Die Unternehmenspräsentation

Der Sommer hat begonnen und so langsam rückt der Einstieg der neuen Azubis in den Focus vieler Ausbilder. Falls Sie eine Unternehmenspräsentation erstellen möchten oder Ihre vorjährige noch einmal überarbeiten wollen, kann das gut am Beispiel klassischer Lerngesetze geschehen. Damit stellen Sie sicher, dass die Inhalte nicht an Ihren neuen Azubis „vorbeirauschen“ sondern wirklich verinnerlicht werden.

wolkigLerngesetz 1: Einsichtiges Lernen

Das Bedürfnis, Gesetzmäßigkeiten zu suchen, ist angeboren. Wir möchten Ordnung in Erfahrungen bringen. Auch wenn wir ein Zufallsmuster oder ziehende Wolken betrachten – es fällt uns schwer, keine Bedeutung darin zu sehen. Wir verbinden neue Beobachtungen mit früheren Erfahrungen. Wir suchen Zusammenhänge, Strukturen, Informationen, die Klarheit in unsere Gedanken bringen. Was uns einmal klar ist, vergessen wir auch nicht mehr.

Das einsichtige Lernen steht damit im Zentrum im Lernen der Azubis. Es wird bewusst danach gestrebt, das Vorwissen einzubeziehen, einen Überblick zu geben, ein Netz vorzubereiten, in das die Einzelheiten eingeknüpft werden können. 

In manchen Abteilungen wird zu viel Gewicht auf einzelne Teilaufgaben gelegt. Ein Beispiel wäre die Buchhaltung, die sich darauf konzentriert, das Buchen einer Rechnung im System zu lehren. Dieses Wissen ist zwar gut und schön – allerdings „bringt“ es dem Azubi nur in dieser speziellen Situation etwas. Aber es geht ja nicht darum, dass der Azubi am Ende eines Einsatzes den Arbeitsplatz übernehmen könnte. Es geht darum, das Sachgebiet vollständig zu durchdringen. Die grundsätzliche Erklärung, was Buchführung überhaupt ist, wozu sie dient und der Transfer vom Berufsschulwissen in die Praxis, wäre weit wichtiger für den Azubi.

Übertragen auf die Unternehmenspräsentation bedeutet das:

  • Erklären Sie stets vom Großen zum Kleinen. Sorgen Sie dafür, dass der Azubi einen Überblick über „das große Ganze“ erhält.
  • Welche Informationen können Sie streichen, weil sie zu sehr Detail gehen? Muss ein neuer Azubis beispielsweise mit einer Ablauf-Organisation „gequält“ werden? Fragen Sie sich bei jedem Chart: Was bringt meinem Azubi das eigentlich? Und auch wenn Sie eine gute Antwort gefunden haben, fragen Sie sich noch einmal: Ist  es denn wirklich realistisch, dass ein Berufsanfänger die Infos versteht, behält, umsetzt?
  • Beschränken Sie sich auf kinderleichte Erklärung. Machen Sie es wie beim sogenannten Elevator-Pitch. Alles, was sich nicht in 2 min schlüssig erklären lässt, ist zu kompliziert.
  • Nutzen Sie stark vereinfachte Grafiken, um den Sinn Ihrer Organisation zu erklären.

 

allegleichLerngesetz 2: Soziales Lernen

Viele Verhaltensweisen werden durch die Beobachtung des Vorgehens anderer gelernt. Die Gruppe ist für Menschen wichtig. Wir brauchen den Austausch. Wir sind darauf angelegt, von den Erfahrungen anderer zu profitieren, unsere Erfahrungen weiterzugeben – anders wäre die menschliche Kultur und Zivilisation nicht möglich. Es ist daher wichtig, diese Tatsachen beim Lernen einzubeziehen.

Auch hier reagieren wir ganzheitlich: Wenn wir uns in einer Gruppe wohlfühlen, wenn die anderen eine positive Einstellung zum Lernen haben, den Stoff interessant finden, überträgt sich das auch auf uns. Ist die Umgebung (oder die Gruppe) hingegen lernfeindlich eingestellt, ist das Durchhalten schwieriger.

Ihr Engagement überträgt sich auf das Engagement der Azubis. In der Umkehrung bedeutet das auch, dass Azubis spüren, wenn eine Präsentation für den Vortragenden eine lästige Pflicht ist.

Noch wichtiger ist, dass die Azubis untereinander Leistung für erstrebenswert halten. Dies können Sie befördern, indem Sie engagierte, ältere Azubis präsentieren lassen. 

Stellen Sie von Anfang an sicher, dass die Lernatmosphäre gut ist. Getuschel, Witzeln, offensichtliches Abschalten Einiger, färbt auf die gesamte Gruppe ab. Reagieren Sie freundlich, aber bestimmt.

Verstärken Sie positive Verhaltensweisen (z.B. interessiertes Nachfragen, durchdachte Bemerkungen) durch ausdrückliches Lob. Hier ist natürlich Fingerspitzengefühl gefragt. Bereits in der Schule waren Streber nicht besonders beliebt.

 

Foto 01.05.14 15 14 08Lerngesetz 3: Eigenes Tun

Kennen Sie das? Sie sind einen Weg immer nur als Beifahrer gefahren und müssen nun das erste Mal selbst lenken. Und obwohl Sie glaubten, sich auszukennen, kommt Ihnen jetzt jede Kreuzung unbekannt vor. Erst jetzt nehmen Sie den Weg wirklich wahr – und lernen ihn für die Zukunft.

Bei körperlichen/ sportlichen Aktivitäten ist uns klar, dass Zuschauen die eigene Aktivität nicht ersetzt – auch wenn wir noch so lange WM-Spiele gucken, verbessern wir damit unsere Fußballer-Qualitäten nicht wesentlich. Auch bei geistigen Aktivitäten ist der Erfolg weit größer, wenn die Azubis selbst den Weg herausfinden müssen, als wenn Sie es tun.

Versuchen Sie möglichst viele Inhalte nicht nur zu referieren, sondern im Dialog mit den Azubis zu entwickeln. Entwickeln Sie spannende Fragen, angepasst an den Wissensstand eines Schülers. So bekommen Sie auch gleich ein Gespür für den Leistungsstand der Gruppe.

Eine gute Vorgehensweise ist auch die Gruppenarbeit. Sie lässt den Azubis die Möglichkeit, auf Augenhöhe zu diskutieren und denken. So kann jeder in seiner individuellen Kompetenzzone arbeiten.

 

 

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