Das Eisberg-Modell

Eisberg-ModellDas Eisberg-Modell ist eines der bekanntesten Kommunikations-Modelle. Es wird auf Sigmund Freud zurückgeführt. Seinen Theorien nach ist Kommunikation mit dem Eisberg der Titanic zu vergleichen. Ein kleiner Teil befindet sich sicht- und hörbar über der Wasseroberfläche. Ein sehr viel größerer Teil liegt unter der Wasserlinie verborgen. Wir gehen dabei von einer 20/80-Regel aus (Pareto-Prinzip). 20% sind die sicht- und hörbaren Komponenten im Kommunikationsprozess: Worte, Gestik, Mimik – es ist das, WAS wir sagen. Mit 80% viel gewichtiger die unsichtbaren Komponenten. Denn die erklären, WARUM wir etwas sagen. Es sind unsre Gefühle, Motive, Bedürfnisse usw usf.

Missverständnisse finden häufig ihren Ursprung darin, dass nur über der Wasseroberfläche kommuniziert wird.

So sagt ein Ausbildungsbeauftragter am 1. Tag der Einsatzes in der Regel zum neuen Azubi: „Schön, dass Du da bist.“ Der Azubi wird mit ziemlicher Sicherheit sinngemäß antworten: „Ich freue mich auf den Einsatz.“

Es kann sein, dass das stimmt. Der Ausbildungsbeauftragte freut sich wirklich. Der Azubi auch. Alle freuen sich. Fein. Es kann aber genauso gut nicht stimmen. Vielleicht hat der Ausbildungsbeauftragte unheimlichen Stress und fürchtet, dem Azubi nicht gerecht zu werden? Vielleicht hat der Azubi seinen letzten Einsatz versemmelt und ist nun vollkommen verunsichert?

Manchmal ist Kommunikation mehr Ritual als tatsächlicher Austausch. Wir erleben das täglich. „Wie geht es Dir?“ „Gut und selbst?“ Über diesen Wortwechsel denken wir kaum mehr nach.

Doch genau dort liegt Konfliktpotential. Bezogen auf das Beispiel mit dem Azubi: Ein verunsicherter Azubi braucht andere Dinge als ein selbstbewusster Azubi. Ein gestresster Ausbildungsbeauftragter hat eine andere Ausstrahlung als ein in sich ruhender Ausbildungsbeauftragter. Häufig spüren wir in solchen Fällen, dass etwas nicht ganz stimmt, können es aber nicht genau benennen. Es ist eben genau wie bei der Titanic – die sichtbare Spitze des Eisbergs war nicht gefährlich. Seine Ausmaße unter der Wasserlinie brachten den unsinkbare Schiff zum Sinken.

In einer guten Beziehung lässt man einander ein wenig unter die Wasseroberfläche blicken. Das geschieht, wenn der Azubi Ihnen zutraut, mit seinen Bedürfnissen und Emotionen umzugehen. Dann sagt er vielleicht am ersten Tag: „Ehrlich gesagt, ich bin total nervös. Ich will nichts falsch machen.“  Oder Sie sagen: „Ehrlich gesagt, habe ich zu viel zu tun im Moment. Ich weiß gar nicht, wie ich Dir gerecht werden soll.“

Natürlich muss das rechte Maß eingehalten werden. Ich meine nicht, dass man mit seinen Azubis zu offen umgehen oder gar privat werden sollte. Aber das ist ein anderes Thema.

 

 

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