Los gehts: Gruppendynamik

In vielen Ausbildungsbetrieben startet die Ausbildung mit einem gemeinsamen Seminar. Kick-off heißt das oder Einführungsseminar oder Orientierungstage.  Im geschützten Raum erhalten die neuen Azubis die Möglichkeit, Kollegen und Umgebung kennenzulernen. Ein ganz wichtiger Part in diesem Seminar ist die Entwicklung eines Gruppengefühls.

Gruppen entwickeln sich zwangsläufig. D.h.: Auch wenn ich als Ausbilder mich nicht um den Prozess und das Zwischenmenschliche kümmere, wird etwas in Gang kommen. Fraglich ist, ob das zufällige Ergebnis mir als Ausbilder gefällt. Darum ist es besser, von Anfang an unterstützend zu wirken.

Es geht um

  • die Verteilung von Rollen
  • die Bestimmung von Zielen und Aufgaben
  • die Gestaltung der Kultur
  • die Bildung von Normen und Regeln
  • den Umgang mit anderen Gruppen
  • u.ä.

 

Auch ohne Einwirken von Außen wird eine Azubigruppe diese Fragen in der ersten Zeit für sich bearbeiten und beantworten.

Manchmal klappt das genauso wie der Ausbilder es sich wünscht.

Manchmal aber auch nicht.

Selbst wenn die Inhalte Rahmenbedingungen die gleichen sind, kann ein Seminar, dass im letzten Jahr ganz prima gelaufen ist – im nächsten Jahr an die Wand fahren.

Selbst wenn ein Jahrgang sich ganz von selbst gefunden und organsiert hat, kann der nächste hilflos und antriebslos wirken.

Gruppen bestehen eben aus Menschen. Und die sind unterschiedlich.

In fast allen Gruppen treffen wir auf Anführer oder Meinungsmacher. Sie sind oft entscheidend dafür, welche Stimmung auf dem Seminar aufkommt. Denn die anderen Gruppenmitglieder richten sich nach ihnen aus.

Wenn wir als Ausbilder unsere eigene Führungsposition nicht wahrnehmen, werden die Anführer unter den Azubis den Takt bestimmen.

Haben die Meinungsmacher unter den Azubis große soziale Kompetenzen, läuft das häufig großartig. Sie integrieren, bringen voran und „Leben in die Bude“.

Sind die Meinungsmacher eher destruktiv kommt es Cliquenbildung, Widerstand (wie Unaufmerksamkeit, Blödeleien) oder sogar offenem Angriff (etwa wenn Seminarinhalte in Frage gestellt werden oder abgelehnt).

Selbst wenn im Seminarraum nichts davon zu spüren ist (das kann zum Beispiel bei sehr autoritären Ausbildern so sein), kann es hinter den Kulissen ganz anders aussehen.

Darum sollten Sie im Kick-off viel Zeit für gruppendynamische Prozesse, Übungen, Arbeitsphasen einplanen. Wenn sich eine Gruppe erst einmal verschworen hat, in die falsche Richtung läuft, wenn Einzelne ausgegrenzt werden oder auch nur nicht beachtet werden, ist es sehr schwer, im Nachhinein einzugreifen.

Zu Beginn ist es noch ganz einfach. Und bringt Spaß.

 

 

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