Azubis von Anfang an glänzen können.

Warum: Kaum eine Fähigkeit ist heute so entscheidend für die Karriere wie das Vermögen und die Bereitschaft (sich) zu präsentieren. Wer das nicht kann, hat einen echten Nachteil. Nicht nur bei der Abschlussprüfung.

Wer es nicht braucht: Bei allem Gejammer über sinkende Kompetenzen der Schulabgänger: Präsentieren können sie besser als alle Vorgängergenerationen. Manche Schulabgänger beherrschen die Kunst der freien Rede sogar besser als gestandene Führungskräfte.

Faktencheck: Lassen Sie Ihre neuen Azubis während der Einführungsveranstaltung eine 5-minütige Präsentation erarbeiten und halten. Thema: „Brauche ich ein Präsentationsseminar?“  Als Grundlage können (müssen aber nicht) folgende Fragen beantwortet werden:

  • Wenn ich an Präsentationen denke: Was gelingt mir richtig gut?
  • Wenn ich an Präsentationen denke: Was macht mir regelmäßig zu schaffen?
  • Wenn ich an Präsentationen denke: Wie fühle ich mich jetzt?
  • Wenn ich an Präsentationen denke: Was möchte ich gern lernen?

Wichtig: Die Azubis sollen ihre Präsentation visuell unterstützen – allerdings ohne PowerPoint. Danach sehen Sie vollkommen klar, wie es um den Weiterbildungsbedarf Ihrer Azubis steht.

Trainer: Wenn´s was bringen soll, ein ausgebildeter Trainer. Falls Sie selbst über eine Trainerausbildung nachdenken: Präsentationstrainings eignen sich prima für ein erstes eigenes Seminar.

Wohlfühlfaktor: Erwarten Sie keine Jubelstürme. Das Thema ist trotz aller zur Schau gestellten Lässigkeit angstbesetzt. Vorher hat so gut wie jeder Azubi ein mulmiges Gefühl. Im Nachhinein sind aber immer alle froh.

 

 

Kommunikationsseminar(e)

Wann: Nach 6 – 12 Monaten

Warum: Wollen Sie, dass Azubis Kritik annehmen und aus Fehlern lernen? Dann müssen Sie ihnen beibringen, wie das geht. Das kann man nämlich nicht einfach so. Viele Azubis nicken das Feedback in den Abteilungen einfach nur ab, ohne es wirklich an sich heranzulassen. Andere diskutieren endlos, weil sie eine „gute Note“ in der Abschlussbeurteilung haben wollen. Das sind  Zeichen für mangelnde Kritikfähigkeit.

Warum noch: Wollen Sie wirklich, dass Azubis in den Abteilungen auch Feedback geben? Dann müssen Sie ihnen beibringen, wie man das macht, ohne Porzellan zu zerschlagen. Ansonsten sind Konflikte und schlechte Beziehungen  vorprogrammiert. Apropos Konflikte: die bleiben nun einmal nicht aus im Arbeitsleben. Jedenfalls über Deeskalation sollten Azubis einmal etwas gehört haben.

Reicht es nicht, wenn Sie das im Einführungsseminar behandeln: Nein. Erst wenn die Azubis einige Beurteilungsgespräche und/oder schwierige Situationen hinter sich haben, wird die Bedeutung der Seminarinhalte klar. Es geht um Verhaltensänderung. Das ist schwierig und braucht Veränderungsdruck.

Trainer: Hier sollte ein wirklich erfahrener Trainer ran. Azubis sind nämlich viel, viel verletzlicher als gestandene Kollegen.

Wohlfühlfaktor: Das hängt von der Professionalität des Trainers ab.

 

 

 

Zielfindungscoaching

Wann: Zur Halbzeit

Warum: Weil die Frage nach dem Ziel, die Frage aller Fragen für Azubis ist. Nichts motiviert mehr als die Suche nach der Antwort.

Coach: Sie

Kann ich das? Einfach so?: Ja.

Wirklich?: Naja, wenn Sie die Zeit haben und die Lust, sich intensiv damit auseinanderzusetzen.

Ausnahme: Wenn es um Outplacement geht. Dann ist ein Profi angesagt.

Wohlfühlfaktor: Was für eine Frage.

 

 

Prüfungsvorbereitung

 

Wann: Etwa 6 Wochen vor der schriftlichen Prüfung. Bei Blockunterricht in der Woche vor dem Prüfungsblock.

Warum: Wegen der Chancengleicheit. Andere Azubis bekommen das auch.

Trainer: Es gibt gute Institute. Aber wenn Sie es machen + Spezialisten aus den Fachteilungen einbinden, ist das auch super. Es ist übrigens auch prima für die Stimmung und die Motivation der Ausbildungsbeauftragten.

Inhalte:

  1. Fachliches, prüfungsrelevantes versteht sich von selbst.
  2. Auf jeden Fall sollten Sie etwas zur Prüfungsplanung sagen.
  3. Manchmal wissen Azubis gar nicht, wie man effektiv lernt.
  4. Prüfungsangst lässt sich gut unter 4 Augen thematisieren.

Wohlfühlfaktor: Wenn man´s gut macht, bekommt die Prüfungsphase eine eigene Ästhetik. Dann bringt Lernen richtig Spaß!

 

 

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