Schwierige Azubis im Seminar

Junge Menschen können ziemlich absolut sein. Das wird nirgends so deutlich wie in Seminaren. Als Ausbilder ist man manchmal frustriert, wenn die Azubis sich schon in der Einführungsveranstaltung als Störenfriede präsentieren oder andere schwierige Verhaltensweisen an den Tag legen.  Zumal man zu Beginn der Ausbildung ihr Benehmen oft noch nicht richtig einordnen kann. Um den Umgang mit ihnen etwas leichter und verständlicher zu machen, hier eine Auflistung der häufigsten „Typen“.

1. Der Abschweifer

Manchmal ist der allererste Eindruck vom Abschweifer ein positiver. Dieser Azubi redet. Wunderbar. Er trägt etwas zum Seminarkontext. Herrlich. Ziemlich schnell kommt man jedoch dahinter, dass der Abschweifer, redet um zu reden. Der klassische Vielredner zeigt sich übereifrig und ist alles andere als konzentriert bei der Sache. Oft kommt er vom Hundersten zum Tausendsten, bringt unzutreffende Vergleiche.

Wenn Sie ihn stoppen wollen, ohne ihn gegen sich aufzubringen, ist es hilfreich, die Gruppe einzubeziehen. „Ich fürchte, wir kommen jetzt ein wenig vom Thema ab. Wie sehen Sie das?“ Sie können einen Themenspeicher auf einem Flipchart erstellen und den Abschweifer fragen, ob er sein augenblickliches Thema notierte haben möchte. So fühlt er sich ernstgenommen. Manchmal hat der Abschweifer auch einfach Probleme, sich zu foccussieren. Vielleicht ist irgendwo im Redeschwall ein Körnchen Relevanz zu finden? Haken Sie dort ein.

 

2. Der Aggressive

Zu Beginn der Ausbildung ist es selten, dass ein Azubi sie offen angreift. Eher schon müssen andere Azubis sich vor dem unsachlichen Mit-Azubi fürchten, der polemische Beiträge und Einwürfe zum Besten gibt. Gern in einem Ton, der Sie zusammenzucken lässt.

Manche Azubis wollen (können) ihre Abneigung gegenüber Referenten oder einzelnen Teilnehmern einfach nicht „verstecken“. Gern sagen sie dann: „Ich bin ja nur ehrlich“, als wäre es eine Tugend. Dahinter stecken oft genug Ängste oder Probleme, die nichts mit der aktuellen Situation zu tun haben.

Bleiben Sie ruhig. Beißen Sie nicht an. Wiederholen Sie seine Aussagen sehr sachlich und geben Sie sie an das Plenum. Eine Gruppe ist stark genug, sich gegen Aggressivität zu wehren. Wenn Sie das Gefühl haben, dass Ihnen gleich der Kragen platzt, können Sie sich gut im Zaum halten, in dem Sie erst einmal notieren, was der Aggressive gerade von sich gegeben hat. Das ist noch besser als innerlich bis zehn zählen und gibt ihnen die Zeit, wieder „runterzukommen“. Sprechen Sie den Azubi in der Pause – unter 4 Augen – auf seine Verärgerung an. Erfragen Sie die Gründe.

 

3. Der Klassenkasper

Den kennen wir alle aus der Schule. Er hat großen Spaß, erzählt gern (schlechte) Witze, veralbert Beiträge und zieht Teilnehmer ins Lächerliche. Dabei amüsiert er sich köstlich.

Albernheit ist oft ein Zeichen für Unreife. Unreife Azubis sind häufig sehr unsicher. Wie junge Hunde suchen Sie Anerkennung. Manchmal kommt Albernheit aber auch einfach daher, dass die neuen Azubis euphorisiert sind. So toll, was im Ausbildungsbetrieb alles für sie getan wird. So nett, die neuen Kollegen.

Spaß in Maßen ist logischerweise toll. Solange der Alberne nicht gravierend stört, lassen Sie ihn am besten gewähren. Wenn hinter der Albernheit auch ein gehöriges Maß an Profilierungssucht steckt, tun Sie dem Albernen doch einfach den Gefallen: Geben Sie ihm Möglichkeiten vor der Gruppe zu punkten. Loben Sie ihn vor Publikum. Er braucht das.

Wenn das Ganze zu sehr abdriftet, ist ein Pausengespräch angesagt. Bitten Sie ihn, sich etwas zurückzuhalten. Vergessen Sie dabei nicht, ihm auch Anerkennung für gute inhaltliche Beiträge zu geben.

Falls Ihr Klassenkasper schlicht wegen Unterforderung über die Strenge schlägt, braucht er eine Extraaufgabe.

 

4. Der Desinteressierte

Der Desinteressierte hört nicht zu und dämmert vor sich hin. Manchmal beschäftigt er sich offen mit anderen Dingen. Zum Beispiel seinem Smartphone. Sagt er einmal etwas, dann garantiert: „Können wir nicht mal ne Pause machen?“

Gerade für neue Ausbilder ist der Desinteressierte oft ein Schock. So hat man sich das nicht vorgestellt, als man die Einführungsveranstaltung oder das Seminar konzipierte. Schließlich hat man selber viel Arbeit investiert, da wäre doch ein höfliches Interesse im Gegenzug das Mindeste.

Stimmt. Und trotzdem gibt es Azubis, die ganz offen zeigen, dass sie sich langweilen.

Nehmen Sie es nicht persönlich. So lange er die Gruppe nicht stört, lassen Sie ihn am besten in Ruhe. Die genauen Gründe für sein Verhalten sind zu vielfältig, als dass Sie ihm jetzt helfen können. Vielleicht ist er unterfordert. Vielleicht aber auch überfordert. Vielleicht interessiert ihn das Thema wirklich nicht. Vielleicht hat er aber auch andere Sorgen, die viel schwerer wiegen. Vielleicht ist er müde und abgespannt.

Suchen Sie lieber hinterher das Gespräch und teilen Sie ihm Ihre Eindrücke mit.

 

5. Der Devote

Schüchterne, gehemmte Azubis sind oft auffallend freundlich. Sie stimmen allem gleich zu und bringen wenig wertvolle Beiträge. Dahinter kann eine Angst vor Gruppen stecken.

Devote Teilnehmer stören in der Regel nicht. Sie sollten trotzdem ein Auge auf ihm haben und ihm ab und zu aufmunternde Blicke zuwerfen. Loben Sie ihn bei passender Gelegenheit. Stellen Sie ihm in Gruppenarbeiten oder Partnerübungen einen besonders sozialkompetenten Azubi zur Seite.

 

6. Der Profilneurotiker

Ich. Ich. Ich. Der Profilneurotiker nutzt jede Gelegenheit zur Selbstdarstellung. Dabei schreckt er auch nicht davor zurück, andere Teilnehmer zu unterbrechen. In seinem Redebedürfnis gleicht er dem Abschweifer. Behandeln Sie ihn genauso.

 

7. Der Meckerer/ Skeptiker

„Öööhhh. Müssen wir das jetzt machen?“ „Warum sollen wir das denn machen?“ Der Meckerer nörgelt und ist schnell destruktiv. Übungen findet er bescheuert. Gruppenarbeiten überflüssig. Killerphrasen durchziehen seinen Wortschatz und man kann ihm einfach nichts recht machen. Lächeln und Höflichkeit? Fehlanzeige.

Mag sein, der Meckerer ist wirklich ein destruktiver Mensch. Mag genauso gut sein, die neue Situation verunsichert ihn. Nehmen Sie es also nicht persönlich.

Reagieren Sie auf seine Einwände mit freundlichen, offenen Fragen. Wenn Sie ihm auch damit nur weitere Genervtheit entlocken, geben Sie die Meinung ans Plenum: „Sehen Sie das alle so?“ In der Regel zeigt das dem Meckerer auf, dass die anderen ganz gern mitmachen.

In Diskussion zeigt sich der Meckerer/ Skeptiker gern rechthaberisch. Er verteidigt kompromisslos seinen Standpunkt, führt lange Diskussionen und lässt nicht locker. Falls er sich tatsächlich als Experte erweist, loben sie sein Wissen. „Das ist ein spannender Punkt…“ Wenn Sie merken, dass es der Gruppe (oder Ihnen) längst zu viel geworden ist, bieten Sie an, das Gespräch im Anschluss oder in der Pause mit ihm zu vertiefen.

 

 

Kommentar schreiben

Sie müssen eingeloggt sein, um einen Kommentar zu schreiben.