Azubis klar und verträglich kritisieren

In meiner Gegend werden unheimlich viele Fahrräder gestohlen. Gern lese ich die Notizen an den Hauswänden, die direkt an die Diebe gerichtet sind. Die vielfältigen Botschaften sind so persönlich, dass die Verfasser förmlich greifbar werden.

Menschen sind unterschiedlich. Das wird besonders deutlich, wenn es um Kritik geht.

Da kommen Emotionen ins Spiel. Dabei sollte es doch (zumindest im Berufsleben) um die Sache gehen. Das weiß man. Und ertappt sich doch beim Rumdrucksen, Ärger runterschlucken, Zusammenreißen, gute Miene machen, Auseinanderknallen, mit der Faust auf den Tisch schlagen. Usw usf. Sinnbildlich jetzt.

 

S/W Ver: 96.66.71RManchen Ausbildern fällt es total schwer, (Azubis) zu kritisieren.

Sie fürchten, nicht die richtigen Worte zu finden und schlucken lange ihren Ärger hinunter, bevor sie sich ein Herz fassen. Manchmal knallen sie dann auseinander wie ein Dampfkochtopf (und fühlen sich anschließend ganz schuldig und schwer).

Sie neigen dazu, ihre Kritik zu verniedlichen. Sie packen sie quasi in Seidenpapier, damit es nicht so weh tut. Sie nutzen relativierende Worte wie vielleicht, ein wenig, könntest Du eventuell etc. Das alles vorgetragen in einem sanften Ton; garniert mit Entschuldigungen à la „es ist nicht böse gemeint“.

Das sorgt beim Azubi manchmal für ein schlechtes Gewissen. Noch öfter aber überhört der Azubi  die versteckte Kritik. Sie ist ist zu weich. Der Azubi fühlt sich nicht kritisiert.

Kritik muss klar formuliert sein, sonst verpufft sie.  

Andere Ausbilder haben üüüberhaupt kein Problem mit Kritik

 

Ausbilder, die „überhaupt kein Problem“ mit Kritik haben, können häufig auch selbst gut Kritik vertragen. SAMSUNG Sie schätzen ein „reinigendes Gewitter“. Sie sind nicht nachtragend und können nach dem Donnerwetter gut zur Tagesordnung übergehen.

Allerdings gilt das nicht immer für ihren Gesprächspartner. Der sitzt manchmal mit Bauchschmerzen da.

„Na und?“, ruft der kritikfreudige Ausbilder. „Soll er doch. Ich habe ihn nicht ohne Grund kritisiert. Der darf ruhig mal ins sich gehen.“

Die Sache ist nur: Das wird der Azubi nicht immer tun. Zumindest nicht in der beabsichtigten Weise.

Wenn die Kritik zu hart formuliert ist, wird der Azubi wahrscheinlich auf seine Emotionen konzentriert sein. Die Sache verliert er aus den Augen. Je nach Persönlichkeit beschäftigt er sich stattdessen mit seinen Aggressionen (dieser blöde Ausbilder) oder Auto-Aggressisonen (Ich bin einfach ein Totalversager).

Kritik, muss verträglich formuliert sein, sonst wirkt sie zerstörerisch.

Manche Ausbilder reden viel zu viel 

Vielleicht haben Sie schon einmal erlebt, dass jemand im Konfliktfall einfach nicht aufhören kann zu reden? Dass er eine Kritik noch mal und noch mal und noch mal formuliert. Das ist unzumutbar für den Gesprächspartner. Der fühlt sich wie auf der Anklagebank. Ihm bleiben nur zwei Möglichkeiten: zum Gegenschlag ausholen oder Abschalten (was bei Azubis das Wahrscheinliche ist.)

Mehristnichtimmermehr

Fassen Sie sich kurz

Je heikler das Thema desto weniger sollten Sie rumeiern. Kein Small-Talk vorweg. Kein Small-Talk hinterher. Keine Sandwich-Technik. Sondern rein ins Gespräch, Kritik formuliert und schon ist es vorbei. Genau wie man ein Pflaster auch am besten mit einem Ruck abzieht. Dann tuts auch gar nicht weh.

 

 

Und wie geht es nun richtig?

 

 

Wer ganz sicher gehen will, orientiert sich  am Nachrichtenquadrat von Friedemann Schultz von Thun. Sie müssen lediglich zu jeder Seite des Nachrichtenquadrats einen (möglichst knappen) Satz formulieren. So gehen Sie sicher,  dass keine Missverständnisse auftreten.

  1. Einleitung (Sachinformation): Der Azubi soll wissen, worum es im Folgenden geht. So kann er – Klick – sein Gehirn einschalten.
  2. Explizite Selbstkundgabe: Wie fühlen Sie sich. Ja, wirklich. Sie sollen es aussprechen. Der Azubi soll wissen, ob Sie ärgerlich sind oder genervt oder sich sorgen oder etwas ganz anderes. Erlauben Sie sich, Ihr echtes Gefühl auszusprechen. Dann versteht der Azubi: Sie meckern nicht einfach so herum. Sondern das Verhalten des Azubis hat etwas in Ihnen ausgelöst. Er begreift Ihre Betroffenheit.
  3. Positive Beziehungsbotschaft: Sagen Sie dem Azubi, was Sie an ihm schätzen. Er muss wissen, dass es bei der Kritik nur um die eine Sache geht und nicht um seine Person.
  4. Appell: Was soll der Azubi in Zukunft anders machen? Erläutern Sie es ihm ganz konkret.
  5. Begründung: Warum ist das wichtig? Liefern Sie dem Azubi eine verständliche Begründung. (Abseits von „weil das nun mal so ist“ oder „weil wir das schon immer so machen“.)

 

 

 

 

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