Schatzsucher & Perlentaucher: die Rollen der Ausbilder

Die demographischen Daten unterstreichen seit Langem die Bedeutung gezielter Nachwuchsarbeit. Ganz Europa schaut interessiert auf das duale System. Beinahe jede Unternehmensführung verkündet: Ausbildung finden wir wichtig! Und doch…

In vielen Unternehmen ist Berufsausbildung ganz und gar nicht strategisch ausgerichtet. Ausbilder wird man häufig „nebenbei“ und eine Menge Ausbilder – selbst in großen Betrieben – können nur einen Prozentsatz ihrer Zeit auf das Thema verwenden. Da es in der Regel keinen regulierenden Austausch mit Kollegen gibt, läuft vieles nach dem Motto „try & error “ – der wohl schlechteste Weg in der Arbeit mit jungen Menschen. Und doch …

Es funktioniert. Erstaunlich gut. Irgendwie läuft Ausbildung immer. Selbst unter widrigsten Umständen. Weil Azubis sich selbst durchboxen, wenn niemand für sie die Weichen stellt. Und weil es Ausbilder gibt, die mit großem, persönlichen Engagement bei der Sache sind.

Ihre Aufgaben und Rollen sind noch vielfältiger geworden in den letzten Jahren. Ein guter Moment, um einmal innezuhalten: Wie steht´s um Ihr Rollenrepertoire? 

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Entscheidungsschwäche vs Orientierung: Der Ausbilder als Mentor

Die Zeit der geraden Bildungs- und Arbeitsbiographien ist vorbei. Es wird wohl kein Azubi mehr bis zur Rente im Ausbildungbetrieb bleiben können. Mehr als die Hälfte der Betriebe bieten Ihren Auszubildenden heute ohnehin keine Übernahme mehr an. Ganz zu schweigen von festen Arbeitsplätzen. Ausbildung muss demnach nicht mehr nur fit für das eigene Unternehmen machen. Ausbildung muss fit für den Arbeitsmarkt machen.

Endgültig sollten wir uns von dem Gedanken trennen, dass unsere Azubis mit dem Ausbildungsberuf auch ihre Berufung gefunden haben. Das ist bei den wenigsten der Fall. Die meisten machen „erst mal“ eine Ausbildung.  „Erst mal“ ist eine Lieblings-Formulierung junger Menschen. Doch schwuppdiwupp sind die zwei oder drei Jahre einer Ausbildung vorbei. Und häufig finden sich die Azubis danach wieder am Ausgangspunkt: Jung, engagiert, erfolgsbewusst – und keine Ahnung, was man mit dem Leben anfangen will. Ziel der Ausbildung sollte ein klarer, motivierender Weg in die Arbeitswelt sein. Helfen Sie den Auszubildenden ihren individuellen Weg zu finden.

Wie Sie das Thema Zielfindung in Ihr Ausbildungskonzept integrieren können, erfahren Sie hier

 

Gespräche

 

Fremdbestimmt vs Eigenverantwortung: Der Ausbilder als Coach

Wir möchten, dass Azubis selbständig arbeiten. Gleichzeitig betüdeln wir sie von vorn bis hinten.

Ein Beispiel: In den meisten Unternehmen unterliegt die Ausbildung einem starren Ablauf. Einsatzpläne werden Monate im Voraus gestrickt, die Notwendigkeit bestimmter Inhalte kaum je hinterfragt und auf Talente und Wünsche wird wenig eingegangen. Wie schon in der Schule wird den Auszubildenden damit die Chance auf selbstbestimmtes Arbeiten genommen. Dabei wäre es ganz einfach, Verantwortungsbewusstsein zu entwickeln. Wenn wir den Azubis zutrauen würden, Ablauf und Schwerpunkt der Ausbildung selbst zu gestalten. 

Wie bitte? Die Azubis sollen ihre Einsatzpläne selber stricken? Sich selber darum bemühen, wann die Einsätze stattfinden?

Ganz genau. Vielleicht nicht direkt von Anfang an. Aber ab dem zweiten Ausbildungsjahr, klappt das.

Ein coachender Ausbilder kann vor allem eines: Loslassen. Trennen Sie sich von möglichst vielen rein organisatorischen Aufgaben und legen Sie diese in die Hand der Azubis. Die können das selbst! Wirklich. Sie sollten keine Aufgabe mehr übernehmen, die die Azubis auch selbst erledigen können. Beantworten Sie keine Frage, die die Azubis sich auch selbst beantworten können. Bleiben Sie konsequent in dem Bemühen, die Azubis zur Eigenverantwortlichkeit anzuhalten.

 

 

Anforderungen an Ausbilder

Anspruchsdenken vs Image: Der Ausbilder als PR-Berater

Leichter ist die Arbeit mit Azubis in der letzten Zeit nicht geworden. Die Arbeitswelt verändert sich rasant. Gleichzeitig erleben wir eine Jugend, die schlechter für das Arbeitsleben gerüstet ist als noch vor einigen Jahren.

Angst vor einer unsicheren Zukunft und Arbeitslosigkeit führt bei einigen zu Über-Angepasstheit und einer völligen Initiativlosigkeit.

Andere reagieren mit überhöhtem Anspruchs-denken. Schließlich, so denken die anspruchsvollen Azubis, haben sie hart für ihren Schulabschluss gearbeitet. Sie haben hunderte von Mitbewerbern bei AC´s und Bewerbungsgesprächen aus dem Rennen geschlagen, um den begehrten Ausbildungsplatz zu erhalten. Jetzt sitzen sie im Unternehmen und sind enttäuscht von  zu wenig Herausforderung, zu viel ungeliebten Tätigkeiten und der Rolle, die sie im Unternehmen einnehmen.

Die Gratwanderung des Ausbilders heißt: Machen Sie den Auszubildenden klar, dass sie unten anfangen müssen – und dem Unternehmen, welches Potential in dieser Mitarbeitergruppe steckt. Lassen Sie nicht zu, dass Azubis wie bessere Praktikanten behandelt werden. Und vor allen Dingen nicht wie schlechtere Trainees. Machen Sie die Gruppe der Auszubildenden mindestens unternehmensweit sichtbar. Besser natürlich darüber hinaus.

 

 

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Selbstbild vs Fremdbild: Der Ausbilder als Trainer

Ausbildung ist arbeitsintensiver geworden. Das merken auch die Ausbildungsbeauftragten in den Fachabteilung. Kaum ein Azubi läuft heute noch einfach so mit. Ausbildung kostet mehr Zeit als noch vor einigen Jahren und fordert ein höheres Maß an kommunikativen Fähigkeiten.

Feedback wird zum Dreh- und Angelpunkt. 

In Casting-Shows gehören Sie zum Inventar, Jugendliche, die sich heillos selber überschätzen und nicht in der Lage scheinen, ihre Möglichkeiten klar einzuordnen. Konstruktive Rückmeldung ist das A & O jeder Persönlichkeitsentwicklung. Wir tun dem Nachwuchs keinen Gefallen, wenn wir zu wenig kritisieren. Oder zu sehr.

Funktionierende Beurteilungssysteme und geschulte Feedbackgeber sind daher unabdingbar für professionelle Berufsausbildung. Ausbilder müssen Azubis wie auch Ausbildungsbeauftragte schulen (lassen), Kritik klar und verträglich zu formulieren und anzunehmen.

Mit diesem Anforderungsprofil können Sie den Weiterbildungsbedarf Ihrer Ausbildungsbeauftragten ermitteln.

Und hier gehen Sie der Frage nach: Brauchen (meine) Azubis Seminare?

 

 

 

 

 

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