Ich backe mir einen Azubi

DAS Thema 2013 war für viele Ausbilder der Bewerbermangel. Er hat sich dieses Jahr so richtig auf dem Ausbildungsmarkt bemerkbar gemacht und wir werden in den kommenden 10 Jahren mit weiter sinkenden Schulabgängerzahlen leben müssen. Gar nicht auszubilden ist also auch keine Lösung –  das Problem ist kein kurzfristiges sondern besteht auf längere Sicht.

Die Zeit der Bestenauslese ist definitiv vorbei. Nun geht es um Passgenauigkeit. Dabei muss man die eigenen Auswahlkriterien auf den Prüfstand stellen. In einigen Branchen, Regionen und Berufen radikal.

 

 

Schulabschluss

Wir erinnern uns: Die Berufsausbildung in Deutschland ist vor allem deshalb eine Erfolgsgeschichte, weil sie Schüler aller Schulformen in qualifizierte Berufe gebracht hat. Das war bevor die geburtenstarken Jahrgänge eine Spirale von immer besser, höher, weiter in Gang setzten. Schauen Sie sich nur mal an, was die heute 60jährigen mit einem Hauptschulabschluss alles erreicht haben. Ist doch nicht schlecht, wenn wir dahin zurückfinden.

Klar, es ist angenehmer, wenn ein Azubi Kenntnisse mitbringt, die ihn von Anfang an befähigen, tatkräftig mitzuarbeiten. Aber vielleicht gehts ja auch ein bisschen ebenerdiger? Vielleicht reichen auch gute Grundkenntnisse im Lesen, Schreiben, Rechnen, um darauf aufzubauen; also wieder richtig auszubildenden.

Ein gutes Beispiel ist die Otto Group, schon immer federführend in der Personalentwicklung. Für die Ausbildungsplätze der Kaufleute im Büromanagement werden dort inzwischen ausschließlich Hauptschüler eingestellt. Da kann ich nur sagen: Bewerbermangel? Find ich gut! 

 

Anforderungsprofil

Stellen Sie Ihr Anforderungsprofil auf den Prüfstand und trennen Sie sich von Kompetenzen, die zwar wertvoll aber nicht zwingend notwendig zur Erreichung des Ausbildungsziels sind. Das tut einem manchmal in der Seele weh, denn natürlich sind alle Anforderungen wünschenswert. Aber viele Anforderungen stellen meiner Meinung nach mehr das Ziel dar. Manche Anforderungsprofile lesen sich mittlerweile wie Suchanzeigen für eine Führungskraft. Das folgende Zitat ist  dem Informationsblatt eines großen Unternehmens entnommen:

„Sie denken über Grenzen hinweg, sind teamfähig und haben Spaß an unternehmerischem Denken und Handeln. Sie können selbständig arbeiten, sind ein Organisationstalent und Problemlöser… Auslandserfahrung ist wünschenswert…“

Es geht in diesem Beispiel um eine kaufmännische Berufsausbildung; kein Studium. Ehrlich gesagt, frage ich mich, warum ein Schulabgänger, der diese Kriterien erfüllt, überhaupt eine Berufsausbildung absolvieren sollte. Wo wäre da sein Zugewinn?

Und vor allem: Muss ein Azubi wirklich, wirklich, wirklich selbständig arbeiten können? Oder reicht es, wenn er anfangs konzentriert zuhören und umsetzen kann? Geht denn gar kein Weg daran vorbei, dass ein Azubi voll teamfähig ist? Reicht es nicht, wenn er Höflichkeit und die Bereitschaft zur Zusammenarbeit mitbringt? Bzw. geht es in der Ausbildung wirklich um echte Teamarbeit oder ist mehr ein gutes Miteinander gefragt? Unternehmerisches Denken und Handeln? Gehts nicht vielleicht eine Nummer kleiner?

Sie sehen schon, es geht darum, Floskeln aufzudröseln. In einfache und klare Kompetenzen umzusetzen. Und dabei immer im Blick zu behalten: Welche Azubis brauche ich eigentlich wirklich?

 

 

Wissen. Können. Wollen.

4 ganz wichtige Fragen können Ihnen helfen, ein passgenaues Profil für Ihre Azubi-Suche zu erstellen:

  • Welches Wissen, welche Fähigkeiten und welche innere Einstellung muss mein Azubi zwingend mitbringen?
  • Welches Wissen, welche Fähigkeiten und welche innere Einstellung wären wünschenswert?
  • Welches Wissen, welche Fähigkeiten und welche innere Einstellung können wir im Laufe der Ausbildung entwickeln?
  • Was muss dafür getan werden? In den Abteilungen? Durch Schulungen und Seminare?

 

Am besten schnappen Sie sich dafür den Ausbildungsrahmenplan und schauen sich genau an, welche Inhalte im ersten Ausbildungsjahr vermittelt werden sollen. Beteiligen Sie dabei die Kollegen, die im ersten Ausbildungsjahr zum Zug kommen.

Entscheiden Sie gemeinsam, wo Sie keine Kompromisse machen können oder sollten.

Diskutieren Sie, was es bedarf, um wünschenswerte Anforderungen zu entwickeln? Welche Unterstützung bräuchten die Ausbildungsbeauftragten? Was müsste im Rahmen der Ausbildung anders organisiert werden?

Wenn Sie die Ausbildungsbeauftragten zu Beteiligten machen, wächst auch die Motivation, sich für die zukünftigen Azubis zu engagieren. Je größer die Motivation und Akzeptanz der Ausbildungsbeauftragten, desto glücklicher die Azubis. Und das wird noch wichtig werden in Zukunft. Denn eine gute Ausbildung ist das beste Argument, warum die Bewerber sich für Ihren Betrieb entscheiden werden.

 

 

 

 

 

 

 

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