Reflexion: Soll ich´s wirklich sagen oder lass ich´s lieber sein?

Wenn es im Gebälk knirscht, schlagen sich viele Ausbilder mit der Frage herum, ob (und wann und wie) sie ihrem Ärger Ausdruck verleihen sollen. Der Grat ist in der Tat schmal. Niemandem nützt es, wenn Sie berechtigten Unmut herunterschlucken. Am wenigsten dem Azubi. Schon gar nicht, wenn aus anfänglichen Peanuts wirkliche Probleme werden und Sie irgendwann unter Spannung stehen wie ein Dampfkochtopf. Andererseits ist ein „krittelnder“ Ausbilder auch nicht das Gelbe vom Ei. Wer aus Mücken Elefanten macht, verunsichert den Azubi und kann sogar sein Selbstbewusstsein empfindlich untergraben.

Laut Andreas Buckert und Michael Kluge (deren Buch „Der Ausbilder als Coach“ ich ausdrücklich empfehle) gibt es prinzipiell nur drei berechtigte Motive für ein Konfliktgespräch

 

  1. Sie fühlen sich emotional betroffen
  2. Es ist Ihr Job als Ausbilder
  3. Sie tragen mit dem Azubi eine gemeinsame Verantwortung

 

Gerade in heiklen Situationen muss man allerdings höllisch aufpassen, dass man sich die Berechtigung zum Konfliktgespräch nicht konstruiert. Schließlich trägt man mit dem Azubi immer eine gemeinsame Verantwortung; nämlich den Ausbildungserfolg. Man kann sich auch immer selbst einreden: Es ist mein Job, den Azubi auf Fehler hinzuweisen. Und emotional betroffen ist man ja ohnehin schon, wenn man über ein Konfliktgespräch nachdenkt.

Schöner sagt es Christian Morgenstern:

 

„In dem Maße wie der Wille und die Fähigkeit zur Selbstkritik steigen, 

hebt sich auch das Niveau der Kritik am anderen.“

 

ÜbungReflexion: Beantworten Sie für sich die folgende Fragen

 

  • Warum will ich den Azubi kritisieren?
  • Was genau will ich kritisieren?
  • Was genau löst sein Verhalten bei mir aus?
  • Werden da vielleicht alte Knöpfe gedrückt, die nur in zweiter Linie etwas mit dem Azubi zu tun haben?
  • Oder anders: Was hat mein Azubi eigentlich von meiner Kritik?

 

Der letzte Punkt ist besonders wichtig. Denn Feedback dient immer dem Feedback-Empfänger. Es ist nicht dafür da, dass ich mir Luft mache. Wenn Sie denken

 

  • Das lasse ich mir nicht gefallen!
  • Der soll mich kennenlernen!
  • Mit mir nicht, Freundchen!

 

(oder etwas in der Art) sollten Sie Ihre Motivation zum Konfliktgespräch noch einmal überprüfen.

Falls es Ihnen aber darum geht, eine klare Anordnung durchzusetzen oder mit dem Azubi in einen klärenden Dialog zu treten, können Sie sich guten Gewissens auf das Konfliktgespräch vorbereiten.

 

 

 

 

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