Ein gutes Beispiel nehmen

Gerade bereite ich mich auf ein Präsentationsseminar vor, das ich ab Mittwoch für sieben Azubis geben werde. Ich mache das unheimlich gern, weil ich selbst zu den Leuten gehöre, die lange, lange dafür arbeiten mussten, frei vor Gruppen sprechen zu können. Ich weiß also, dass für viele schon der Gedanke an ein Präsentations-Seminar angstbesetzt ist. 

Insgesamt können Azubis heute sehr viel besser präsentieren, als vor 10 Jahren oder gar 20 Jahren. In den Schulen wird ja so etwas heute auch sehr viel stärker geübt.

Trotzdem wird das Thema immer enorm dankbar aufgenommen. Mit Aufregung – und manchmal auch Angst –  haben die Azubis auch heute noch zu kämpfen. Oft sind die Befürchtungen groß, weil sie glauben, in der Arbeitswelt müsse man nun irgendwie „professioneller“ präsentieren als in der Schule. Und das stimmt ja auch.

Allerdings nicht in dem Sinne wie viele Schulabgänger glauben. Ihnen ist nämlich nicht die Professionalisierung des Inhalts das Wichtigste. Sondern die vermeintliche Professionalisierung der Außenwirkung: Man will perfekt wirken. Gut rüberkommen. Keine Schwächen zeigen. Am besten keine haben.

Ich möchte in meinem Seminaren gern transportieren, dass es anderes herum ist. Erst muss der Inhalt stimmen. Dann die Verpackung. Ist der Inhalt der Präsentation großartig, sind Unsicherheiten in der Darbietung gar kein Problem. Ist der Inhalt lauwarm oder gar mies, nützt der beste Auftritt nichts.

Weil ich mit jungen Menschen arbeite – habe ich mich mal nach jungen Rednern umgesehen, die gut als Beispiel dienen können. Fündig bin ich bei re:publica 2014 geworden. Die jährliche Konferenz re:publica gehört zu den führenden Veranstaltungen im Bereich Internet, soziale Medien, Wirtschaft, Politik und Gesellschaft. Als sehr junge Konferenz wird sie besonders häufig von Angestellten zwischen 25 und 35 besucht. Ungemein beliebt sind bei ihnen die Vorträge von Wibke Ladwig. 

Von der Chart-Gestaltung bis zur Einbindung des Publikums zeigt sie so ziemlich alles, was in jedem klassischen Präsentationsseminar gelehrt wird. Aber darum geht es mir gar nicht. Mir gefällt an ihrem Vortrag am besten, wie natürlich & charmant sie ist.  Wie selbstverständlich sie mit ihrer Aufregung umgeht.

Selbst-bewusst Reden ohne zum aalglatten Präsentations-Roboter zu werden: Darum gehts ja letztlich. 

Nebenbei ist Wibke Ladwigs Vortrag auch noch inhaltlich total spannend. Es geht um Sprache. Damit eignet sich der Vortrag gleich doppelt für ein Präsentationsseminar.

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