Das Beurteilungsgespräch

regenbogenHand aufs Herz: Wie fühlen Sie sich, wenn Sie einen Azubi kritisieren? Und wie fühlen Sie sich, wenn Sie selber kritisiert werden? Die wenigsten Ausbildungsbeauftragten lässt das Thema Kritik kalt. Einerseits weiß man, dass der Azubi Kritik braucht, um daran zu wachsen. Andererseits möchte man ihn nicht verunsichern oder gar verletzen.

Manche Ausbildungsbeauftragte schlucken sogar eine ganze Menge Ärger hinunter, um bloß nicht kritisieren zu müssen. Aber spätestens im Abschlussgespräch kommt man nicht mehr drum herum.

Das Schwierigste am Beurteilungsgespräch: Sie müssen dafür sorgen, dass der Azubi aufnahmebereit bleibt. Er soll zuhören (können). Schließlich haben Sie wichtige Verbesserungstipps wir für ihn. Doch wenn beim Azubi erst einmal „die Klappe gefallen“ ist, können Sie mit Engelszungen reden – er wird Ihnen nicht mehr folgen. Damit das nicht passiert, gibt es einiges zu tun:

 

  • Füllen Sie die Beurteilung vor dem Gespräch mit Bleistift aus. Es kann sein, dass sich Ihre Sicht im Laufe des Gesprächs noch ändert. Vielleicht fehlen Ihnen noch Informationen, warum der Azubi gewisse Fehlleistungen erbracht hat. Achten Sie im Gespräch aber darauf, dass es nicht zu einem Wettkampf um die Bewertung einzelner Punkte gibt.
  • Nehmen Sie sich genügend Zeit für das Beurteilungsgespräch. Mindestens eine Stunde. Es mag sein, dass Sie schneller fertig sind. Doch falls Probleme auftauchen, wäre es fatal, wenn Sie das Gespräch abbrechen müssten.
  • Führen Sie das Gespräch unter 4 Augen. Sorgen Sie dafür, dass sie ungestört sind. Wenn es in Ihrem Büro nicht möglich ist, buchen Sie einen Konferenzraum oder gehen Sie mit dem Azubi spazieren. Schalten Sie das Telefon um, aus oder auf lautlos.
  • Stellen Sie eine angenehme Gesprächsatmosphäre her. Bieten Sie dem Azubi etwas zu trinken an. Verschanzen Sie sich nicht hinter Ihrem Schreibtisch.
  • Beginnen Sie die Beurteilung mit Ihren positiven Beobachtungen.
  • Besprechen Sie jeden einzelnen Punkt des Beurteilungsbogens. Wenn Sie etwas nicht beurteilen können, tun sie es auch nicht. Streichen Sie die Punkte und sagen Sie dem Azubi, warum Sie sie gestrichen haben.
  • Belegen Sie jede Beurteilung mit konkreten Beispielen. Aufgrund welcher konkreter Situationen haben Sie die Beurteilung erstellt?
  • Ermuntern Sie den Azubi mit offenen Fragen, Stellung zu nehmen.
  • Wenn der Azubi Einwände hat, reagieren Sie ebenfalls mit offenen Fragen.
  • Versuchen Sie, ihn zu verstehen – vielleicht hat er Recht mit seinen Einwänden. Vielleicht aber auch nicht.
  • Vermeiden Sie Formulierungen wie „alle sagen, dass Sie…“ oder „immer haben Sie…“ oder „jeder sagt…“ oder „niemand hält Sie für…“. Diese Generalisierungen lösen innere Abwehr aus. Wenn Sie zum Beispiel sagen „…nie waren Sie pünktlich…“ fällt dem Azubi garantiert sofort ein, dass er letzten Montag eben doch einmal pünktlich gewesen ist. Damit ist Ihre Kritik schon verwässert.
  • Geben Sie dem Azubi zu jedem Kritikpunkt einen konkreten Verbesserungsvorschlag.
  • Sagen Sie dem Azubi bei jedem Kritikpunkt, warum er sich in dieser Frage ändern sollte.
  • Wenn Sie Unterstützung anbieten, muss das ehrlich gemeint sein. Sagen Sie auch da sehr konkret, welcher Art Ihre Unterstützung sein könnte.
  • Sprechen Sie nur von sich: Wie haben Sie den Azubi wahrgenommen. Wie ist Ihre Sicht der Dinge.
  • Senden Sie Ich-Botschaften. Ich-Botschaften sind für den Azubi leichter anzunehmen als Du-Botschaften. Beispiel: „Auf mich hast Du in der Situation unvorbereitet gewirkt“ statt „Du hast Dir zu wenig Mühe gegeben.“
  • Sprechen Sie Kritik auch als Kritik aus. Formulieren Sie die Kritik klar und deutlich. Wenn Sie sie verniedlichen, besteht die Gefahr, dass der Azubi die Kritik überhört.
  • Fixieren Sie am Ende den genauen Wortlaut der Beurteilung.

 

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