Tipps für Ausbildungsbeauftragte

Ausbildungsbeauftragter wird man häufig nebenbei. Ein kurzer Klönschnack auf dem Flur („Du kannst doch so gut mit jungen Leuten“) und schon ist man benannt. Damit vervielfacht sich Ihre Arbeit nicht nur. Sie wird auch bereichert.  Ausbilden ist nichts anderes als Führungsarbeit. Mit der zusätzlichen Herausforderung, dass Ihre Mitarbeiter sich häufig noch in der Spätpubertät befinden. Nicht die einfachste Klientel. Doch beim Einhalten der folgenden Tipps können Sie sicher sein, dass Ihre Auszubildenden sich bei Ihnen wohlfühlen werden.

  1. Nichts ist selbstverständlich.  Auch innerhalb eines Unternehmens hat jede Abteilung ihre ganz eigene Kultur. Auszubildende müssen sich bei jedem Einsatz auf eine neue Umwelt einlassen. Keine leichte Sache. Denn was im Verkauf als gutes Benehmen gilt, mag im Einkauf daneben sein. Gehen Sie davon aus, dass Sie dem Auszubildenden  im Einführungsgespräch eine völlig neue Welt erklären müssen.
  2. Fassen Sie sich kurz. Vermeiden Sie frontale Vorträge und lange Erklärungen. Sicher, Sie wissen eine Menge über Ihren Arbeitsplatz. Sie könnten locker eine Stunde darüber plaudern. Doch Zuhören ist eine komplizierte Sache. Je mehr Sie erzählen, desto größer die Gefahr, dass der Azubi abschaltet. Oder die falschen Details im Kopf behält. Zudem kann kein Mensch länger als fünf Minuten konzentriert zuhören. Beschränken Sie  sich im Lehrgespräch also auf die wesentlichen Fakten. Erzählen Sie nur, was absolut notwendig ist, um die Zusammenhänge zu begreifen.
  3. Der Ton macht die Musik. Weit wichtiger als die täglichen Aufgaben ist für die meisten Auszubildenden der persönliche Kontakt zu Ihnen. Nehmen Sie sich Zeit für Gespräche. Wenn es im Arbeitsalltag nicht klappt, dann nutzen Sie hin und wieder Ihre Mittagspause. Zeigen Sie dem Azubi, dass Sie ihn wahrnehmen.
  4. Motivation kommt von Motiv.  „Die sind irgendwie nicht motiviert“, höre ich in Seminaren oft. Manchmal liegt das daran, dass die Azubis nicht wissen, warum Sie etwas lernen oder erledigen sollen. Schaffen Sie Motive zum Hinhören. Beantworten Sie dem Azubi die Frage: Was spricht dafür, dass Hinhören, Lernen, Üben sich wirklich lohnen.
  5. Lehren Sie sinn-voll. Es hat sich vielleicht herumgesprochen, dass stupides Auswendiglernen nicht besonders effektiv ist. Auch neben dem Ausbilder zu sitzen und über die Schulter zu gucken, kann enorm ermüdend sein. Entwickeln Sie lieber Arbeitsmaterialien und Projektaufgaben, die alle Lernkanäle ansprechen und Interesse wecken.
  6. Da können Sie etwas tun:  Nichts zu tun zu haben ist das Schreckgespenst aller Auszubildenden. Der Tag vergeht einfach nicht und es ist vielen auch peinlich, herumzusitzen und Däumchen zu drehen. Besonders wenn alle anderen unter Volldampf arbeiten. Halten Sie also stets Übungsaufgaben für Leerzeiten bereit.
  7. Instrumente sind nur so gut, wie sie genutzt werden (können).  Viele Ausbildungsbeauftragte tun sich schwer, Auszubildende zu kritisieren. Auch wenn man theoretisch weiß, dass Kritik nötig und hilfreich ist, scheut man sich praktisch sie zu formulieren. Das ist normal und geht fast jedem Ausbildungsbeauftragten so. Weiterbildung ist angesagt. Besonders die professionelle Handhabung des Beurteilungsbogens ist nicht nur eine innere Einstellung sondern muss gelernt werden. Sprechen Sie Ihren hauptamtlichen Ausbilder darauf an.
  8. Tauschen Sie sich aus. Die Arbeit als Ausbildungsbeauftragter kann auch belastend sein. Erfahrungsgemäß läuft es mit 99 von 100 Azubis toll. Aber der eine, mit dem man nicht klarkommt, kann einem schon den Schlaf rauben. Vernetzen Sie sich mit den anderen Ausbildungsbeauftragten und diskutieren Sie offen schwierige Situationen.
  9. Ausbildung kostet Zeit. Ausbildungsbeauftragter wird man meist nebenbei. Aber nebenbei Ausbilden ist nur auf Kosten der Qualität möglich.  Behalten Sie das im Sinn, wenn Sie einmal das Gefühl haben, Ihr Azubi ist „irgendwie“ nicht motiviert. Vielleicht sind die Rahmenbedingungen auch nicht danach. Und trösten Sie sich: In so gut wie jedem Unternehmen findet die Geschäftsführung Ausbildung ganz, ganz wichtig. Aber in so gut wie keinem Unternehmen gibt es zusätzliche Zeit (oder Geld) für das Amt des Ausbildungsbeauftragten. Es bleibt immer zum großen Teil persönliches Engagement.
  10. Eins nach dem anderen. Erwarten Sie auch von sich selbst nicht zuviel. Verbessern Sie allmählich und Schritt für Schritt die Qualität Ihrer Ausbildung.

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