Wir sollten über Facebook reden

Gestern wurde Facebook zehn Jahre alt und in allen Medien wurde gratuliert. 10 Jahre, ist das denn zu fassen? Einige Azubis können sich also kaum mehr an ein Leben ohne Facebook erinnern. Die Ausbilder hingegen schon. Manche Ausbilder sind selbst sehr aktiv. Manche nutzen Facebook sogar, um die Azubis zu kontaktieren. Manche finden Facebook doof und haben sich noch nie so richtig damit beschäftigt. Und andere halten soziale Netzwerke bereits für ein Thema von gestern. Egal, wie Sie zu der Sache stehen – wichtig ist (wie eigentlich immer) den Azubis Ihre Einstellung mitzuteilen.

Facebook zu ignorieren ist jedenfalls kein guter Weg. Auch kein guter Weg ist das Pflegen von Vorurteilen wie

  • die verwechseln Facebook-Freunde mit echten Freundschaften. Das tun sie nicht.
  • die posten nur, um sich wichtig zu machen. Stimmt nicht. Jedenfalls nicht immer. Facebook ist für viele Jugendliche ein Stück sozialer Teilhabe. Manche überlebenswichtige Infos gibts eben nur auf Facebook. Zum Beispiel Partys.
  • die verbringen mehr Zeit im virtuellen Raum als im echten Leben. Stimmt nicht. Zeit in sozialen Netzwerken ist zusätzliche Zeit. Sie ersetzen nicht die Kontakte im „real life“. Dafür wird heute genauso viel Zeit aufgebracht wie vor zehn Jahren. Die Jugendlichen verwenden dafür weniger Zeit mit dem Fernseher als die Vorgänger-Generation.

 

Nicht ohne mein Smartphone

Kaum etwas irritiert mich in den Azubi-Seminaren mehr, als Teilnehmer die nebenbei auf ihr Handy schauen oder sogar posten. Obwohl ich in verschiedenen Studien gelesen habe, dass Jugendliche es nicht als unhöflich erachten, finde ich es eben doch: total unhöflich. Ich kann mich davon nicht freimachen. Bzw ich will mich davon nicht freimachen. Wenn ich beobachte, wie sich zwei gegenüber sitzen und angeregt unterhalten, während sie gleichzeitig WhatsApp bedienen, schüttle ich reflexartig innerlich den Kopf.  Das ist in mir verankert, wie bei meinen Großeltern „gegessen wird, was auf den Tisch kommt.“ Dabei wollte ich natürlich nie eine sein, die wir eine Großmutter argumentiert. Muss ich aber. Oder an mir selbst arbeiten. 

Wenn ich meinen Standpunkt nicht ändern will, muss ich den Azubis Regeln vorgeben, die die vielleicht bescheuert oder altmodisch finden. Das nützt alles nichts.

Und auch wenn Sie das viel lockerer sehen als ich, sollten Sie Ihre Azubis trotzdem darauf hinweisen, dass es Leute wie mich gibt. Sagen Sie Ihren Azubis, dass man sie für unhöflich halten könnte. Dann können sie selbst entscheiden, ob sie das wollen. 

Ich weiß nämlich, dass es vielen Ausbildern ähnlich geht wie mir. Beispielsweise im betrieblichen Unterricht. Auch Ausbildungsbeauftragte berichten häufig, dass es sie im Arbeitsalltag stört, wenn die Azubis zu viel mit dem Handy rumdaddeln oder sich am Rechner auf Facebook herumtreiben. Am allermeisten stört die Ausbildungsbeauftragten das übrigens, wenn die Azubis es „heimlich“ tun. Also wenn sie denken, dass der Ausbildungsbeauftragte das nicht merkt.

 Klare Vereinbarungen treffen

In einigen Betrieben gibts ja „schon“ einen allgemeinen Smartphone-Verhaltenskodex. Der Umgang ist aber sehr, sehr unterschiedlich. In Hamburg gibts zum Beispiel eine Agentur, in der alle Mitarbeiter morgens ihre Smartphones in eine hübsche Holzkiste legen, um sie abends wieder entgegenzunehmen. Auf der anderen Seite wäre da der Betriebsrat eines großen Maschinenbauers, der sich gegen ein Handyverbot im betrieblichen Unterricht entschieden hat, weil das „die Selbstentfaltung der Azubis einschränkt“.

blumenMeistens wird ein Mittelweg gewählt. Der Knackpunkt liegt dann in der Wortwahl. „Lass es nicht überhand nehmen“ oder „Du darfst, aber in Maßen“ heißt für Ausbilder und Azubi oft völlig Unterschiedliches. Und so können diffuse Vorgaben zu Konflikten führen.

Sehr konkret sollte man mindestens in folgenden Fragen werden:

  • Inwiefern darf Ihr Unternehmen im Facebook-Profil erwähnt werden? Ein Klassiker sind die Einführungstage: Ist es ok, wenn die Azubis ihren Stolz über den neuen Job und den tollen Empfang öffentlich machen? Vielleicht sogar im unternehmenseigenen T-Shirt? Wie stets generell mit Fotos vom Betrieb?
  • Was raten Sie Ihren Azubis in Bezug auf Freundschaftsanfragen? Soll man die Anfrage des Kollegen annehmen oder ablehnen? Und wenn Sie fürs Ablehnen plädieren: Wie soll das gehen, ohne unhöflich zu wirken? Geben Sie Tipps zu „Wer-darf-was“-Einstellungen oder ist das Privatsache?
  • Welche Extreme (z.B. politischer oder religiöser) Art würden zu Konsequenzen in der Ausbildung führen? Welche Selfies (Selbstportraits) kommen im beruflichen Kontext vielleicht nicht so gut an?  Was ist mit Posts während der Arbeitszeit, des Berufsschulunterrichts oder im Krankheitsfall?

 

Sie sind (in einigen Fragen) nicht sicher? Dann sollten Sie demnächst mal mit Ihren Ausbildungsbeauftragten und Ihren Azubis über Facebook reden.

 

 

 

 

 

 

 

 

Kommentar schreiben

Sie müssen eingeloggt sein, um einen Kommentar zu schreiben.