Nach der Schule in den Betrieb?

Manche Azubis müssen nach der Berufsschule noch in den Betrieb. Andere nicht. Rein rechtlich ist beides ok, so lange die Azubis volljährig sind. Oder wenn minderjährige Azubis weniger als 5 Stunden Berufsschulunterricht haben. In jedem Fall wird die Unterrichtszeit auf die Arbeitszeit angerechnet. Und auch der Weg von der Berufsschule zum Betrieb gilt als Arbeitszeit.

Viele Ausbildungsbetriebe wählen beim Teilzeitunterricht den Mittelweg. Am einem Berufsschultag hat der Azubi frei. Am anderen kommt er noch in den Betrieb.

Neulich habe ich ein Seminar durchgeführt, bei dem Ausbildungsbeauftragte und Auszubildende über das Thema diskutiert haben.

Wie so oft hatten Azubis und ABB´s eine unterschiedliche Wahrnhemung der Situation.

Die Azubis wollten ihre Mittagspause an den Berufsschultagen zur gleichen Zeit wie normalerweise machen. Weil der Unterricht sehr früh zuende war, bedeutete es, dass die Azubis in der Abteilung aufschlugen, um dann eine Stunde zu arbeiten und danach Mittagspause zu machen.

Die Ausbildungsbeauftragten waren damit nicht einverstanden. Sie fanden es schwierig, die Azubis für eine Stunde einzusetzen, eine halbe Stunde zu pausieren und dann wieder gute Aufgaben für die restlichen zwei Stunden zu finden. Sie hätten es lieber gehabt, dass die Azubis gleich nach der Berufsschule ihre Pause einlegen, damit sie im Anschluss ungestört mit ihnen arbeiten könnten.

Beide Sichtweisen konnte ich verstehen.

Eine meiner Meinung nach ziemlich gute Lösung habe ich nun aktuell von einem anderen Kunden gehört. Dort kommen die Azubis auch an einem Nachmittag nach der Schule in den Betrieb. Dieser Nachmittag wird aber nicht in den Abteilungen verbracht sonderen für alle Dinge genutzt, die übergreifend geschehen.

Tolle Dinge, die man nach der Berufsschule machen kann:

  • Projekte
  • Lerngruppen
  • Berichtsheft
  • Gespräche mit Ausbildern, Ausbildungsbeauftragten, JAV
  • Austauschrunden
  • Seminare

Ich finde, das ist eine sehr charmante Lösung.

Zumal Ausbildungsbeauftragte immer wieder beklagen, dass die Azubis im Laufe eines Einsatzes zu oft „weg“ sind. Außerdem hat der Ausbilder auf diese Art einen guten Überblick über die Arbeitsweise der Azubis. Sind sie organisiert, strukturiert, sorgfältig, schnell…? usw. usf.

Auch wenn das Konstrukt erst einmal eine Menge Organisation für den Ausbilder bedeutet, klingt es für mich, nach einer echten Win-Win-Situation. Allerdings brauchen die Azubis dann einen Raum. Aber das ist ein anderes Thema.

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