Onboarding: Tipps zum Start

Alle Azubis an BordKick-offs finde ich toll. Die ersten Tage im Job sind etwas ganz Besonderes. Ein neuer Lebensabschnitt beginnt. Und als Ausbilder sind Sie in der Rolle des Regisseurs, diesen Neubeginn zu inszenieren. Sie können positive wie auch negative Erlebnisse schaffen. Eine Zeit, die man sein ganzes Leben nicht vergisst. Oder Tage, an die man sich später überhaupt nicht erinnern kann. Sie können die Auszubildenden herzlich willkommen heißen oder klarmachen, dass jetzt der Ernst des Lebens beginnt.

Ich finde die erste Variante besser. Hier ein paar Tipps zum procedere

P ositive Energie entfachen

R ückzieher vermeiden

O rientierung vermitteln

C orporate Identity transportieren

E rfolge ermöglichen

D urchschnittsergebnisse übertreffen

E rwartungen kommunizieren

R eflexionsübungen

E rste Abteilungen

 

 

19Positive Energie entfachen

Wenn Sie selbst Spaß an Ihrem Job haben, ist das die beste Voraussetzung, um Spaß auch zu transportieren. Bereits die Vertragsunterzeichnung können Sie als besonderen Moment zelebrieren. Laden Sie alle zukünftigen Azubis zu einem gemeinsamen Termin ein und begehen Sie diesen wichtigen Schritt ins Arbeitsleben ruhig ein bisschen feierlich. Machen Sie neugierig auf das, was da kommt – erklären Sie, was es bedeutet, Teil Ihres Unternehmens zu sein und betonen Sie, dass Sie sich auf die gemeinsame Arbeit freuen. Stossen Sie (je nach Alter mit Sekt oder Saft) auf die Zukunft an. Vielleicht kann jemand aus der Personalleitung, der Unternehmensführung oder den ersten Einsatzabteilungen an diesem Treffen teilnehmen. Oder bitten Sie die älteren Jahrgänge zu einem ersten Kennenlernen dazu. Kurz: Wecken Sie Vorfreude auf den Ausbildungsbeginn.

 

Rückzieher vermeiden

Viele Bewerber haben heute mehrere Eisen im Feuer und es ist nicht ungewöhnlich, dass nach einer Vertragsunterschrift ein zweites Angebot besser erscheint. Die Auszubildenden „springen ab“. Je mehr Bindung Sie schaffen, desto kleiner wird die Gefahr, einen Bewerber zu verlieren. Halten Sie also lockeren Kontakt bis zum Ausbildungsbeginn. Lassen Sie die Azubis spüren, dass sie mit der Vertragsunterschrift zum Unternehmen gehören: schicken Sie einen Gruß, falls jemand vor Ausbildungsbeginn Geburtstag hat. Lassen Sie ihnen die Mitarbeiterzeitschrift oder wichtige News aus dem Unternehmen zukommen. Melden Sie sich, wenn die Abschlussprüfungen vorbei sind. Gestalten Sie eine besonders schöne Einladung für den Ausbildungsbeginn. Bauen Sie ruhig ein bisschen Spannung auf. Keiner muss im Detail wissen, was in den ersten Tagen passieren wird. Aber jeder sollte sich schon mal so seine Gedanken machen können. Ein symbolisches Gimmick oder eine schöne Illustration erzeugen Neugier und Vorfreude.

 

 

Ankommen

Orientierung vermitteln

Die ersten Tage sollten die Auszubildenden noch nicht am Arbeitsplatz verbringen. Zunächst gilt es, einen Überblick über Ihr Unternehmen zu gewinnen, alle wichtigen Informationen über die Ausbildung zu erhalten und natürlich Sie und die anderen Auszubildenden kennenzulernen. Eine Berufsausbildung stellt für die meisten jungen Menschen die allererste berufliche Erfahrung dar. Wie ein Unternehmen funktioniert, was sich hinter den verschiedenen Abteilungen verbirgt, wie man ein Telefon bedient oder welche ungeschriebenen Gesetze in der Arbeitswelt gelten, ist meist völlig unbekannt. Wenn Sie sich hier am Anfang Zeit nehmen, profitieren die Azubis und die Ausbildungsbeauftragten der anschließenden Abteilungen überproportional. Orientieren Sie sich bei der inhaltlichen Vermittlung Ihres Unternehmenszwecks an der Feuerzangbowle. Also: „Wat is een Dampfmaschin? Da stellen wir uns ma jantz dumm …“

 

CI transportieren

ZutatenEs dürfte sich herum gesprochen haben, dass die Unternehmensidentität maßgeblich zur Zufriedenheit (oder auch Unzufriedenheit) jedes Mitarbeiters beiträgt. Ausgesprochene Grundsätze und Philosophien sind dabei genau so wichtig wie ungeschriebene Gesetze. Die Corporate Identity setzt sich zusammen aus Corporate Design, Corporate Communication und Corporate Behaviour; also das visuelle Erscheinungsbild, die Unternehmenskommunikation sowie das Verhalten aller Beteiligten nach innen und außen.

Sie sollten Ihre Unternehmensphilosophie ein wenig modifizieren und einen „Jugendstil“ kreieren – bleiben Sie dabei aber dicht an der gelebten Realität. Lippenbekenntnisse produzieren Missverständnisse und Enttäuschungen. In einem traditionellen Unternehmen hat ein zu lockerer Facebook-Auftritt vielleicht wenig Platz. In einer chaotischen Agentur sind zu strenge Regeln für die Azubis eventuell kontraproduktiv. Entwickeln Sie (zusammen mit den älteren Azubis) eine Kommunikationsstrategie und behandeln Sie die neuen Azubis von Anfang an Ihrem Ausbildungscredo entsprechend. Lassen Sie die älteren Azubis Willkommens-Geschenke basteln: z.B. eine Schultüte mit Werbematerialien und Give-Aways. Die dahinter stehende Aussage „das sind wir“ – erfüllt junge Menschen in der Regel mit Stolz und Loyalität.

 

Erfolge ermöglichen

Viele Berufsanfänger können es gar nicht erwarten, endlich produktiv zu arbeiten. Geben Sie den Neulingen also schon während der Einführungstage die Möglichkeit zur aktiven Arbeit. Ein Bericht für die Mitarbeiterzeitung. Ein Planspiel, das den Unternehmenskontext begreifbar macht. Übungen zum Kennenlernen, die echten Kontakt ermöglichen etc. pp. Gehen Sie weg von stundenlangen Unternehmenspräsentationen – hier bleibt sowieso viel zu wenig bei den Teilnehmern hängen. Und sie wiederholen damit das passive Lernen aus der Schule. Trauen Sie dem Nachwuchs ruhig etwas mehr zu als bisher. Z.B. können Sie im Falle eines externen Einführungssseminars die Anreise direkt zum 1. Projekt für Ihre Auszubildenden machen. Fordern Sie sie auf, untereinander Kontakt aufzunehmen und sich gemeinsam zu überlegen, wie sie am kostengünstigsten zum Seminar gelangen. Der Effekt wird deutlich, wenn Sie dann im Seminarhaus eine Gruppe von Azubis treffen, die bereits ein wenig miteinander vertraut sind und erfolgreich eine erste Arbeitsaufgabe erledigt haben.

 

Durchschnittsergebnisse übertreffen

Klären Sie vorab Ihr eigenes Ziel für den Kick-Off. Sollen die neuen Azubis in erster Linie Spaß haben? Möchten Sie vor allem Sicherheit erzeugen und den Azubis zeigen, dass Sie willkommen sind? Geht es darum, zunächst einen persönlichen Kontakt zwischen Ihnen und den Azubis herzustellen? Oder ist Ihr Anliegen vielmehr, ein professionelles Bild zu erzeugen? Überlegen Sie sich das genau und richten Sie Ihr Seminar danach aus. Stellen Sie ruhig einmal alles, was bisher gelaufen ist, in Frage. „Das machen wir schon immer so“, ist die bester Möglichkeit jede Kreativität im Keim zu ersticken. Fangen Sie einfach einmal an zu phantasieren. Stellen Sie sich vor Ihrem geistigen Auge vor, wie diese Tage optimaler Weise aussehen. Fragen Sie sich, was Sie gern tun würden. Wie sehen die Azubis aus, während des Kick-offs? Lachen sie, diskutieren sie angeregt oder hören gebannt einer gelungenen Präsentation zu? Ist die Stimmung eher ruhig und Vertrauen einflössend oder gibt es ein großes Hallo und sportliche Wettkämpfe? Sind die höheren Jahrgänge dabei? Ist die Gruppe groß oder klein? Befinden Sie sich im Unternehmen oder ganz woanders? Draußen oder Drinnen? Welche Rolle nehmen Sie ein? Bezieht sich die Aufmerksamkeit auf Sie oder sind Sie eher ein Teil der Gruppe?

kostenlosFalls Sie zum ersten Mal ein Einführungsseminar entwickeln, habe ich einen Leitfaden für Sie.

 

 

 

Erwartungen kommunizieren

Für die Arbeit mit Auszubildenden gilt „nichts ist selbstverständlich.“ Und der Anfang ist noch immer der beste Zeitpunkt, klare Regeln aufzustellen. Alles, was Sie jetzt vereinbaren, ist noch nicht schwierig geworden. Noch kann man es leicht und ganz ohne Vorwurf sagen. Überlegen Sie: Was sind die Knackpunkte? Worüber sind Sie nicht ganz glücklich bei Ihren Azubis. Formulieren Sie Ihre Erwartungen möglichst konkret. Welches Benehmen wünschen Sie sich von Ihren Azubis? Wie sollen Sie auf die Mitarbeiter zu gehen? Wie sollen Sie sich verhalten, wenn es Probleme gibt? Wie soll Urlaub geplant werden? Was macht man, wenn „nichts zu tun“ ist? Um sicher zu gehen, dass Ihre Erwartungen auch wirklich ankommen und umgesetzt werden, ist es hilfreich, die Gründe in Übungen, Rollenspielen, Diskussionen erfahrbar zu machen. Damit geben Sie ein Motiv, warum Ihnen die Einhaltung bestimmter Regeln wichtig ist. Und ein Motiv ist Grundvoraussetzung für die spätere Motivation, es auch zu tun.

 

Reflexion

Streuen Sie in den ersten Tagen und Wochen immer wieder Möglichkeiten zur Reflexion und Selbstbesinnung ein. ideeLassen Sie die Azubis z.B. einen Brief an sich selbst schreiben. In ruhiger Atmosphäre, mit schönem Briefpapier und entspannender Musik sollen sie alles aufschreiben, was ihnen gerade durch den Kopf geht. Sammeln Sie den Brief ein und verteilen Sie ihn im nächsten Jahr als Geschenk für das bestandene 1. Ausbildungsjahr. Vergraben Sie am Seminarende eine Schatztruhe, in die jeder Teilnehmer ein Symbol gelegt hat. Heben Sie den Schatz im Folgejahr zusammen allen Azubis und lassen Sie die Auszubildenden erzählen, wie es „heute vor einem Jahr“ war. Geben Sie der Azubigruppe nach ein einigen Wochen den Auftrag, eine Seminar-Kritik zu formulieren: Was war gut, hilfreich, was könnte noch besser sein, wie wurden die ersten Tage empfunden. Planen Sie ein Meeting für den Tag, an dem die Probezeit überstanden ist. Diskutieren Sie darüber, was sich bis hierher entwickelt hat.

 

Erste Abteilungen

Die meisten Auszubildenden sind aufgeregt und nervös, wenn Sie in ihrer ersten Abteilung starten. Wählen Sie für die ersten Einsätze Abteilungen aus, die möglichst wenig Vorwissen bedürfen und trotzdem Möglichkeiten zur aktiven Mitarbeit bieten. Weisen Sie die Ausbildungsbeauftragten auch noch einmal ausdrücklich auf die besondere Situation hin. Wählen Sie niemals Ausbildungsbeauftragte, die keine Zeit oder Lust haben. Integrieren Sie die ausgewählten Ausbildungsbeauftragten in die Einführungstage. Binden Sie ruhig schon eine Übung ein, die den Austausch von Erwartungen und Befürchtungen ermöglicht. Die Kontakthilfe, die Sie hier noch selbst in der Hand haben, wird für echtes Anfängerglück sorgen.

 

 

 

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