Keine Angst vor Konflikten

Konflikte sind oft belastend. Genau besehen sind sie aber kein Grund sich graue Haare wachsen zu lassen oder gar den Kopf zu verlieren. Eine Zusammenarbeit ohne Konflikte wäre wie Selbstbestimmung ohne Selbstverantwortung: Ganz und gar unmöglich. Immer wieder nutzen Menschen Konflikte, um sich mit anderen zu reiben. Dabei geht es weniger um persönliche Abneigungen als um das Erfahren von Grenzen.

Auch wenn sich der Konfliktbegriff diffus präsentiert, gibt es einige Modelle zur genaueren Definition im Umgang mit Konflikten. Wenn´s bei Ihnen irgendwo im Gebälk knirscht, kann es Sinn machen, zunächst zu beleuchten, um welche Art von Konflikt es sich handelt.

Sachkonflikte

Sachkonflikte treten bei Meinungsdifferenzen auf oder wenn unterschiedliche Standpunkte hinsichtlich der Aufgabe auftreten. Wenn auf der Beziehungsebene keine Spannungen herrschen, können auch langwierige Streitgespräche problemlos ausgetragen werden. Erwachsene Menschen können das in der Regel. Azubis nicht! Schon gar nicht wenn es darum geht, Ihre (berechtigten) Interessen und Ansichten gegenüber Höhergestellten zu verteidigen. Wenn Sie es Ihren Azubis beibringen, ist das nicht nur toll für deren eigene Entwicklung – sondern auch für das zukünftige Betriebsklima. Unternehmen brauchen denkende, konfliktfähige Mitarbeiter.

Strukturkonflikte

Wenn das Problem in der Struktur eines Teams verankert ist, liegt häufig ein Versagen der Leitung vor. Ausbilder haben häufig das Problem, dass Sie auf Geschäftsführungsebene nicht genügend Rückhalt finden. Zwar lautet das übliche Credo „Ausbildung finden wir super und wichtig“ – aber nicht immer wird das auch konkret in der Praxis gelebt. So kann es dazu kommen, dass Ausbilder mit Ausbildungsbeauftragten Konflikte erleben. Beispielsweise wenn Ausbildungsbeauftragte ihre eigene Rolle oder das Ziel der Ausbildung anders definieren als die Ausbildungsleitung. Manchmal erleben die Ausbildungsbeauftragten auch zu wenig Unterstützung durch ihre eigenen Abteilungs- und Bereichsleiter, um ihre Ausbildungsfunktion gut ausfüllen zu können. Hier müssen dringend Spielregeln her – und zwar von ganz oben mitgetragen!

Wertekonflikte

Neulich bat mich eine Ausbilderin um meine Meinung in einem Konflikt mit ihrer direkten Kollegin. Beide waren gemeinsam für die Azubis zuständig. Während die eine es als Zumutung empfand, dass ein Azubi bei der Arbeit stets die Mütze aufbehielt, war das der anderen schnurzpiepegal. Wer von beiden hatten nur Recht?

Leider konnte ich da keine bessere Antwort geben als: Ihr habt beide Recht.

Wertekonflikte basieren auf den unterschiedlichen Persönlichkeiten der Beteiligten. Da kaum jemand von seiner ureigenen Wertevorstellung abrücken kann, ist bei Wertekonflikten die reine Diskussion sinnlos. Wir müssen in diesem Fall die Unterschiede thematisieren und Verständnis für unliebsame Vorstellungen entwickeln. Wer das kann, zeigt Toleranz.

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