Das Johari-Fenster

SAMSUNGIn der Ausbildung erleben Azubis fortwährend, wie ihre Verhaltensweisen und Einstellungen auf andere wirken. Sie bekommen direktes oder indirektes Feedback. Wenn Sie in Ihrem Betrieb ein Beurteilungssystem haben, wird dieser Prozess verstärkt.

Das Johari-Fenster ist ein psychologisches Modell, das sehr gut zeigt, wie Selbst- und Fremdbild sich decken bzw unterscheiden. Ich ziehe es gern heran, um Azubis und Ausbildungsbeauftragten die Bedeutung von Feedback zu erläutern. Der Begriff Johari hat übrigens keinerlei Bedeutung; er setzt sich aus den Vorname der Autoren Joseph Luft und Harry Ingham zusammen.

Das Johari-Fenster ordnet die Verhaltensweisen und Einstellungen des Azubis danach, ob sie dem Azubi und dem Ausbilder bekannt oder unbekannt sind.

Offene Person (oder Arena)

Das Verhalten ist dem Azubi und dem Ausbilder bekannt. Hier finden wir die Verhaltensweisen und Einstellungen von denen ein Azubi sagt: Ich weiß, dass ich so bin. Und es ist für mich ok, wenn mein Ausbilder das sieht. Wie viel und was man seiner Umwelt zeigt, kann man (besonders zu Beginn einer Beziehung) weitestgehend steuern. Dieser Bereich ist zu Beginn der Ausbildung oder eines Einsatzes sehr klein. Anfangs sehen wir nur einen Ausschnitt.

Private Person (oder Fassade)

Hier geht es um die Verhaltensweisen und Einstellungen, die der Azubi seinem Ausbilder nicht zeigt. Zum Beispiel weil es ihm unangenehm ist oder weil er negative Konsequenzen befürchtet. Je distanzierter das Verhältnis, desto größer ist die Private Person des Azubis. Erst nach und nach wird er sich in der Regel öffnen und uns teilhaben lassen. Er muss erst für sich herausfinden, ob er sich zeigen darf. Zum Beispiel: Kann ich meinem Ausbilder sagen, dass sich bei Mathe mein Gehirn ausrenkt? Ist es ok, wenn ich bestimmte Dinge hier voll langweilig finde? Darf jemand wissen, dass ich am Wochenende gefeiert habe und nun mit Kopfschmerzen hier sitze? Entschließt sich der Azubi, sich uns zu öffnen, wird die Private Person zugunsten der Offenen Person kleiner.

Blinde Flecken

Die Blinden Flecken sind dem Azubi unbekannt. Der Ausbilder nimmt sie wahr. Er beobachtet an dem Azubi Verhaltensweisen, die diesem nicht bewusst sind. Darum ist es so wichtig, dass Ausbilder sich trauen, Feedback zu geben. Denn nur wenn wir Azubis auf ihre Blinden Flecken hinweisen, können sie sich ihrer Außenwirkung bewusst werden. Der Blinde Fleck wird zugunsten der Offenen Person kleiner.

Schwarzer Fleck (oder Dr. Freuds Revier)

Diesen Bereich kennt weder der Azubi noch der Ausbilder. Hier ist das Unbewusste am Werk. Warum ein Azubi sich verhält, wie er sich verhält, ist in der Regel weder ihm klar noch einem anderen Menschen. Manche Elemente, z.B.. Ängste oder geheime Wünsche, werden im Rahmen therapeutischer Prozesse aufgedeckt. Andere erschließen sich durch Zufall. Z.B. können Azubis im Laufe ihrer Ausbildung auf verborgene Talente stoßen, die sie sich selbst nie zugetraut hätten.

Kommentar schreiben

Sie müssen eingeloggt sein, um einen Kommentar zu schreiben.