Haben Sie schon vom Milde-Fehler gehört?

Zugegeben, es gibt Schlimmeres als milde Ausbildungsbeauftragte. Manchmal ist es sogar genau das, was ein Azubi braucht. Die Adoleszenz mit ihren tausend Baustellen ist kein Spaziergang. Trotzdem: falls Sie zu den besonders netten Beurteilern gehören, lohnt es sich, einmal genauer draufzuschauen.

Denn wenn die mittelmäßigen Azubis die guten Beurteilungen bekommen – welche Beurteilungen bekommen dann die guten Azubis? Und was ist mit denen, die außergewöhnliche Leistungen zeigen? Für die gibt es häufig keine Luft mehr nach oben.

Sollten Sie also milde beurteilen, weil Sie die Azubis nicht demotivieren wollen – dann denken Sie immer auch an die besonders Guten.

(Sollten Sie milde beurteilen, weil Sie von den Azubis gemocht werden wollen – dann wissen Sie vermutlich selbst, dass das eine mit dem andere nichts zu tun hat. Ich erwähne es nur der guten Ordnung halber.)

Manche Ausbildungsbeauftragte lehnen das Beurteilungswesen insgesamt ab. Sie denken beispielsweise: „Ich kann doch nach drei Wochen kein umfassendes Urteil über einen Menschen fällen.“ Dieser Meinung sind vor allem Kollegen, die nicht in der Handhabung des Beurteilungsbogens geschult wurden. Und sie haben im Prinzip auch Recht.

Es ist nicht die feine (und schon gar keine professionelle) Art, einen Menschen zu beurteilen, wenn man überhaupt nicht weiß, wie das geht. Beurteilen, das kann man nicht „einfach so“. Das muss einem schon jemand erläutern. Bitten Sie Ihren hauptamtlichen Ausbilder um fachlichen Input, stöbern Sie auf diesen Seiten, kaufen Sie Fachliteratur. Denn Azubis brauchen konstruktive Kritik. Nur daran können sie wachsen.

Mit zu milden Beurteilungen entwickeln wir genau die Haltung, die in meinen Seminar oft als „Arroganz“ beschrieben wird. Es geschieht, wenn Azubis überall derart gute Rückmeldungen bekommen, dass Sie sich schließlich selber für Überflieger halten. Dann schauen sie so ein bisschen von oben herab auf bestimmte Abteilungen oder Arbeitsplätze. Und es fallen Sätze wie: „Ich könnte mir ja nicht vorstellen, Ihren Job mein ganzes Leben zu machen. Das wäre mir viel zu langweilig.“

Auch Ausbildern fehlen wichtige Infos, wenn die Beruteilungen zu nett ausfallen. Und manchmal fallen Ausbilder und Azubi aus allen Wolken, weil erst bei der Suche nach einer Übernahmemöglichkeit klar wird, dass niemand den Azubi in seinem Bereich haben möchte.

Die Lieblings“note“ der milden Beurteiler ist übrigens die Zweitbeste. Achten Sie bei Ihrer nächsten Beurteilung doch einmal gezielt darauf, wie gern Sie dort Ihr Kreuz setzen.

 

 

 

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