Leerlauf & Langeweile

nichtsNichts zu tun zu haben, ist die Höllenvorstellung vieler Azubis. Die Zeit will einfach nicht vergehen, während man beschäftigt tut und sich überflüssig fühlt.

Die Situation ist auch für Ausbildungsbeauftragte äußerst unangenehm. So Mancher fühlt sich unter Druck, wenn es nicht gelingt, den Azubi durchgehend mit spannenden Tätigkeiten zu versorgen. Das jedoch ist kaum möglich.

Azubis sind mit ihren Aufgaben meist viel schneller fertig als gedacht. Das ist so, weil sie sich hundertprozentig auf die jeweilige Aufgabe konzentrieren können. Einem Azubi geht es ständig wie einem gestandenen Mitarbeiter zwischen Weihnachten und Neujahr. Viele kommen da ins Unternehmen, um endlich mal „alles wegzuarbeiten“. Niemand stört, es trudeln keine wichtigen e-mails ein, kein Telefon klingt, keine adhoc-Beauftragungen von Ihrer Führungskraft drängen. Und so geht es einem Azubi also jeden Tag. Klar, ist der schnell. Manchmal eben auch zu schnell, um ihn permanent zu beschäftigen.

Was also tun?

Zunächst einmal ist es schon hilfreich, die Situation wahrzunehmen und nicht herunterzuspielen. Es gibt Langeweile und Leerzeiten in der Berufsausbildung. Besonders im kaufmännischen Bereich. Manchmal ist nicht genügend Arbeit da, die ein Azubi erledigen könnte. Manchmal sind alle im Team derart unter Volldampf, dass niemand Zeit findet, dem Azubi etwas zu erklären.

Ich habe noch kein Unternehmen kennengelernt, wo Azubis nicht von Leerzeiten berichtet hätten. Sie gehören also offenbar zur Ausbildung dazu. Das ist nicht toll, aber so ist es nun einmal.

Irgendetwas muss der Azubi in diesen Leerphasen machen (dürfen). 

Sprechen Sie es im Einführungsgespräch an. Sagen Sie dem Azubi, wie er sich verhalten soll, wenn er nichts zu tun hat.

  • Darf er zum Beispiel für die Schule lernen?
  • Sein Berichtsheft schreiben?
  • Nachhause gehen?
  • Im Internet surfen?
  • Haben Sie Literatur, die er sich schnappen kann?
  • Oder was fällt Ihnen sonst noch ein?

Halten Sie Übungsaufgaben parat. Inspirationen finden Sie hier. Extratipp: Sie müssen diese Übungsaufgaben nicht selbst erstellen. Lassen Sie es einfach den nächsten Azubi erledigen, der sich bei Ihnen langweilt.

Übergeben Sie zu Beginn ein Projekt, auf das der Azubi sich in Leerphasen zurückziehen kann.

Sagen Sie nicht zu oft: „Frag doch mal die anderen im Team.“ Das mag ein, zwei Mal während des Einsatzes ok sein. Spätestens beim dritten Mal wird es unangenehm für den Azubi, sich wie Sauerbier anzubieten. Und unangenehm für die Kollegen, den verzweifelten Azubi abzuweisen.

Wenn alles nichts hilft, müssen Sie darüber nachdenken, ob ein Einsatz bei Ihnen überhaupt Sinn macht. Wenn er keinen Sinn macht, dann denken Sie über eine Alternative nach. Vielleicht können Sie ein Planspiel konzipieren, das Ihre Arbeitsinhalte vermittelt? Oder einen Workshop für die gesamte Azubigruppe anbieten?

Denken Sie immer daran: Die Ausbildung ist viel zu kurz und kostbar, als dass sie mit Langeweile vertrödelt werden sollten.

 

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