Wie Du einen prima ersten Eindruck machst

Für manche Azubis ist es jedes Mal wieder schrecklich, wenn Sie in eine neue Abteilung kommen. Man kennt niemanden, man kennt sich nicht aus und vielleicht hat man sogar schon Übles von den anderen Azubis über die Kollegen gehört. Wirklich furchtbar wird es dann, wenn man am ersten Tag aufschlägt und zu hören bekommt:

„Ach, Du bist schon da? Mit Dir habe ich ja heute überhaupt noch nicht gerechnet. Setz Dich erst einmal da hinten in die Ecke und lies die Verfahrensrichtlinien 1 – 85. Ich komme dann irgendwann auf Dich zu, wenn ich Zeit habe.“

Du kennst das?

Seufz.

Du hast das schon öfter erlebt?

Doppelseufz.

Schön ist das nicht. Du kannst aber (zukünftig) etwas tun, damit der Start in die neue Abteilung besser gelingt.

Melde Dich frühzeitig in der neuen Abteilung. Etwa eine Woche vorher ist es ideal. Du solltest aber keine Mail schicken sondern wenigstens anrufen – noch besser ist es, wenn Du kurz persönlich vorbei gehst. Dann kannst Du gleich fragen, wann Du am ersten Tag aufschlagen sollst.

Informiere Dich im Vorwege über die Abteilung; im Intranet, bei den anderen Azubis und schau Dir auch mal Deinen Ausbildungsplan an. So kannst Du schon herausfinden, welche Arbeitsinhalte Dir besonders spannend erscheinen. Dein Ausbildungsbeauftragter wird es in der Regel prima finden, wenn er hört, dass Du Dich für seinen Bereich interessierst und bestimmte Dinge unbedingt lernen möchtest.

Sollten die anderen Azubis Dir miese Dinge über die neue Abteilung und/oder den neuen Ausbildungsbeauftragten erzählt habe: entspanne Dich und bleib neutral. Die Erfahrungen der anderen müssen nicht zwangsläufig bedeuten, dass Du die gleichen Erfahrungen machen wirst.

buntnäherBereite Dich auf das Einführungsgespräch vor. Wenn Du passiv bleibst, kann sich kein Gespräch entwickeln. Dann hält der Ausbildungsbeauftragte einen Monolog, was für Euch beide eher unangenehm ist.

Für Dich ist es unangenehm, weil Du mit Informationen überschüttet wirst, die Du kaum alle behalten kannst.

Für den Ausbildungsbeauftragten ist es unangenehm, weil er die gesamte Verantwortung für das Gespräch trägt. Das ist anstrengend und kaum ein Ausbildungsbeauftragter fühlt sich dabei wohl, einen Azubi zuzutexten.

Viel schöner ist es, wenn beide Seiten etwas voneinander erfahren. Immerhin seid ihr jetzt für ein paar Wochen richtig wichtig füreinander. Je mehr ihr das Einführungsgespräch nutzt, um dahinter zu kommen, wie der andere „tickt“ desto entspannter kann die Zusammenarbeit ausfallen. Und das geht nur im Dialog.

Erstelle eine kleine Checkliste mit Dingen, die Dich wirklich interessieren. Zum Beispiel

  • Wie ist der Umgang in der Abteilung?
  • Wie begrüßt man sich?
  • Duzt man sich oder siezt man sich?
  • Welche Spielregeln gelten in Bezug auf Arbeitszeiten, Pausen, Kleiderordnung?
  • (Wann) soll ich ans Telefon gehen?
  • Wie meldet man sich in dieser Abteilung?
  • Wer kocht Kaffee? Wie geht das? Wer räumt die Küche auf?
  • Was ist mit Rauchen?
  • Wie stehen die Kollegen zum Thema Internet und Handy?
  • Welche regelmäßigen Treffen gibt es? (Wann und wo) kann ich dabei sein? Geht man gemeinsam essen?
  • Wer gibt mir hier Aufgaben?
  • Nur der Ausbildungsbeauftragte oder das gesamte Team?
  • Bekomme ich viele Aufgaben auf einmal oder eine nach der anderen?
  • Was soll ich machen, wenn es mir zu viel wird?
  • Was, wenn ich nicht weiterkomme?
  • Und was, wenn ich nichts zu tun habe?

Auf manche dieser Fragen bekommst Du vermutlich eher Allgemeinplätze zu hören, als hilfreiche Antworten. Beispielsweise beantworten beinahe alle Ausbildungsbeauftragten die Frage nach dem Verhalten bei Leerlauf so:

„Wenn ich nichts für Dich habe, kannst Du die anderen im Team fragen.“

Nur wenn das so einfach wäre, hätte noch nie ein Azubi über Leerlauf geklagt. Deine Erfahrungen sagen Dir wahrscheinlich, dass es eben manchmal nichts hilft, die anderen im Team zu fragen. Weil die Dich oft vertrösten oder abwimmeln. Das kannst Du ruhig thematisieren. Bleib aber nett und charmant und vor allem beschuldige niemanden.

Berichte von Deinen Erfahrungen und erzähle, wie Du Dich dabei gefühlt hast, z.B.

„Ich habe es einigen Abteilungen erlebt, dass ich nichts zu tun hatte. Das war mir ganz unangenehm, weil der Tag nicht verging und ich immer versucht habe, beschäftigt zu wirken. Jetzt habe ich Angst, dass es wieder so wird. Natürlich frage ich zunächst immer die Kollegen im Team. Aber was raten sie mir, wenn die auch nichts haben? Dürfte ich dann beispielsweise für die Schule lernen oder hätten Sie Literatur oder Übungsaufgaben für mich?“

Erkundige Dich auch im Einführungsgespräch, was Deinen Ausbildungsbeauftragten auf die Palme bringt. Stelle offene Fragen wie:

  • „Was darf ein Azubi bei Ihnen überhaupt nicht tun?“
  • „Welche Verhaltensweisen sind Ihnen besonders wichtig bei Azubis?“
  • „Welche Erwartungen haben Sie an mich?“
  • „Was kann ich tun, damit der Einsatz gut verläuft.“

Sprich die Beurteilung an.

  • Wer beurteilt Dich?
  • Nur der Ausbildungsbeauftragte oder auch die anderen Teammitglieder?
  • Welche Kriterien sind besonders wichtig?
  • Wünscht sich auch der Ausbilder ein Feedback?

buntnahBitte um ein Zwischenfeedback. Kündige schon am ersten Tag an, dass Du Dich freuen würdest, wenn zur Halbzeit über den bisherigen Einsatz gesprochen werden kann. Kaum ein Ausbildungsbeauftragter wird Dir das nach diesem Einführungsgespräch abschlagen. Denn Du hast Dich jetzt als interessanter und interessierter Gesprächspartner gezeigt. Der Ausbildungsbeauftragte muss also nicht mehr befürchten, dass ein Zwischengespräch mit Dir für ihn anstrengend wird (wie bei den Azubis, die selbst gar nichts im Zwischengespräch sagen, aber viele Worte vom Ausbilder erwarten).

Nach diesem Gespräch bist Du gut gerüstet für die neue Abteilung und hast mit Sicherheit einen prima 1. Eindruck gemacht.

 

 

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