Weihnachtsfrei. Und noch ein Gedicht.

procedere geht in die Weihnachtsferien. Vorher bedanke ich mich noch einmal ganz herzlich bei Allen, die hier regelmäßig oder unregelmäßig oder überhaupt mal vorbeisurfen. Herzlichen Dank vor allem für Ihre freundlichen und inspirierenden Mails und persönlichen Rückmeldungen. Sie haben mir eine Menge zum Nachdenken gegeben und eine lange Liste mit möglichen Beiträgen für´s nächste Jahr generiert.

Immer wieder ist es mir in den letzten Monaten passiert, dass  Seminarteilnehmer meinen Blog schon kannten und mir ihre Sicht zu bestimmten Themen verraten haben. Das hat zu guten und intensiven Gesprächen geführt. Vor allem ist mir dadurch etwas klar geworden, dass ich diffus schon immer so gefühlt habe: All die Generations-Schubladen sind überflüssig und unzulänglich.

Es gibt junge Sechzigjährige, weise Sechzehnjährige, spießige 68er und 45 jährige, die sich niemals einen Golf gewünscht haben. Und meistens haben alle ein bisschen was von allem in sich. Ich habe nur wenige Menschen kennengelernt, die nun total Generation Y wären oder voll Generation X oder so very Generation Doof oder absolut der Spaßgeneration angehören oder oder oder oder … was es da eben sonst noch alles an Labels gibt. (Darum werde ich auch keine Vorträge mehr zu diesem Thema halten. Das ist mein erster guter Vorsatz für´s neue Jahr.)

Es ist jetzt keine bahnbrechende Erkenntnis. Eigentlich weiß man ja, dass Menschen individuell sind. Besonders fällt es mir immer in der Kunst auf.

Beispielsweise mein Lieblingsweihnachtsgedicht. Es ist von 1920 – also beinahe 100 Jahre alt. Ich kann nichts Altmodisches daran entdecken (und es kommt sogar eine Auszubildende darin vor :-)).

Die Weihnachtsfeier des Seemanns Kuttel Daddeldu

Die Sprinburn hatte festgemacht

Am Petersenkai.

Kuttel Daddeldu jumpte an Land,

Durch den Freihafen und die stille heilige Nacht

Und an dem Zollwächter vorbei.

Er schwenkte einen Bananensack in der Hand. 

Damit wollt er dem Zollmann den Schädel spalten.

Wenn er es wagte, ihn anzuhalten.

Da flohen die zwei voreinander mit drohenden Reden.

Aber auf einmal trafen sich wieder beide im König von Schweden.

 

Daddeldus Frau liebte die Männer vom Meere.

Denn sie stammte aus Bayern.

Und jetzt war sie bei einer Abortfrau in der Lehre,

Und bei ihr wollte Kuttel Daddeldu Weihnachten feiern.

 

Im König von Schweden war Kuttel bekannt als Krakeeler.

Deswegen begrüßte der Wirt ihn freundlich: „Hallo old sailer!“

Daddeldu liebte solch freie, herzhafte Reden,

Deswegen beschenkte er gleich den König von Schweden.

Er schenkte ihm Feigen und sechs Stück Kolibri

Und sagte: „Da nimm, du Affe!“

Daddeldu sagte nie „Sie“.

Er hatte auch Wanzen und eine Masse

Chinesischer Tassen für seine Braut gebracht.

Aber nun sangen die Gäste: „Stille Nacht, heilige Nacht“.

Und da schenkte er jedem Gast eine Tasse

Und behielt für die Braut nur noch drei.

Aber als er sich später mal darauf setzte,

Gingen auch diese versehentlich noch entzwei,

Ohne dass sich Daddeldu selber verletzte.

 

Und ein Mädchen nannte ihn Trunkenbold

Und schrie: Er habe sie an die Beine geneckt.

Aber Daddeldu zahlte alles in englischen Pfund in Gold.

Und das Mädchen steckte ihm Christbaumbkonfekt

Still in Taschen und lächelte hold

Und goss noch Genever zu dem Gilka mit Rum in den Sekt.

 

Daddeldu dacht an die wartende Braut.

Aber es hatte nicht sein gesollt,

Denn nun sangen sie wieder so schön und so laut.

Und Daddeldu hatte die Wanzen noch nicht verzollt.

Deshalb zahlt er alles in englischen Pfund in Gold.

 

Und das war alles wie Traum.

Plötzlich brannte der Weihnachtsbaum.

Plötzlich brannte das Sofa und die Tapete,

Kam eine Marmorplatte geschwirrt,

Rannte der große Spiegel gegen den kleinen Wirt.

Und die See ging hoch und der Wind wehte.

 

Daddeldu wankte mit einer blutigen Nase

(Nicht mit seiner eigenen) hinaus auf die Straße.

Und eine höhnische Stimme hinter ihm schrie:

„Sie Daddel Sie!“

Und links und rechts schwirrten die Kolibri.

 

Die Weihnachtskerzen im Pavillon an der Mattentwiete erloschen.

Die alte Abortfrau begab sich zur Ruh.

Draußen stand Daddeldu.

Und suchte für alle Fälle nach einen Groschen.

 

Da trat aus der Tür seine Braut.

Und weinte laut:

Warum er so spät aus Honolulu käme?

Ob er sich denn gar nicht mehr schäme?

Und klappte die Tür wieder zu.

An der Tür stand: „Für Damen“.

Es dämmerte langsam. Die ersten Kunden kamen,

und stolperten über den schlafenden Daddeldu.

 

 

In diesem Sinne: Fröhliche Weihnachten und bleiben Sie individuell!

Ihre Stefanie Sohr

 

PS.: In 2014 gehts hier weiter mit funkelnagelneuen Ideen für die Berufsausbildung. Ich hoffe, wir lesen uns!

 

 

 

 

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