Angst vor der ersten Abteilung?

Na klar, Du freust Dich auf Deine Ausbildung. Aber gleichzeitig grummelts auch im Magen? Du weißt nicht genau, was Dich erwartet und hast Angst, nicht alles richtig zu machen? Sei unbesorgt. Mit den folgenden „59 Tipps für absolute Beginner“, kann eigentlich gar nichts mehr schief gehen.

 

  1. Zu spät am ersten Tag? Besser nicht. Es wird Dir ewig nachhängen. kleine UhrBahn verpasst? Stau auf der Autobahn? Hund weggelaufen? Vollkommen egal. Kein Mensch ist interessiert an Deinen Entschuldigungen. Sei einfach pünktlich. Das ist alles.
  2. Ein guter Trick, um nicht zu spät zu kommen: Eine Viertelstunde früher von zuhause losgehen. Nur zur Sicherheit.
  3. Noch ein guter Trick: Am Abend die Klamotten für den nächsten Tag herauslegen. So ersparst Du Dir blöde Überraschungen („Oh, da ist ja ein Loch“) und gerätst am Morgen nicht zusätzlich in Stress.
  4. Als Mädchen solltest Du Dir darüber im Klaren sein, dass Dein Aussehen Auswirkungen auf Deine Karriere haben wird. Es wäre dumm, das nicht im Hinterkopf zu haben. Es wäre noch dümmer zu glauben, dass „gutes Aussehen“ sich in jedem Fall positiv auf Deine Karriere auswirken wird. Oder dass „gutes Aussehen“ von allen Menschen gleich bewertet wird. Oder dass  Du das mit Deiner Wirkung schon irgendwie im Griff hast.
  5. Für Jungs gilt genau das Gleiche.
  6. In jedem Unternehmen existiert ein Dresscode. Selbst da wo es angeblich keinen gibt. „Total egal“ bedeutet Unterschiedliches. Es kann sogar von Abteilung zu Abteilung stark variieren. Was in der Werbeabteilung als modisch gilt, hält man in der Buchhaltung vielleicht für total daneben.
  7. Du kannst den Dresscode selbstverständlich ignorieren. Besonders wenn Du sowieso besser als die Normalbevölkerung angezogen bist.
  8. Wenn Du den Dresscode ignorierst, rechne bitte damit, dass man Dich schräg anschaut. Du bist dann leicht der schrille Vogel oder der schlampige Stoffel. Mit anderen Worten: Du wirst nicht ernst genommen.
  9. Wenn Du auf der sicheren Seite sein möchtest, gehst Du es dezent an. Zumindest bis Du Dir mit Deiner Arbeit ein gutes Standing erarbeitet hast.
  10. Jungs haben es leichter als Mädchen. Mit einer (gut sitzenden) Jeans (ohne aufgescheuerte Stellen) und einem (gebügelten) T-Shirt sind sie perfekt angezogen. Kommt es zu Kundenkontakt, mag ein Hemd angesagt sein. Frag Deinen Ausbildungsbeauftragten.
  11. Mädchen haben es schwerer. Wer sich zu freizügig gibt, wird schnell in eine Schublade gesteckt. Zu kurze Röcke und zu heftige Ausschnitte solltet Ihr Euch während der Ausbildung dringend verkneifen.
  12. Bitte am ersten Arbeitstag mitnehmen: Stift, Block, Terminkalender.44
  13. Rechne damit, dass Dein Ausbildungsbeauftragter bei Deinem Anblick ruft: „Was willst Du denn schon hier? Mit Dir habe ich ja noch überhaupt nicht gerechnet!“ Das ist nicht böse gemeint.
  14. Lächle freundlich und deute auf den Wandkalender. „Na, toll!“, darfst Du denken, aber nicht sagen.
  15. Wenn man Dir im Anschluss Deinen Arbeitsplatz zeigt und sich danach nicht weiter um Dich kümmert, bleib ruhig. Dein Ausbildungsbeauftragter ist jetzt in Hektik.  Er hat ein schlechtes Gewissen, weil er Dich vergessen hat und denkt nun fieberhaft darüber nach, was er heute mit Dir anstellen soll. Bring ihn nicht noch zusätzlich durcheinander.
  16. Wenn Du einen Rechner hast, bist Du gerettet: Stöbere aber ausschließlich auf den Seiten Deines Unternehmens oder im Intranet.Rechner
  17. Wenn Du keinen Rechner hast, schnapp Dir die letzten Ausgaben der Mitarbeiterzeitung, einen Katalog oder Deine eigenen Aufzeichnungen vom Einweisungsseminar. So wirkst Du beschäftigt, bis jemand Zeit für Dich hat.
  18. Moment mal! Warum solltest Du beschäftigt wirken wollen, wenn Du gar nicht beschäftigt bist? Merke Dir: Arbeit ist anstrengend genug. Erschwere Dir das Leben nicht auch noch dadurch, dass Du vorgibst etwas zu tun oder zu sein. Sei einfach Du.
  19. Schau Dich um! Was glaubst Du, was die Leute, die da so hektisch herumwuseln, tun? Welche Vorstellungen hast Du von der Arbeit in dieser Abteilung? Notiere das. Wenn Dein Ausbildungsbeauftragter gleich kommt, um endlich mit Dir das Einführungsgespräch zu führen, kannst Du ihm davon berichten. Er wird deine Gedanken hochspannend finden. Und danach hast Du einen Stein bei ihm im Brett.

    Erst die Arbeit und dann …

  20. Apropos Einführungsgespräch: Du wirst ein paar Dinge hören, die missverständlich sein können. Ein gutes Bespiel ist flexible Arbeitszeit. Selbst wenn die Arbeitszeit in Deiner Einsatzabteilung flexibel ist, solltest Du Dich Deinen Kollegen anpassen. Warum? Die Betreuung von Azubis kostet viel Zeit. Diese Zeit muss der Ausbildungsbeauftragte sich irgendwie schnitzen. Er bekommt sie nicht zusätzlich (und seine Mehrarbeit ganz nebenbei auch nicht bezahlt; aber das ist ein anderes Thema.) Wenn Du jetzt auch noch zu anderen Zeiten als er selbst bei der Arbeit aufschlägst, setzt Du ihn zusätzlich unter Druck. Kommst Du beispielsweise eine Stunde früher als er, muss er am Vorabend eine Aufgabe für Dich bereitstellen. Du solltest darum in etwa zu den gleichen Zeiten wie Dein Ausbildungsbeauftragter am Arbeitsplatz sein. Einzige Ausnahme: Er sagt ausdrücklich, dass es ihm egal ist.
  21. Wenn Du Dich nach den Bedürfnissen Deines Ausbildungsbeauftragten richtest, verpasst Du um fünf Minuten Deinen Zug und musst 55 auf den nächsten warten? Willkommen in der Arbeitswelt. So geht es  jedem Arbeitnehmer.
  22. „Du kannst mich jederzeit fragen“, heisst nicht, dass Du jederzeit fragen kannst. Wie Du nun ja schon weißt, hat Dein Ausbildungsbeauftragter neben Dir auch noch einen Fulltime-Job. Du musst eine Sensibilität dafür entwickeln, wann Du ihn ansprechen kannst. Falls Du nach zwei Wochen immer noch das Gefühl hast, ständig im Dunkeln zu tappen, sprich es in einer ruhigen Minute an.
  23. „Es gibt keine dummen Fragen“, heisst nicht, dass es keine dummen Fragen gibt. Zumindest nervend sind beispielsweise all jene Fragen, die Du Dir mit ein bisschen Nachdenken oder Recherche selber beantworten könntest.
  24. Sollte es keine Pausenregelung in Deiner Firma geben, richte Dich nicht nach Deinen Kollegen. Mag sein, Dein Ausbilder geht jeden Tag ausgiebig spazieren. Das heißt noch lange nicht, dass Du es auch tun darfst. Sprich es lieber an, wenn Du auch einmal länger Pause machen möchtest.
  25. Du wirst Dich ohnehin wundern, wie gut es klappt, wenn man die Dinge ehrlich ansprichst. Die Regeln im Arbeitsleben sind längst nicht so starr, wie Du es aus der Schule kennst.
  26. Empfindlich reagieren Ausbilder auf Ausflüchte aller Art. Es ist so: Deine Ausbilder durschauen es zu 99,9%, wenn Du sie hinters Licht führen möchtest. Sie sind dann nicht verärgert wegen der Sache, sondern weil Du sie für naiv  hältst.
  27. FrageKontrollfrage: Du planst in der nächsten Zeit ein verlängertes Wochenende am Meer? Was tust Du?
  28. Dein Ausbildungsbeauftragter hat sich eine Menge Gedanken gemacht, bevor Du in seine Abteilung gekommen bist. Er hat Aufgaben für Dich herausgesucht, seinen Arbeitsablauf auf Dich abgestellt, Termine koordiniert und so weiter und so fort. Darum ist es auch sehr ärgerlich für ihn, wenn er zu kurzfristig von Deinen Abwesenheiten erfährt. Wenn Du also ein verlängertes Wochenende am Meer planst, dann frage Deinen Ausbildungsbeauftragten direkt am ersten Tag. Oder vergiss es.
  29. Du wirst in der ersten Woche sehr krank. Bleib zuhause. Schlepp Dich niemals mit fiebrigen Augen, Husten und Schüttelfrost zur Arbeit.
  30. Deine Katze ist krank. Deine beste Freundin hat am Wochenende mit Deinem Freund geknutscht. Es wäre möglich, dass Du schwanger bist… schlimm für Dich. Jedoch kein Grund nicht zur Arbeit zu kommen.
  31. Wenn Du krank bist, ruf gleich morgens an. Extrem unhöflich ist es es, sich per Mail oder sms krankzumelden. Oder ganz früh anzurufen, damit Du nur auf die Mailbox sprechen muss.
  32. Wenn Du krank bist, geh zum Arzt.
  33. Wenn Du zum Arzt gehst, kannst Du Dich trotzdem persönlich krankmelden.

    Die lieben Kollegen …

  34. Grüßen und sich den Kollegen einzeln vorstellen, ist in manchen Abteilungen geradezu überlebenswichtig.
  35. Eine witzige Rundmail zu verschicken ist aber keine gute Idee. Das mit dem Vorstellen übernimmt in der Regel Dein Ausbildungsbeauftragter. Wenn er es vergisst, kannst Du in ruhig darum bitten.
  36. Namen merken. Namen merken. Namen merken. Bau Dir Eselsbrücken, sag sie Dir den ganzen Tag heimlich vor. Schreib sie Dir auf und lerne sie auswendig. Und grüße ab dem dritten Tag jeden mit Namen. Die Herzen werden Dir zufliegen.
  37. Es gibt viele schreckliche Momente in den ersten Tagen. Der allerschrecklichste ist, wenn Du zu Deinem ersten Meeting mitgenommen wirst. Nun musst Du Dich vor allen vorstellen. Sprich laut und deutlich. Lächle. Sie werden Dich lieben.
  38. Deine Kollegen fragen, ob Du mit ihnen in die Kantine gehen möchtest. Eigentlich warst Du mit den anderen Azubis verabredet. Geh mit den Kollegen!Lunch
  39. Deine Kollegen gehen an Deinem ersten Tag in die Kantine, ohne zu fragen, ob Du mit möchtest. Nicht frustriert sein. Sie nehmen wahrscheinlich einfach an, dass Du mit den anderen Azubis verabredet bist.
  40. Deine Katze ist krank. Deine beste Freundin hat am Wochenende mit Deinem Freund geknutscht. Es wäre möglich, dass Du schwanger bist… schlimm für Dich. Jedoch kein Grund es Deinen neuen Kollegen zu erzählen. Keine allzu große Vertraulichkeit in den ersten Tagen. Egal, wie locker und nett man zu Dir ist. Du darfst Freundlichkeit und Freundschaft nicht verwechseln. Warte lieber bis zur Mittagspause und sprich mit einem anderen Azubi.
  41. Zwei Kollegen lästern über eine abwesende Dritte. Halt Dich raus. Hör nicht mal hin.
  42. Es gibt in jeder Abteilung jemanden, der richtig Lust hat, sich um junge Leute zu kümmern. Dieser Mensch ist nicht zwingend Dein Ausbildungsbeauftragter. Such ihn!
  43. Alle Menschen sind heute jung. Egal, wie alt sie sind. Der Umgangston ist fast überall dementsprechend ungezwungen und gleichberechtigt. Baue besser keine Barrieren auf, in dem Du Dich verschüchtert und unterwürfig gibst. Vergiss aber dennoch nie, dass Du letztlich eben doch der Azubi bist.

    Fehler, die Du Dir sparen kannst

  44. Beliebter Anfängerfehler: Ans Telefon gehen und dann quer durch den Raum rufen: „Herr Meier, da will Sie ein Herr Schmitz oder so sprechen.“ Herr Schmidt ist dann der Geschäftsführer und dreht jetzt vollkommen am Rad, weil er nicht erkannt wurde. Also: Sich vom ersten Tag an die Namen der Oberbosse merken.Telefon
  45. Vorm ersten Tag auch lernen, wie man Anrufer in die Warteschleife legt.
  46. Sowieso die Bedienung des Telefons lernen.
  47. Gleiches gilt für Drucker und Kopierer. Vielleicht gibt es sogar noch ein Faxgerät.
  48. Niemals – unter gar keinen Umständen – solltest Du bei diesen Geräten verschwinden, nachdem Du einen Papierstau fabriziert hast. Merke: Deine Kollegen werden ohnehin wissen, dass Du es warst. Auch wenn Du so hervorragend schauspielerst, dass Du selbst schon den Eindruck bekommst, das Ganze ginge Dich weiter nichts an.
  49. In diesem Zusammenhang möchte ich noch einmal wiederholen: Deine Kollegen erkennen so gut wie immer, wenn Du Dich einer Ausrede bedienst. Lass es! Jeder Fehler ist zu erklären und niemand reißt Dir den Kopf ab, wenn etwas daneben geht. Im Gegensatz dazu reicht der kleinste Verdacht, dass Du Dich rausreden willst, damit Dein Ausbildungsbeauftragter sich veräppelt fühlt.
  50. Noch was womit Du Deinen Ausbildungsbeauftragten in den Wahnsinn treiben kannst: Nicht mitschreiben. Mag sein, Du hast den Eindruck, nicht mitschreiben zu müssen, weil alles ganz leicht zu merken ist. Dieser Eindruck täuscht häufiger als Du Dir vorstellen kannst. Gewöhne Dir an, immer einen Block und einen Stift zur Hand zu haben.
  51. Du hast es gern hübsch am Arbeitsplatz? Verzichte trotzdem darauf, schon am ersten Tag Deinen Schreibtisch komplett mit Büroklammersammlung, Stiften in allen Farben des Regenbogens, verschiedenen Scheren und einem perfekten Ablagesystem auszustatten. Wer sich zu häufig und zu viel mit Büromaterial eindeckt, fällt leicht übel auf.
  52. Wäge ab, wie oft Du beim Anblick diverser Give-Aways ausrufst: „Ohhh, wie toll. Kann ich auch eines haben?“
  53. Oder wie oft Du private Post in die Hauspost legst. Das kann peinlich werden. Besonders wenn Du Deine private Post falsch adressierst und sie an das Unternehmen zurückgeht. Alles schon passiert.
  54. Überhaupt: Sicher hat niemand etwas dagegen, wenn Du einmal um einen Stift oder Block für den Berufsschulgebrauch bittest. Wahrscheinlich wird es auch wenig kontrolliert. Es ist aber eine Frage der Moral, wie sehr man das ausnutzt.
  55. In manchen Abteilungen sind private Telefonate gang und gäbe. In anderen sieht man das nicht gern. Am besten fragst Du Deinen Ausbildungsbeauftragten ganz offen, wie das in seinem Bereich gehandhabt wird.
  56. Das Selbe gilt für die Nutzung Deines privaten Smart-Phones.
  57. Vor allen Dingen gilt das für Musik & Kopfhörer.
  58. Du sprühst vor Ideen, wie man den Umsatz ins Unermessliche steigern und die Kunden begeistern könnte? Super! Trotzdem solltest Du Dich in den ersten Tagen ein bisschen zurückhalten. Du wirkst sonst leicht vorlaut und übereifrig. Du wirst während der Ausbildung noch genügend Gelegenheit haben, Verbesserungsvorschläge an den Mann oder die Frau zu bringen. Warte ein bisschen ab. Es ist nicht völlig ausgeschlossen, dass Dir noch einige Hintergrundinformationen fehlen, um die Dinge richtig zu beurteilen.
  59. Du verstehst nur Bahnhof? Kein Problem! Du bist Auszubildender, Du musst nicht alles wissen oder sofort kapieren. Nur fragen solltest Du, wenn Dir etwas nicht klar ist. Jetzt gleich.

 

 

 

 

 

Kommentar schreiben

Sie müssen eingeloggt sein, um einen Kommentar zu schreiben.