Der Ausbilder als Azubi-Trainer

Ob man seine Azubis selbst weiterbildet oder lieber einen externen Trainer einsetzt, ist Geschmackssache. Es spricht einiges dafür, als Ausbilder „in die Bütt“ zu steigen. Und manches dagegen. Basis aller Überlegungen ist natürlich die Frage, ob Sie dazu Lust haben. Seminare durchzuführen kann ziemlich anstrengend sein. Besonders am Anfang. Und besonders mit Azubis. Junge Menschen sind extremer im Ausdruck. Manche sind sehr direkt und nicht immer höflich. Andere brauchen besonders viel Ermunterung. Und die nächsten sind unkonzentriert, „stören“ das Seminar oder blödeln herum.

Hier einige Denkanstöße zur Auseinandersetzung mit der Rolle des Ausbilders als Trainer:

72Um für die eigenen Azubis als Trainer zu fungieren braucht man vor allem eine echte innere Motivation. Sie müssen Spaß daran haben. Lust darauf. Und natürlich einen Sinn darin sehen. Mit innerer Motivation meine ich, dass es nicht darum gehen darf, wie die Azubis auf Sie in Ihrer Trainerrolle reagieren. Es geht nur um Ihre feste Überzeugung, dass die Seminarinhalte wichtig für die Entwicklung Ihrer Azubis sind und damit auch wichtig für Ihr Unternehmen.

Ihre innere Motivation schützt Sie, wenn Azubis mit Ablehnung oder Desinteresse reagieren.

Ihre innere Motivation schützt die Azubis davor, sich Ihnen gegenüber verpflichtet zu fühlen.

Das kann nämlich passieren, selbst wenn Sie das gar nicht erwarten. Manche Azubis empfinden einen Druck nach dem Motto: Ich muss das Seminar jetzt gut finden, weil meine Ausbilderin so nett ist. Sie müssen dagegen steuern, sonst haben die Azubis vor lauter „Friedhöflichkeit“ überhaupt nichts vom Seminar.

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Überhaupt ist die Frage aller Fragen: Was haben meine Azubis davon? Was hat mein Betrieb davon? Welche Seminare brauchen meine Azubis? Im Seminar geht es immer nur um die Teilnehmer und den Nutzen für das Unternehmen, nie um den Trainer. In der Weiterbildungsplanung geht es stets um die Frage: Welche Methode ist a) zielführend und b) ökonomisch? Manche Inhalte können die Azubis auch im Selbststudium erarbeiten. Manches Thema läuft am besten im klassischen Beratungsgespräch. Da Seminare einiges an Arbeitszeit binden, wird Ihre Führungskraft sie vermutlich nur dann gern unterstützen, wenn das Weiterbildungskonzept zielgerichtet und sinnvoll ist.

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Weiterbildung kostet. Entweder Geld oder Zeit & Kraft. Auch erfahrene Trainer wissen nach einem langen Seminartag, was sie getan haben. (Mal immer vorausgesetzt, dass sie tatsächlich was getan haben und nicht einfach nur die Seminarinhalte abspulen). Wie viel Arbeit und Know how in der Trainerarbeit liegt, kann man z.B. an der Honorarempfehlung des Berufsverbandes für Trainer, Berater und Coaches ablesen. Sie liegt seit bei 1.200,– für einen Junior-Trainer und 2.100,– für einen erfahrenen Trainer. Pro Seminartag! Wenn Sie sich dafür entscheiden, Seminare für Ihre Azubis zu konzipieren und durchzuführen, werden Sie also ordentlich was zu tun haben. Weil kaum ein Ausbilder Zeit im Überfluss hat, werden Sie einen Teil dieser Arbeit vermutlich in der Freizeit leisten müssen. Allerdings werden Sie das bei innerer Motivation auch wollen: Weil Ihnen das Ganze so viel Spaß bringt.

190In der Seminararbeit stößt man Denkprozesse bei den Auszubildenden an. Dabei kommt man häufig mit sehr persönlichen Erfahrungen und Einstellungen der Teilnehmer in Berührung. In der Trainerrolle werden Sie mit ziemlicher Sicherheit, Dinge von Ihren Azubis erfahren, die Sie so noch nicht wussten. Das können auch schwere Themen sein, wie Ängste oder Aggressionen. Als Ausbilder sollte man sich also genau überlegen: Will ich das eigentlich? Möchte ich diese Nähe oder finde ich es für mich und/ oder die Azubis besser, wenn eine gewisse Distanz eingehalten wird?

 

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