Schüchterne Azubis

Schüchterne Azubis sind schwerer zu beurteilen. Es dauert, bis man mit ihnen in echten Kontakt kommt. Welche Inhalte sie spannend finden oder wobei sie Hilfe bräuchten, kann man zunächst kaum erahnen. Es braucht eine zweiten und dritten und manchmal auch vierten Blick, um zu erkennen, was in ihnen steckt.

Lernen Sie schüchterne Azubis schätzen (falls Sie es nicht sowieso schon tun)

In der Zurückhaltung liegen viele gute Eigenschaften. So sind schüchterne Azubis häufig sehr höflich. Sie können meist gut zuhören. Sie geben ihre Meinung vielleicht nicht besonders oft preis, aber wenn sie etwas sagen, hat es in der Regel Hand und Fuß. Weil Schüchterne eben auch sehr Vieles gut bedenken, bevor sie es aussprechen.

Loben Sie diese guten Eigenschaften. Stellen Sie heraus, wie angenehm Sie diese Verhaltensweisen finden. Das stärkt das Selbstvertrauen. Und darum geht es  bei schüchternen Azubis.

Schüchterne Azubis brauchen Zeit und Raum

Schüchterne Azubis sind in der Regel nicht gut darin, etwas für sich einzufordern. Sie haben Angst davor zu stören, zu viel Raum einzunehmen. Allein die Vermutung, sie könnten eine Belastung darstellen, führt bei schüchternen Azubis dazu, dass sie wichtige Fragen nicht stellen. Zeigen Sie ihnen also, dass sie ein Anrecht auf die Zeit ihrer Ausbilder haben, indem sie ihnen ganz selbstverständlich Zeit widmen.

Das beginnt schon mit einem ausführlichen Einführungsgespräch. Der erste Tag in der neuen Abteilung ist für schüchterne Azubis natürlich noch schwieriger als für die anderen. Machen Sie´s möglichst leicht, in dem Sie klare Spielregeln und Handlungsempfehlungen vorgeben.

Vermeiden Sie möglichst adhoc-Beauftragungen oder „Zwischen-Tür-und-Angel“-Gespräche. Schaffen Sie Situationen, in denen sie die Azubis explizit dazu auffordern, ihre Meinung und Erfahrungen zu formulieren. Zeigen Sie echtes Interesse an den Antworten. Das heißt nicht, dass sie schüchterne Azubis wie rohe Eier behandeln müssen. Es kann ruhig kontrovers zugehen. Oft können Schüchterne sogar glänzen, wenn es um sachliche Auseinandersetzung geht. Schüchternheit ist nicht gleichzusetzen mit Zerbrechlichkeit.

Schüchterne Azubis wissen, dass sie schüchtern sind.

Und sie wissen auch, dass das Ideal heute anders aussieht. Dass man auf sich aufmerksam machen sollte. Dass Klappern zum Handwerk gehört. Und so weiter. Und so fort. Doch das ist für einen schüchternen Azubi eben nicht einfach umzusetzen. Darum ist es auch nicht besonders hilfreich, wenn sie ihre Zurückhaltung immer wieder auf´s Butterbrot geschmiert bekommen.

„Du musst mal mehr aus Dir heraus gehen“ oder „Sei doch ein bisschen offener“ sind Sätze, die nur noch mehr verschrecken.

Seine Schüchternheit zu überwinden ist ein langwieriger Prozess

Kein schüchterner Azubi wird zum Kommunikationswunder nur weil er einen diesbezüglichen Tipp im Beurteilungsgespräch bekommt. Konzentrieren Sie sich lieber auf konkrete Verhaltensweisen, die hemmend für die Entwicklung und die Außenwirkung des Azubis sind.

Geben Sie erreichbare Ziele vor:

  • Ans Telefon gehen und den Anrufer an den richtigen Ansprechpartner vermitteln
  • Morgens die Mitarbeiter grüßen und dabei lächeln
  • Die Kollegen im Bereich, um ein Jobinterview bitten und dann auch führen
  • Eine kleine Präsentation vor kleinem Kreis halten
  •  Sich im Abteilungsmeeting zu einer bestimmten Sache zu Wort melden
  • etc.

Jeder Schritt aus der eigenen Komfortzone ist ein Gewinn für den Azubi. Wenn Sie es schaffen, dass Ihr schüchterner Azubi eine neue Verhaltensweise verinnerlicht, haben Sie ihm eine Menge mitgegeben.

 

 

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