Warum Seminare für Azubis wichtig sind

Auszubildende lernen unheimlich viel, indem sie (Ausbilder, ABB´s, Kollegen, andere Azubis) beobachten. Sie übernehmen das, was sie für sinnvoll oder „richtig“ halten. Mit Vorbildfunktionen ist das aber so eine Sache. Nicht alles, was Azubis so erleben, ist sinnvoll für den Arbeitsprozess oder das Miteinander.

160Die fachlichen Kompetenzen bereiten dabei kaum Schwierigkeiten. Die meisten Mitarbeiter haben ihre Aufgaben ja ganz gut im Griff. Sie sind Spezialisten in ihrer Disziplin. Leute, von denen man sich getrost „eine Scheibe abschneiden“ kann.

170Bei methodischen Kompetenzen befruchten sich Azubi und Ausbildungsbeauftragte sogar häufig. Etwa, wenn Azubis sich in IT-Fragen besser auskennen als gestandene Kollegen. Das klappt allerdings nur, wenn auf der Beziehungsebene alles stimmt und beide Seiten mit Feedback umgehen können.

BlitzSchwieriger wird es bei den sozialen Kompetenzen. Oft läuft das, was Ausbilder ihren Azubis gern vermitteln würden, selbst bei gestandenen Kollegen nicht ganz rund. Geht es zum Beispiel um Kommunikation, Feedback, konstruktive Kritik höre ich von Ausbildern gar nicht so selten: „Das können bei uns ehrlich gesagt nicht einmal alle Führungskräfte.“

(Und nachdem ich mich nun schon bummelig 20 Jahre mit Personalentwicklung beschäftige, bin ich ziemlich sicher: Das wird sich wohl auch nie ändern.)

Seminare bilden die Basis für die Vermittlung sozialer Kompetenzen

Es ist relativ schwierig, von Azubis einfach so ein bestimmtes Verhalten zu verlangen, das andere Mitarbeiter nicht beherzigen.

Relativ leicht hingegen ist es, die Sinnhaftigkeit bestimmter Verhaltensweisen zu verdeutlichen.  In Seminaren können wir schwierige Situationen und Lösungsansätze erlebbar machen. Gute Seminare sind Angebote an die Azubis, die umso dankbarer aufgesogen werden, je konkreter sie sich auf die aktuellen Herausforderungen in der Ausbildung beziehen.

Seminare müssen immer einen Bezug zur Realität haben.

Seminare laufen prima, wenn die Teilnehmer einen Veränderungsdruck spüren. Hat ein Azubis sich mit bestimmten Verhaltensweisen schon mal hier und da eine blutige Nase geholt, ist er froh über jede Hilfestellung. Hat er eine Problematik noch nicht am eigenen Leib erfahren, interesssiert sie ihn weniger.

Zeitmanagment etwa ist für kaum einen Azubi interessant. Dazu arbeitet er nicht autark genug. Seine Spielräume sind begrenzt. Und sowieso klagen Azubis in der Regel eher über zu wenig Arbeit als über zu wenig Zeit. Die Aussicht, dass man irgendwann vielleicht mal Stress haben könnte, tangiert die Azubis also nur bedingt (bis gar nicht).

Der beliebte Azubi-Knigge läuft öfter mal an der Realität vorbei. Welche Kleidung, welche Gabel, welche Form der Begrüßung? Das entlockt manchen Azubis nur ein müdes Gähnen. Und das ist auch ein bisschen langweilig und verstaubt. Es ist auch eigentlich nichts, wofür man ein großartiges Seminar organisieren müsste. Vieles kann man genauso gut persönlich, in einer Austauschrunde oder auf dem Einführungsseminar klären.

Teamarbeit hingegen ist hochspannend für Azubis. Welche Rolle steht mir zu? Wie kann ich mich in ein bestehendes Team integrieren? Sind wir Azubis eigentlich auch ein Team? Bin ich ein Teamplayer oder ein Einzelkämpfer? Das alles sind Fragen, bei denen Azubis mehr wissen wollen. Sich reflektieren wollen. Miteinander ausprobieren und erfahren wollen.

Auszubildene sind hochmotiviert, wenn es um die eigene Persönlichkeit geht.

Azubis sind meiner Erfahrung nach absolut bereit, sich in Frage zu stellen und an sich zu arbeiten. Weiterentwicklung, Selbstbewusstsein und Selbstverständis stehen ganz, ganz hoch im Kurs bei jungen Erwachsenen.

Diese Energie sollten Ausbilder nutzen.

 

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