Das üble PowerPoint-Koma

Ein mäßig vorbereiteter Redner, ein ödes Thema, ein abgedunkelter Raum: Die perfekten Voraussetzungen für das gefürchtete Power-Point-Koma. Ob Ihre Azubis befallen sind, erkennen Sie an dem leicht glasigen Blick und dem gequälten Lächeln. Menschen langweilen sich eben schnell und lassen sich leicht ablenken. Das gilt für Azubis ganz besonders. Die Situation ist aber nicht nur unangenehm für beide Seiten sondern auch rausgeworfene Zeit. Wenn Sie für Effizienz sind, hier einige Tipps für spannende Präsentationen.

Zuhörer

Das beste Mittel gegen gelangweilte Azubis: Keine langen Reden schwingen.

„Ihr könnt predigen, was ihr wollt, aber predigt niemals über 40 Minuten“, soll Luther gesagt haben. Tucholsky hat es in seinen Ratschlägen für einen schlechten Redner bekräftigt: „Der Ton einer einzelnen Stimme ermüdet, sprich nie länger als 40 Minuten.“  Beide waren natürlich begnadet im Umgang mit Worten. Mag sein, dass man ihnen 40 Minuten folgen konnte.

Dem normal begabten Redner rate ich, sich noch kürzer zu fassen. Maximale Obergrenze: 15 Min. Wenn Ihr Thema in 15 Minuten nicht zu referieren ist, packen Sie kleine Info-Päckchen. Das erhört die Wahrscheinlichkeit, dass Ihre Azubis tatsächlich alles aufnehmen können.

Wenn möglich, verteilen Sie Ihre Info-Päckchen über den ganzen Tag. Beispiel Einführungstage: Statt die Azubi mit einer Unternehmenspräsentation von 60 Minuten zu überfordern, referieren Sie lieber vier knackige Viertelstunden jeweils nach der Pause.

Wenn es der lange Vortrag am Stück sein muss (z.B. bei Präsentationen vor Schulklassen), planen Sie Ihren Vortrag so, dass spätestens nach 15 Minuten ein aktivierendes Element folgt. Sie können Übungen einstreuen, die Zuhörer nach vorn an die Pinnwand bitten, Handouts verteilen, eine Diskussion eröffnen, zur Bürogymnastik aufrufen. Je deutlicher die Aktivität sich vom reinen Zuhören abgrenzt desto besser.

Immer gut sind Kontrollaufgaben. Kündigen Sie sie vorher an. Die Azubis hören gleich noch mal interessierter hin, wenn sie wissen, dass sie das Gehörte wiedergeben müssen. Bereiten Sie dafür Gruppenarbeiten vor um zu vermeiden das Einer allein dumm dasteht, weil er etwas nicht verstanden hat.

Präsentieren Sie nur Dinge, die Ihren Azubis etwas bringen. Es ist schwer genug, sich die wichtigen Dinge zu merken. Da sollte Unwichtiges nicht zusätzlich verwirren.

Präsentieren Sie die Dinge möglichst einfach. Arbeiten Sie mit Bildern, Beispielen, Metaphern, Aha-Erlebnissen. Die Sendung mit der Maus macht das gut. Apropos: Wie wäre Ihre Unternehmenspräsentation als Film? Fragen Sie mal die älteren Jahrgänge, die haben bestimmt Spaß daran (und das technische Know-How ohnehin).

Beziehen Sie sich so oft wie möglich auf die Lebenswelt der Azubis. Jugend ist egozentriert. Das soll sie auch sein, weil sie sich mit ihrer Entwicklung beschäftigen muss. Für Lehrende bedeutet das: Alles, was die Jugendlichen direkt betrifft, finden sie ungeheuer spannend. Je stärker Sie auf sie eingehen, desto gebannter werden sie an Ihren Lippen hängen.

Gehen Sie sparsam mit Power-Point um. Power-Point soll unterstützen, mehr nicht. Wenn Sie auf Power-Point verzichten mögen: Super! Wenn es Power-Point sein muss, gehen Sie sparsam mit Worten, Farben, Animationen auf den Charts um.

Bereiten Sie sich 1A vor. Man merkt es, ob eine Präsentation zum wiederholten Male vor ähnlichem Plenum gehalten wird oder ob sie speziell für den Anlass erstellt wurde. Man merkt es auch, wenn jemand denkt, er würde eine Präsentation ohne Vorbereitung mal eben so aus dem Ärmel schütteln. Dann wird häufig lediglich geplaudert. Das ist langweilig. Wählen Sie auch etwaige Gastredner nach ihrer Motivation aus. Im Zweifel eignen sich dazu die älteren Azubis besser als der Geschäftsführer, der gar nicht die Zeit hat, sich wirklich auf den Vortrag vorzubereiten.

Die sogenannten Spiegelneuronen sorgen dafür, dass Ihre Motivation sich auf Ihre Zuhörer überträgt. Vereinfacht bedeutet das: Nur wenn Sie Freude an der Präsentation haben, kann sich die Freude auch bei Ihren Azubis spiegeln.

Bleiben Sie authentisch. Reden Sie ruhig, wie Ihnen der Schnabel gewachsen ist. Vermeiden Sie möglichst Fach- und Fremdworte.

Verzweifeln Sie nicht, wenn Sie den einen oder anderen Azubi dennoch nicht erreichen. Manche von ihnen haben einen Pawlowschen Reflex aus der Schule mitgebracht. Sobald einer redet, schalten sie ab. Ob zu Recht oder zu Unrecht: Diese Azubis haben offenbar nicht das Gefühl, der Redende könnte ihnen etwas geben. Vielleicht müssen Sie mehrmals das Gegenteil beweisen, bevor Ihr Azubi zum guten Zuhörer wird.

 

 

 

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