Ausbildungsziel: Zielfindung

Sandkorn wird BergEine Menge junger Menschen haben keine klare Vorstellung davon, was nach der Schule passieren soll. Jetzt soll es ja losgehen, das richtige Leben. Nur, wie soll das aussehen? Soll man durchstarten oder sich erst einmal erholen? Studieren? Eine Ausbildung? Oder lieber eine Weltreise?

Die vielen Optionen überfordern. Jede Entscheidung für eine Sache, bedeutet gleichzeitig die Entscheidung gegen 1000 andere (ebenfalls interessante) Lebenswege. Manche entscheiden sich da „erst mal“ für eine Ausbildung. „Erst mal“ ist prima. Man tut seine Schuldigkeit, aber legt sich nicht zu lange fest und irgendwie bringt´s sogar Spaß.

Voller Erleichterung und mit tausend Ideen im Kopf stürzen sich die neuen Azubis also ins Berufsleben. Und für eine Weile sind sie die drängenden Fragen los. Viele von ihnen gehen sogar davon aus, dass sich im Laufe der Ausbildung eine innere Stimme melden wird, die dann sagt, wohin man im Anschluss steuern soll.

Doch das passiert zumeist nicht. Die zwei oder auch drei Jahre einer Ausbildung verfliegen vielmehr schneller als angenommen. Und irgendwann wird klar, dass man mit Ausbildungsende wieder am Ausgangspunkt angelangt ist: Jung, alle Chancen, etwas Tolles aus seinem Leben zu machen und viel zu viele Möglichkeiten vor Augen.

  • Soll man jetzt richtig durchstarten oder sich erst mal erholen?
  • Studieren? Noch eine Ausbildung? Im Unternehmen bleiben?
  • Oder endlich den Traum von der Reise um die Welt realisieren?
  • Ist es richtig, eine Partnerschaft auf s Spiel zu setzen und für einen Arbeitsplatz umzuziehen?
  • Ist man ein Spießer, wenn man sich mit einem Job begnügt, der einen nicht vor Begeisterung elektrisiert?

Unglücklicherweise entwickelt sich das anfängliche Luxusproblem nun zu einem Existenzproblem. Denn ganz so frei, das dämmert den Azubis allmählich, ist man gar nicht in seinen Entscheidungen. Der Suche nach dem Beruf geht mit einer realen Arbeitsmarktproblematik und dem Abbau des Sozialstaates einher. Zu viele Rentner – zu wenig Rentenzahler, zu wenig Arbeit und düstere Aussichten, wohin die Jugend auch schaut. Die negativen Botschaften sind Basis zahlreicher Befürchtungen und ambivalenter Gefühle. Auch die Zeit scheint vielen schon mit Anfang 20 knapp zu werden. In Jugendstudien wurde eine neue Angst entdeckt. Die Angst vor Familienunmöglichkeit. Junge Menschen leiden unter der Vorstellung, sich keine Familie „leisten“ zu können.

Ein Großteil der Jungen glaubt nicht mehr an den Sozialstaat – ist aber dennoch nicht bereit, genügend vorzusorgen oder berufliche Entscheidungen nach rein ökonomischen Aspekten zu treffen. Sie wissen, dass es rundherum abgesicherte lebenslange Arbeitsverhältnisse nicht mehr gibt und suchen trotzdem den einen, ganz besonderen Beruf, der einem alles gibt, was man vom Leben will. Dabei werden die tollsten Jobs sowieso von den 30 – 40jährigen blockiert – und die werden wohl auch nicht so schnell Platz machen. Höchstens unfreiwillig.

Allen Meldungen über geringe Jugendarbeitslosigkeit und prognostizierte Vollbeschäftigung zum Trotz: Viele Azubis erleben schon während der Ausbildung, dass ratzfatz hunderte von Kollegen entlassen werden können. Ein Gefühl von Sicherheit und Stabilität hat sich bei ihnen nie entwickeln können. Die Jungen wissen sehr genau: Wer zuletzt kommt, geht zu erst. Und zwar ohne Abfindung und jahrelang gepflegtes Netzwerk. Es ist einfach nichts mehr sicher in der Arbeitswelt. Und wozu soll man sich bitteschön für einen  mäßig spannenden Job entscheiden, wenn er noch nicht einmal sicher ist?

Die Anspruchshaltung ist hoch. „Das erfüllt mich nicht“. „Ich kann mir nicht vorstellen, das mein ganzes Leben zu machen“. „Ich könnte mir vorstellen, noch einmal etwas ganz anderes anzufangen.“ „Das ist mir zu langweilig.“ Junge Menschen stellen hohe Anforderungen an ihren Beruf. Die Selbstverständlichkeit mit der noch die Vorgängergenerationen arbeiten geht, um zu leben, fehlt in manchmal erschreckendem Maße. Der Job soll viel mehr leisten: Sinn geben, Spaß bringen, Geld natürlich auch und gleichzeitig ist er stärker identitätsstiftend denn je. Oft genug soll der Beruf ein Image transportieren, Selbstbewusstsein ersetzen und das eigene Leben zu etwas Besonderem machen. Der Beruf als Glücksgarantie – kein Wunder, dass es da schwerfällt, den passenden zu finden.  

 

Helfen Sie Ihren Auszubildenden bei der Suche.

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Warum? Weil niemand das so gut kann wie Sie. Weil niemand ähnliche Möglichkeiten bieten kann wie Sie. Zudem profitieren beide Seiten, wenn Ihr Ausbildungskonzept sich der Zielfindung strukturiert annimmt.

Es sind in der Regel die Leistungsbereiten, die nach der Ausbildung eine weitere Qualifikation anstreben. Ausgerechnet die Azubis, die jeder Bereich mit Kusshand übernommen hätte. Die, die wir nicht verlieren wollen. Sicher, wenn sie bei uns wirklich nicht glücklich werden können, ist die Entscheidung richtig. Aber oft genug werden nicht sämtliche Optionen ausgelotet.

Nutzen Sie die 1. Hälfte der Ausbildung, um die Aufgaben des Rahmenlehrplans umzusetzen. Die Zeit reicht nicht? Selbstverständlich nicht. Die Zeit reicht nie. Aber fragen Sie Ihre Azubi mal, in welchen Abteilungen effektiv gelernt wurde und wie viele Lehrzeiten zusammenkommen. Da ist garantiert eine Menge Luft.

Planen Sie zur Halbzeit eine Zäsur – etwa in Form eines Workshops zum Thema Zielsetzung.

Die 2. Hälfte der Ausbildung gehört dem individuellen Weg der Azubis. Hier soll ermöglicht werden, die Berufswünsche in der Praxis anzuschauen, Talente zu erproben und Lernfelder zu beackern. Nehmen Sie Ihren Auszubildenden dabei aber nicht das Denken ab. Präsentieren Sie keine tollen Extrawürste auf dem Silbertablett. Die Azubis müssen Ihre Wünsche selbst formulieren und auch selbst dafür kämpfen.

Setzen Sie auf Ihre Ausbildungsbeauftragten. Auf der Suche nach dem Beruf bleibt bei allem Grübeln oft das Wichtigste auf der Strecke: die Einschätzung der eigenen Fähigkeiten. Das wichtigste Entwicklungsinstrument der Ausbildung ist das Beurteilungswesen. In der Handhabung müssen Ihre Ausbildungsbeauftragten fit sein. Sind sie es nicht, können Sie sich die Beurteilungen auch gleich schenken. Also: schulen Sie die Ausbildungsbeauftragten.

Stützen Sie Ihre Auszubildenden. Geben Sie ihren Selbstvertrauen. So lösen sich die Azubis von oberflächlichen Imagewünschen.

Nehmen Sie den Druck raus. Suchen Sie mit den Azubis nicht den Traumjob, der ein ganzes Leben glücklich macht. Denken ein bisschen kleiner und dafür feiner: Eine Phase von etwa zwei Jahren ist viel besser planbar – alles andere kommt sowieso meistens anders als man denkt, hofft oder befürchtet. Und die Frage: „Was würde ich nach der Ausbildung für etwa zwei Jahre wirklich gern machen“,  ist viel einfach zu beantworten.

 

 

 

 

 

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