10 Dinge, die ich gern schon als Azubine gewusst hätte

Es gibt Dinge, die hätte ich gern schon mit 19 gewusst. Und es gibt Dinge, die ich mit 19 geglaubt habe, obwohl sie nicht der Wahrheit entsprechen. Manches davon hat mir vielleicht mal jemand eingeredet. Anderes habe ich mir selbst zusammengebastelt. Falsche Glaubenssätze können einem das Leben mitunter schwer machen. Beinahe jeder hat wohl welche im Gepäck. Man ist gut beraten, sie aufzuspüren und über Bord zu werfen.

In der Ausbildung führen falsche Annahmen häufig dazu, dass Chancen nicht in vollem Umfang genutzt werden. Das ist bedauerlich. Die Ausbildung stellt einen einmaligen Lebensabschnitt dar. Nie wieder wird man so intensiv hinter die Kulissen eines Betriebes schauen können, wie während der Berufsausbildung. Darum hier einige wahre und hilfreiche Glaubenssätze über das Berufsleben:

Ich weiß, was Du brauchst

1. Alle anderen kochen auch nur mit Wasser.

Ehrlich, selbst das Top-Management besteht aus ganz normalen Menschen. Sie haben keine speziellen Superkräfte oder Kunststücke drauf. Es gibt viele Gründe, die Leistung erfolgreicher Menschen anzuerkennen. Aber keinen Grund vor ihnen zu erzittern. Merke: Jeder Job ist erreichbar, wenn Du Dich danach streckst.

2. Klappern gehört zum Handwerk.

Falsche Bescheidenheit bringt Dich nicht weiter. Die mit den tollsten Jobs beherrschen oft eine Sache besonders gut: Sie können auf sich aufmerksam machen. Karriere macht man nämlich nicht automatisch. Selbst nicht, wenn man der oder die Beste ist. Man muss seine Leistungen der Welt zeigen.

3. Lerne präsentieren.

Kaum etwas ist so karrierebestimmend, wie die Fähigkeit zu präsentieren. Wenn Du Dich davor fürchtest, solltest Du daran arbeiten. Man kann die Angst vor der freien Rede verlieren. Dafür muss man es tun. Mehrmals ins kalte Wasser springen. Viele, viele Male. Nutze jede Gelegenheit, vor Publikum zu präsentieren. Auch wenn es Dir noch so schwer fällt. Vielleicht bekommst Du sogar ein Seminar von Deinem Ausbildungsbetrieb gesponsert? Wenn nicht, surfe im Netz: Es gibt bezahlbare und gute Seminare für Azubis. Die Investition lohnt sich.

4. Jeder mag Azubis.

Und wenn nicht, muss er jedenfalls so tun. Gegen Azubis zu sein, wäre wie Hundewelpen quälen. Das macht man einfach nicht. Was Dich von z.B. einem Trainee oder Werkstudenten unterscheidet: Du begegnest Kollegen aller Hierarchie-Ebenen auf Augenhöhe. Die Leute aus der Poststelle werden Dir genauso vorbehaltlos von ihren Aufgaben berichten wie die Mitglieder der Geschäftsführung. Damit hast Du Einblicke, wie kein anderer im Unternehmen.

5. Du nervst nicht, wenn Du Dich interessiert zeigst.

Manche Azubis möchten niemandem zur Last fallen und versuchen sich quasi unsichtbar zu machen. Das ist vollkommen falsch. Nutze Deine einmalige Position. Frage deinen Ausbilder Löcher in den Bauch. Lass Dir noch mal und noch mal erklären, wie alles in Deinem Unternehmen ineinander greift. Sieh genau hin, wie die Menschen um Dich herum ticken. Das ist wertvolles Insider-Wissen, das Dir in Deinem Berufsleben noch oft helfen wird.

6. Feedback ist fabelhaft. Besonders kritisches.

Wir alle haben gewisse Abwehrmechanismen, um kritisches Feedback abzuschwächen. Wir denken: „Das kann der doch gar nicht beurteilen“ oder „Muss die gerade sagen.“ Besser wäre es aber, Kritik als das zu begreifen, was es ist: Die Sichtweise eines anderen auf uns. Jemand nimmt uns auf bestimmte Art und Weise wahr. Ob er damit Recht hat, ist eine andere Sache. Doch gerade, wenn er uns ganz anders sieht, als wir uns sehen, ist es spannend. Dann können wir uns fragen: Welche meiner Verhaltensweisen sorgen dafür, dass er mich so sieht, wie ich gar nicht bin? Im zweiten Schritt können wir  entscheiden, ob wir an diesen Verhaltensweisen arbeiten wollen.

7. Ausbilder und Ausbildungsbeauftragte sind auch Menschen.

Und zwar ganz normale Menschen. Sie machen sich genauso viele Gedanken über Dich wie Du über sie. Sie wollen, dass es Dir gut geht und sie wollen, dass Du etwas lernst. Manchmal haben sie ein schlechtes Gewissen, weil sie nicht genügend Zeit für Dich haben. Manchmal fürchten sie, Dir keine tollen Aufgaben geben zu können. Meistens aber sind sie echt froh, dass Du da bist. Und freuen sich, wenn Du Interesse zeigst.

8. Früher oder später wirst Du Dich im Betrieb wie zuhause fühlen.

Auch wenn es Dir zu Beginn Deiner Ausbildung unmöglich scheint: Es wird der Tag kommen, an dem Du Dich traust, ganz normal Du zu sein. So lange das noch nicht der Fall ist, tu einfach so als ob. Je öfter Du so tust, desto schneller kannst Du Dich entspannen.

9. Die meisten Menschen hassen Small-Talk.

Du denkst, die anderen haben überhaupt keine Schwierigkeit mit der peinlichen Stille in Konferenzräumen, dem Mittagstisch, auf der Betriebsfeier? Das ist ein Irrtum. Die meisten Menschen haben für Small-Talk nicht viel übrig. Sie haben nur gelernt, sich zu überwinden. Lerne das auch. Es ist ein sympathischer Wesenszug, Verantwortung für die Stimmung zu übernehmen.

10. Der Weg ist das Ziel.

Das Ziel Deiner Ausbildung ist nicht die Abschlussnote. Das Ziel ist, Deinen persönlichen Weg zu finden. Am Ende Deiner Ausbildung solltest Du wissen: Was kann ich wirklich gut? Wo brennt mein inneres Feuer? Welche Tätigkeiten bringen mir so viel Freude, dass ich sie auf längere Sicht  zu meinem Beruf machen möchte?

Diese Fragen kann niemand für Dich beantworten. Du musst selbst nach den Antworten forschen. Sieh Deine Ausbildung als einen Test. Spiele mit den Möglichkeiten. Probiere so viel aus wie möglich. Löchere die Kollegen. Horche in Dich rein. Nutze diese besondere Lebensphase so intensiv es geht. Nicht vergessen: These are the days!

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