Prüfungsangst

So manchem wird schlecht, wenn er an die mündliche Abschlussprüfung denkt. Doch nicht immer ist die Angst begründet. Manchmal weiß man sogar, dass man „eigentlich“ gut genug vorbereitet ist. Und trotzdem wird man die – teils heftigen – Panikattacken nicht los.

Prüfungsangst wird oft durch unsere ängstlichen Einstellungen hervorgerufen. Dahinter steckt ein ABC der Gefühle, das automatisch in uns abläuft:

 

A: Es gibt eine Situation = Was passiert?

B: Wir bewerten die Situation = Wie denke ich darüber?

C: Daraus entsteht ein Gefühl = Wie fühle ich mich dabei?

 

Beispiel:

A: Situation =Ich habe in 3 Wochen meine Abschlussprüfung.

B: Bewertung = Bestimmt bekomme ich einen Blackout. Wenn ich durchfalle, wäre das eine Katastrophe. Ich könnte es nicht ertragen.

C: Gefühlt = Angst und Anspannung

 

Jemand anderes würde über die Situation vielleicht so denken:

A: Ich habe in 3 Wochen meine Abschlussprüfung

B: Ich habe mich ganz gut vorbereitet und ich habe auch noch Zeit, etwas zu tun. Ich lasse die Prüfung einfach auf mich zukommen. Selbst wenn ich in einem Moment blockiert sein sollte, wäre das keine Katastrophe. Meine Ausbilderin hat auch erzählt, dass die Prüfer einem generell helfen wollen. Wenn ich die Prüfung allerdings nicht bestehen sollte, wäre das ohne Zweifel unangenehm. Mehr aber auch nicht. Ich kann die Prüfung wiederholen.

C: Leichte Anspannung, aber auch Zuversicht.

 

Es ist also so: Deine Gefühle sind abhängig von Deiner Einstellung. Theoretisch hast Du die Möglichkeit, Deine Gefühle selbst zu bestimmen. Allerdings nur theoretisch. Praktisch sieht es so aus, dass Du in Deinem bisherigen Leben bereits eine Unsumme von Bewertungen für Prüfungssituationen gespeichert hast. Die sind verinnerlicht und ploppen automatisch hoch, wenn Du in eine Prüfung gehst.

Die Frage, warum ausgerechnet Du Dir so viel mehr Gedanken um eine Prüfung machst als andere, liegen in Deiner Kindheit begründet. Die Ursachen können vielfältig und manchmal auch schmerzhaft sein. Darüber zu grübeln, bringt Dich jetzt aber nicht weiter. Betrachte das Leben einfach als einen Lehrmeister, der Dich zu dem gemacht hat, der Du bist. Und der ja durchaus ok ist.

 

 

Aber was bringt Dich denn nun weiter?

Als erstes musst Du herausfinden, welche ängstlichen Gedanken genau es sind, die Dir solche Probleme bereiten. Das Gefühls-ABC kann Dir dabei helfen.

  1. Wie sieht die Situation genau aus, vor der Du Angst hast? (A)
  2. Wovor hast Du Angst? Notiere Dir alle Gedanken, die Dir in den Sinn kommen. (B)
  3. Wie fühlst Du Dich bei den Gedanken seelisch und körperlich? Notiere alles. (C)

 

Vermutlich befinden sich in Deinem Gefühls ABC einige irrationale Gedanken. Jetzt kannst Du versuchen, sie durch hilfreiche Gedanken zu ersetzen. Bei der Entscheidung, ob ein Gedanken irrational oder hilfreich ist, können Dir zwei Fragen helfen:

1. Entspricht mein Gedanke den Tatsachen?

Frage Dich: Ist das wirklich so? Ist das wirklich immer so? Woher weiß ich überhaupt, dass das so ist? Diesen Fragen werden Dir bewusst machen, ob Du Dir etwas einredest, was übertrieben negativ ist oder was Du gar nicht wissen kannst. Da unser Gehirn nicht überprüft, ob das, was wir uns erzählen, mit der Wirklichkeit übereinstimmt, müssen wir eine bewusste Kontrolle einbauen.

2. Hilft mir mein Gedanke, mich so zu fühlen und verhalten, wie ich es möchte?

Wenn Du Deine Gedanken auf „irrational“ oder „hilfreich“ überprüft hast, musst Du die irrationalen in hilfreiche Gedanken umformulieren. Es ist unmöglich, NICHTS zu denken. Aber es ist möglich, unser Gefühl mit kontrollierten Gedanken zu beeinflussen. Die hilfreichen Gedanken müssen:

  • den Tatsachen entsprechen
  • uns helfen, dass wir uns so fühlen und verhalten, wie wir es möchten.

Du sollst also keine rosarote Brille aufsetzen und an die Stelle des negativen irrationalen Gedanken einen positiven irrationalen Gedanken zu setzen. Zum Beispiel wäre irrational zu denken: „Wahrscheinlich kann ich sowieso jede Frage beantworten.“ Diese Art Überschätzung ist genauso wenig hilfreich wie Katastrophengefühle.

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