10 Dinge, die Du über Bewerbungen wissen solltest

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Für Schüler gibt es unzählige (und viele gute) Ratgeber, wie man sich professionell bewirbt.  Aber in den wenigsten findet man, worüber sich Ausbilder wenigstens wundern, manchmal sogar ärgern. Auch auf den Seiten der Ausbildungsbetriebe werden selten die Knackpunkte angesprochen, von denen ich in meinen Seminaren mit Ausbildern immer wieder höre. Warum eigentlich nicht?

Vielleicht weil es um Selbstverständlichkeiten geht. Dinge, bei denen „Erwachsene“ innerlich die Augenbrauen heben und denken: Ja, kann denn das wahr sein?!

Ganz fair ist das nicht. Denn offenbar handelt es sich um Verhaltensweisen, die für Schüler eben nicht selbstverständlich sind. Also, dann mal Hand aufs Herz! Hier meine 10 Bewerbungsgebote für Azubis:

 

1 GEBOT: DER BEWERBER BIST DU – ES SOLL KEINE BEWERBER GEBEN NEBEN DIR

  • „Guten Tag, ich wollte für meinen Sohn fragen, ob Sie ausbilden…“ – viele Ausbilder sind entnervt von allzu engagierten Eltern (zumeist Müttern), die sich persönlich um den Ausbildungsplatz für ihre Kinder (zumeist Söhne) kümmern. Es ist sicher lieb gemeint, wenn Deine Eltern Dich unterstützen – Deine Chancen sinken dabei aber zumeist gen Null. Im Betrieb entsteht so der Eindruck, dass Du selbst noch nicht in der Lage bist, eigenverantwortlich zu handeln. Also: Nimm die Sache selbst in die Hand. (Merke: Es ist nur ein Anruf. Es kann Dir überhaupt nichts passieren.)
  • Gleiches gilt für Einstellungstests, Bewerbungsgespräche, Vertragsunterschriften etc. pp. Der Moment, in dem Du Dich an ein Unternehmen wendest, ist der Moment, ab dem Du als eigenverantwortlicher Mensch angesehen wirst. Vielleicht werden Deine Eltern einmal ausdrücklich eingeladen, sich Deinen zukünftigen Arbeitgeber anzuschauen. Das ist die einzige Situation, in der Du sie einbinden solltest.

2. GEBOT: DEINE BEWERBUNG SEI FEHLERFREI

  •  Muss ich überhaupt sagen, dass Schreibfehler ein absolutes NO-NO sind? Muss ich! Immer wieder klagen Ausbilder über mangelnde Rechtschreibung in den Bewerbungsunterlagen. Im besten Fall unterstellt man Dir nicht Unwissen sondern „nur“ zu wenig Sorgfalt. Aber auch das ist ein Grund, warum Deine Bewerbung auf den Stapel mit den Absagen wandert. Lass Deine Bewerbungen unbedingt von jemandem gegenlesen. Besonders wenn Du Dir Deine Unterlagen wieder und wieder vorgenommen hast, fallen Dir Deine Rechtschreibfehler nämlich gar nicht mehr auf.

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3. GEBOT: DEINE BEWERBUNG SEI KEIN MASSENMAILING

  • Ja, Du schreibst viele, sehr viele Bewerbungen. Und nein, Du musst Dir nicht jedes Mal eine komplett neue Version aus den Fingern saugen. Doch Du solltest darauf achten, dass sich jeder Adressat persönlich angesprochen fühlt. Bei Serien-Dokumenten passiert es leicht, dass man vergisst, den Ansprechpartner oder Berufswunsch entsprechend auszutauschen – achte höllisch darauf. Du könntest die Bewerbung sonst auch direkt in den Mülleimer werfen.
  • Wenn Du Deine snail-mail-Bewerbung optisch auf das jeweilige Unternehmen ausrichtest, ist das ein schöner Eye-Catcher, um direkt aus der Masse hervorzustechen. Bringe zum Beispiel auf dem Deckblatt ein aktuelles Zitat aus der Presse. Gib den Namen des Betriebes bei Google ein und verwende den Ausdruck als 1. Seite. Schneide Werbung aus der Zeitung aus. Bedenke: Ausbilder sind ziemlich normale Menschen. Sie freuen sich wie jeder andere auch, wenn sie persönlich angesprochen werden.
  • Für digitalisierte Bewerbungen gilt im Prinzip das Gleiche. Hier solltest Du aber sehr darauf achten, das Dokument nicht zu sehr aufzublasen. Viele Unternehmen nennen eine maximale MB-Größe auf ihrer Homepage.

4. GEBOT: DU SOLLST NICHT IGNORANT SEIN 

  • Wenn Du zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen wirst, musst Du den Termin bestätigen. Lass nicht zu lange auf Deine Bestätigung warten.
  • Falls Du am vorgeschlagenen Termin keine Zeit hast, ruf bitte so früh wie möglich an.  In der Regel wird man versuchen, Dir einen neuen Termin zu geben.
  • Wenn Du nicht hingehen möchtest, ruf auch an. Zum einen weil sich das so gehört. Zum anderen weil die Arbeitswelt klein ist. Man sieht sich immer  zwei Mal.

5. GEBOT: DU SOLLST DICH VERNÜNFTIG ANZIEHEN

  • In jedem Unternehmen existiert ein Dresscode. Selbst da, wo es angeblich keinen gibt.
  • Piercings & Tatoos bitte bedecken. Mützen & Caps besser zuhause lassen.
  • Jungs haben es leichter als Mädchen. Mit einer gut sitzenden Jeans und einem Hemd sind sie überall perfekt angezogen.
  • Mädchen haben es schwerer. Wer sich zu sexy gibt, wird schnell in eine Schublade gesteckt. Bauchfrei und zu heftige Ausschnitte solltest Du Dir dringend verkneifen.
  • Sorge dafür, dass Deine Klamotten bereits am Tag vorher gewaschen und gebügelt in Deinem Zimmer liegen – wenn Du erst kurz vorm Losgehen entdeckst, dass ein Knopf an Deinem Hemd fehlt, machst Du Dir unnötigen Stress.

6. GEBOT: DU SOLLST PÜNKTLICH SEIN

  • Unpünktlich zum Einstellungstest oder Bewerbungsgespräch? Geht überhaupt gar nicht. Deine Entschuldigung interessiert in der Regel übrigens niemanden.
  • Ein guter Trick, um nicht zu spät zu kommen: Eine halbe Stunde vorher von zuhause losgehen – nur zur Sicherheit.
  • Du musst von Oberbayern nach Hamburg und hast die Wahl zwischen einem Zug, der drei Stunden zu früh in Hamburg einläuft und einem mit dem Du es gerade eben schaffst. Nimm den früheren und guck Dir schon mal Hamburg an.

7. GEBOT: DU DARFST AUFGEREGT SEIN

  • Es gibt viele schreckliche Momente in einem Bewerbungsverfahren. Für viele ist der allerschrecklichste, wenn Du Dich offiziell in der Runde vorstellst. Es wird erwartet, dass Du ein paar Worte sagst. Z.B. wer Du bist und was Du vorher gemacht hast. Sprich laut und deutlich, schau den anderen in die Augen und lächle dabei. Solltest Du rot anlaufen, ist das kein Problem: Die Ausbilder finden das niedlich. Und die anderen Bewerber fühlen sich genauso unsicher wie Du.
  • Niemand erwartet einen emotionslosen Roboter. Ausbilder haben Erfahrung mit der Situation und wissen, dass viele Bewerber unendlich nervös sind. Das ist kein Problem sondern zeigt im Gegenteil, dass Dir etwas an dem Ausbildungsplatz liegt. Mach Dich nicht zusätzlich verrückt, in dem Du zu hohe Erwartungen an Dich selbst stellst.

8. GEBOT: DU SOLLST DU SEIN

  •  „Ich bin flexibel, kreativ und teamfähig“, ein Satz, der in fast jeder Bewerbung zu finden ist. Irgendwo muss ein Ratgeber existieren, der Schülern sagt, dass dies zum Standard gehört. Rechne damit, dass man Dich im Bewerbungsgespräch fragt, was Dich denn so kreativ macht. Wann zeigst Du Dich flexibel? Wann teamfähig? Darauf solltest Du eine andere Antwort haben. Im besten Fall beschreibst Du Dich in Deiner Bewerbung sowieso gleich so, wie Du wirklich bist – dann hast Du automatisch die richtige Antwort parat.
  • Verfahre ebenso mit den viel genutzten „schlechten“ Eigenschaften: Ungeduld und Ehrgeiz.
  • Und den Hobbies Schwimmen und Lesen.
  • Das Unternehmen muss sich genau so bei Dir bewerben wie Du beim Unternehmen. Versuche nicht, Dir eine Umgebung schön zu reden, die Dir absolut widerstrebt. Es kann für beide Seiten unerträglich sein, drei Jahre durchzuhalten, wenn es partout nicht passt.

9. GEBOT: DU SOLLST FRAGEN HABEN

  • Immer wieder sind Ausbilder erstaunt, dass Bewerber überhaupt nichts über das Unternehmen und die Ausbildung wissen wollen. Es hinterlässt den Eindruck, dass Dir egal ist, wo Du landest. Das ist nicht gut. Gar nicht gut.
  • Stelle Dir vor, Du hättest zwei Ausbildungsplätze zur Wahl. Welche zehn Fragen würdest Du gern stellen, um Dich entscheiden zu können? Notiere Dir die Fragen und gehe sie mit einem Freund oder Deinen Eltern durch – wähle die besten fünf Fragen aus. Voilá: Du bist ein interessanter und interessierter Gesprächspartner.
  • Zusätzliches Plus: Je mehr Du fragst, desto weniger kannst Du gefragt werden. Und: Je länger das Bewerbungsgespräch dauert, desto stärker wird der Eindruck sein, den Du hinterlässt.
  • Es ist übrigens ok, wenn Dich die Frage nach dem Verdienst interessiert. Du musst sie allerdings nicht gleich als erstes stellen.

10. GEBOT: DU KANNST ES NÄCHSTES MAL BESSER MACHEN 

  • Wenn es nicht geklappt hat mit Deiner Bewerbung, dann frage warum. Die Antwort kann Dir helfen, es das nächste Mal besser zu machen. In der Praxis nehmen die wenigsten Bewerber diese Möglichkeit wahr. Vielen ist das unangenehm. Dabei ist es eine ganz selbstverständliche Sache – die meisten Ausbilder werden Dir gerne sagen, welchen Eindruck Du auf sie gemacht hast. Trau Dich einfach. Ruf an!

 

 

 

 

 

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