Ich checks eben einfach nicht

Azubis sind unterschiedlich. Nur selten steckt wirklich „keine Lust“ dahinter, wenn sie nicht „funktionieren“ oder kapieren. Viel öfter trauen sich Azubis (zu) wenig zu oder geben (zu) schnell auf. Sie bleiben unter ihren Möglichkeiten, weil sie Situationen aus dem Weg gehen, die sie ängstigen oder belasten. Sie fürchten sich vor der Geringschätzung des Ausbilders, der Kollegen oder anderen Azubis. Die Gründe hierfür liegen oft weit zurück in der Schul- oder Kinderzeit. Darum gibt es auch keinen schnellen Weg, diese Azubis zu unterstützen. Das geht nur mit Geduld.

Eindrücke und Ereignisse, die miteinander auftreten, werden in der Erinnerung miteinander verbunden. Die Gefühle, die der einen Erfahrung gelten, werden auf die andere übertragen. Schüler übertragen beispielsweise den Ärger über einen Lehrer oder schlechte Noten auf das gesamte Wissengebiet. Die Einstellung „ich checks eben einfach nicht“ verfestigt sich und bleibt erhalten, auch wenn die ursprünglichen Gründe längst überholt sind.

So kommen Azubis manchmal mit Abneigungen gegen bestimmte Wissengebiete ins Unternehmen, die durch vorherige Misserfolge, empfundene Langeweile oder unangenehme Erlebnisse mit den Lehrenden verbunden sind. Zum Beispiel

  • gewerbliche Azubis, die in der Schule nicht besonders gut waren und froh sind, endlich praktisch zu arbeiten. Nun hören sie, dass sie in der Ausbildung auch kaufmännische Abteilungen durchlaufen werden und sofort blinken alle Warnlampen.
  • Azubis, die sich in der Schule bei Referaten blamiert fühlten. Nun steht ein Präsentationsseminar an und die Angst wird grenzenlos.
  • Azubis, die Mathe zum Sterben langweilig fanden. Jetzt ödet sie schon der Gedanke ans Controlling an.

Diese Einstellungen können zu Lernblockaden und Stressreaktionen führen: die Betroffenen können nicht mehr klar denken. Sie werden von Gefühlen der Angst, Überforderung, Langeweile beherrscht. Daraus ergibt sich ein Teufelskreis: Sie können nicht richtig aufnehmen, fühlen sich dadurch gedemütigt und bestätigen so ihre negativen Gefühle. Dahinter steckt das älteste Lerngesetz: Das sogenannte Signallernen.

Was Sie tun können:

Wenn Azubis von negativen Gefühlen beim Lernen blockiert werden, sollten Sie den Ursachen auf den Grund gehen. Wie sind diese Gefühle entstanden? Mögliche Fragen, mit denen Sie viel über die Einstellung der Azubis erfahren sind

  • Welche Fächer haben Dir in der Schule besonderen Spaß gebracht?
  • Welche Fächer lagen Dir gar nicht?
  • Kannst Du diese Vorlieben oder Abneigungen begründen?
  • Wo liegen Deine Stärken beim Lernen?
  • In welchen Bereichen traust Du Dir zu wenig zu?

Im zweiten Schritt können Sie versuchen, die negativen Signale in positive Signale umzuwandeln. Beinahe alle Azubis sehnen sich nach Aufmerksamkeit und Zuneigung. Sie wollen nicht nur verstehen, sondern auch verstanden werden. Und akzeptiert. Verschaffen Sie dem Azubi Erfolgserlebnisse und Spaß. Schenken Sie ihm Vertrauen. Ein angenehmes Umfeld, spannende (aber nicht zu schwierige) Aufgaben und die Versicherung, dass sie dem Azubi die Lösung zutrauen, können Selbstzweifel und Widerstände verringern. Nicht nur die Lernfortschritte sind ihre Erfolgserlebnisse, sondern auch die Anerkennung durch Kollegen und das Gefühl der Zusammengehörigkeit. 

 

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