Konfliktgespräch gut vorbereiten

Falls Sie indianische Sprichworte oder Depeche Mode mögen, kennen Sie wahrscheinlich die beste Reaktion auf Konflikte mit Azubis: Try walking in my shoes. (Was natürlich leichter gesungen als getan ist).

Konfliktgespräche sind ja nie einfach, mit Azubis jedoch besonders schwierig. Schließlich müssen wir als Ausbilder neben der inhaltlichen Klärung auch noch darauf achten, dass der Azubi nichtesbrodelt

  • verletzt wird
  • dicht macht
  • auf Durchzug schaltet
  • trotzig reagiert
  • sich ohnmächtig fühlt
  • usw usf

Das alles sollen wir vermeiden, während in uns vielleicht auch die Gefühle hochkochen. Nach außen aber müssen wir die Ruhe bewahren.

Dabei sollten wir uns vor allem von einem Wunsch verabschieden: Der Azubi soll einsehen, dass er Bockmist gebaut hat.

Gedanken wie diese richten sich in die Vergangenheit. Wir „haben“ letztlich nichts davon, wenn ein Azubi sich für seine Fehler in der Vergangenheit schämt oder sich über sie ärgert oder betrübt ist. In 99% der Fällen weiß er es instinktiv sowieso. Selbst wenn er es abstreitet und jegliche Schuld von sich weißt. Wir müssen die negative Gefühle nicht noch dadurch verstärken, dass er sie vor Zeugen zugeben muss.

Konstruktiver ist es, nach vorn zu schauen.

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Nehmen Sie sich vor dem Konfliktgespräch ausreichend Zeit und beantworten Sie für sich schriftlich folgende Fragen:

1. Das Gesprächsziel (walking in my own shoes)

  • Was möchte ich im Gespräch erreichen?
  • Welche Verhaltensweisen wünsche ich mir vom Azubi in der Zukunft?
  • Was wäre das Beste, was bei dem Gespräch herauskommen könnte? (Maximalziel)
  • Was muss ich mindestens erreichen? (Minimalziel)
  • Welche Folgen möchte ich unbedingt vermeiden?
  • Welche Argumente habe ich?
  • Welche Argumente hat (wohl) mein Azubi?
  • Wie könnte ich auf die vermuteten Argumente reagieren?

 

Now I´m not looking for absolution

Forgiveness for the things I do

But before you come to any conclusion

Try walking in my shoes

– Depeche Mode –

 

2. Auf den Azubi einstellen (walking in your shoes)

  • Wie geht es (wohl) meinem Azubi?
  • Welche Probleme hat er?
  • Wie würde ich mich nun an seiner Stelle fühlen und verhalten?
  • Was wünscht er sich von mir?
  • Worauf muss ich achten, damit es ihm im Gespräch mit mir nicht furchtbar geht?
  • An welchen Stellen wird er wohl ärgerlich, trotzig, traurig, ängstlich … reagieren?
  • Wie kann ich das vermeiden?

 

Meistens dreht sich etwas in uns, wenn wir uns mit dem Anderen identifizieren. Aus dem „Schwierigen“ wird einer, den wir verstehen können. Wir können seine Handlungen nachvollziehen (auch wenn wir sie nicht akzeptieren). Wir müssen den Anderen nicht mehr abwerten.

Mit dieser Haltung sind wir gut gerüstet für das Konfliktgespräch. Jetzt können wir

  • einen neutralen, störungsfreien Besprechungsraum suchen
  • genügend Zeit einplanen und
  • den Azubi ausreichend früh informieren, wann und worüber das Gespräch stattfinden wird.

 

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