Wo kann Ihr Azubi gut lernen?

Gerade sitze ich an meinem Schreibtisch und erledige die erste Stichwortfassung für einen Beitrag in der Zeitschrift „Die Ausbilder“ zum Thema Prüfungsvorbereitung. Wie es so meine Art ist, surfe ich dabei im Netz, blättere in Fachbüchern, Aktenordner, Unterlagen, Lose-Blatt-Sammlungen usw usf. Ich bin nicht besonders ordentlich, aber immerhin weiß ich so in etwa, wo ich alles finde. Und manchmal fällt mir beim Stöbern sogar noch Hilfreiches in die Hand, was ich längst vergessen hatte. Ist schon prima so ein Arbeitsplatz.

Wie ist das wohl für Azubis, die keinen eigenen Arbeitsplatz haben?

Vermutlich nicht so toll. Besonders nicht, wenn es auf die Prüfungen zugeht. 

Es ist ja so, dass ein Arbeitsplatz konditioniert. Wenn ich mich beispielsweise morgens an den Schreibtisch setze, habe ich rituelle Handgriffe, die mich auf die Arbeit einstimmen. Wenn ich an einer Aufgabe „hänge“, mache ich mich an gewisse Nebentätigkeiten, bis die Konzentration wieder einsetzt. Das ist gar nicht so viel anders als bei Pawolows Hunden.

Ein Arbeitsplatz bietet Sicherheit. Das merke ich besonders in Seminaren. In einer fremden Umgebung fühlt man sich weniger geschützt. Das geht auch den Teilnehmern so. Es ist vielfach anstrengender. Besonders weil einem über den Tag drei bis fünfzehn kleine Dinge einfallen, die man am eigenen Arbeitsplatz direkt und wie nebenbei erledigen könnte. Arbeitet man woanders muss man sich´s notieren oder merken und je länger die (imaginäre) Liste wird, desto größer wird der Stress.

Was mich beim Arbeiten an einem fremden Ort auch immer in Atem hält: Man darf nichts Wichtiges vergessen. Alle Materialien müssen dabei sein, keine Unterlage darf fehlen. Das bindet die Gedanken bis zu einem gewissen Grad. Am Vorabend, am Morgen, während man die Tür schließt (Habe ich wirklich nichts vergessen?) und während man zur Arbeit geht oder fährt (Ich habe bestimmt was vergessen!).

Wie stressfrei ist es dagegen an einem Platz zu arbeiten, an dem man gar nichts vergessen kann, weil alles da ist.

Aus all diesen Gründen scheint es mir total wichtig, dass Sie Ihrem Azubi wenigstens in der Prüfungsphase einen ungestörten Lernort zur Verfügung stellen, an dem er sich breit machen kann. Wo er seine Lernsachen hübsch aufbewahren kann. Wo er für sich sein kann. Auch mal, um einfach nur Löcher in die Luft zu starren. Das braucht man beim Lernen.

 

 

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