Der Prozess der Wahrnehmung

Der Prozess der WahnehmungSicher haben Sie schon einmal erlebt, dass ein Kollege eine Situation (oder einen Azubi) vollkommen anders einschätzt  als Sie. Das geschieht vor allem (aber nicht nur), wenn es emotional wird. Und dahinter steckt sogar System. Wie wir Situationen (und Azubis) wahrnehmen, hat manchmal mehr mit uns selbst zu tun als mit den tatsächlichen Gegebenheiten (oder unserem Azubi).

 

Gut erklärt es der Prozess der Wahrnehmung.

 

Wann immer wir etwas wahrnehmen (sehen, fühlen, hören, riechen… etc), stellen wir sofort eine Vermutung an, was das wohl bedeuten mag. Je nachdem wie wir gestrickt sind, werden wir die Situation als gut/schlecht/sicher/gefährlich/langweilig/spannend bewerten. Und je nach Urteil werden wir reagieren.

 

Der Prozess der Wahrnehmung kann ausgesprochen sinnvoll ablaufen.

 

Beispiel:

Ein Jäger & Sammler bewegt sich in der Steppe und nimmt wahr: „Da hinten raschelts im hohen Gras.“

Er vermutet: „Es wird sich wohl um einen Säbelzahntiger handeln.“

Er bewertet die Situation als gefährlich.

Und reagiert, in dem er die Beine in die Hand nimmt.

 

 

Der Prozess der Wahrnehmung kann ausgesprochen hinderlich wirken.

 

Beispiel:

Sie erklären einem Azubi einen komplizierten Sachverhalten und nehmen wahr: Der Azubi schaut an Ihnen vorbei zum Fenster hinaus.

Sie vermuten: „Allzu interessant findet der Azubi meine Erklärungen offenbar nicht.“

Sie bewerten das als … Halt! Stopp! Wie Sie das bewerten, kann ich gar nicht wissen.

 

Vielleicht denken Sie: Frechheit!

Vielleicht denken Sie: Du meine Güte, bin ich wirklich so langweilig?

Vielleicht denken Sie etwas anderes.

 

Was Sie denken (empfinden), ist abhängig von Ihrer Persönlichkeit.

Und auch wie Sie reagieren, ist davon abhängig. 

Wer „Frechheit“ denkt, wird z.B. mit Empörung reagieren.

Wer „Du meine Güte, bin ich wirklich so langweilig?“ denkt,  wird z.B. mit Verunsicherung reagieren.

Wer etwas anderes denkt, wird  anders reagieren.

 

 

Das wirklich Spannende daran: Vielleicht war ja bereits unsere Vermutung falsch?

Vielleicht schaut der Azubi gar nicht aus Langeweile oder Respektlosigkeit aus dem Fenster? Vielleicht ist er ein visueller Lerntyp? Einer, der den Blick ins Freie braucht, um sich konzentrieren zu können? Vielleicht ist also im Gegenteil total bei der Sache?!

Dann läuft der Prozess der Wahrnehmung ganz anders ab:

Sie nehmen wahr, dass der Azubi aus dem Fenster schaut.

Sie vermuten: Toll, ich hab ihn an der Angel. Ich sehe ihn förmlich denken.

Sie bewerten das als echten Erfolg.

Sie reagieren mit Freude. (Was natürlich mehr Spaß bringt, aber auch nicht zwangsläufig der Wahrheit entspricht.)

 

Unsere Vermutungen sind Vermutungen.

Mehr nicht. Um Situationen (und Azubis) objektiv wahrzunehmen, müssen wir uns den Prozess der Wahrnehmung immer wieder bewusst machen. Nicht nur (aber besonders) im Beurteilungsprozess. Doch das ist ein anderes Thema. 

 

Keine Kommentare möglich.