Zuhör-Übung

Zuhören. Kaum eine Kompetenz ist wichtiger in der Ausbildung. Und zwar für beide Seiten. Zuerst muss der Azubi hinhören, was der Ausbilder erklärt. Und zwar richtig zuhören. D.h. mitdenken. Das ist ganz schön anstrengend auf die Dauer. Zuhören ist Höchstleistung für das Gehirn.

Darum sollte der Ausbilder sich auch immer wieder vergewissern, ob der Azubi ihm noch folgen kann. Das geschieht durch geschicktes Fragen und gutes Zuhören. Als Faustregel gilt übrigens: Länger als 5 Minuten kann kein Mensch zuhören. Spätestens nach 5 Minuten – in der Regel aber schon früher – schweifen die Gedanken des Zuhörers ab. Vielleicht nur kurz. Aber oft reicht das, um nicht mehr in die Erklärungen des Sprechers einsteigen zu können.

Zuhören ist auch für die Beziehung eine wichtige Kompetenz. Zuhören ist quasi das Schmiermittel der Kommunikation. Jemanden zuzuhören ist ein Zeichen von Wertschätzung und Respekt. Höre ich jemandem nicht zu, kann er sich auch nicht gehört fühlen. Er fühlt sich nicht wahrgenommen.

Am allerwichtigsten wird Zuhören im Konfliktfall. Leider fällt uns Zuhören genau dann auch am schwersten. Wenn die Emotionen hochgehen, möchte man seinem Gesprächspartner ja so gern erklären, warum man „im Recht“ ist. So passiert es nicht selten, dass zwei Konfliktpartner lediglich so tun, als würden sie zuhören. Aber eigentlich sind sie im Geiste damit beschäftigt, eine Replik zu formulieren auf das, was der andere noch nicht einmal ganz ausgesprochen hat. Pseudo-Zuhören wird so etwas genannt.

Eine der Gründe, warum man in der Konversation so selten verständige und angenehme Partner findet, ist, dass es kaum jemanden gibt, der nicht lieber an das dächte, was er sagen will, als genau auf das zu antworten, was man zu ihm sagt. Die Feinsten und Gefälligsten begnügen sich damit, während man es ihrem Auge und Ausdruck ansehen kann, dass ihre Gedanken nicht bei unserer Rede sind, sondern sich eifrig mit dem beschäftigen, was sie sagen wollen. Sie sollten bedenken, dass es ein schlechtes Mittel ist, anderen zu gefallen oder sie zu gewinnen, wenn man sich selbst so sehr zu gefallen sucht, und dass die Kunst, gut zuzuhören und treffend zu antworten, die allerhöchste ist, die man im Gespräch zeigen kann.

Francois de la Rochefoucauld

Zuhören. Aktives Zuhören. Richtig Hinhören. Ich halte es für die wichtigste Kompetenz im Umgang mit anderen Menschen. Und ich thematisiere das in beinahe jedem Seminar. (Abgesehen davon arbeite ich auch immer stark an mir. Die meisten Menschen glauben nämlich, dass sie viel mehr zuhören als ihnen zugehört wird. Nur: Das kann natürlich nicht stimmen.)

Mit der folgenden Übung können Sie Seminareinheiten zum Thema Zuhören gut einleiten.

  • Bitten Sie die Teilnehmer, Ihnen gut zuzuhören, wenn Sie ihnen eine kleine Geschichte vorlesen. Niemand darf sich Notizen machen, es geht wirklich ums Zuhören.
  • Verteilen Sie danach die Fragen zur Geschichte und lassen Sie den Teilnehmern kurz Zeit, sie zu beantworten.
  • Lassen Sie die Teilnehmer die Summen ziehen: Wie oft wurde ja ankreuzt und wie oft nein. Fragen Sie erst einmal in der Runde nach der Reihe ab, wie oft ja angekreuzt wurde. Und danach wie oft nein angekreuzt wurde. (Sie werden sehen: Die Antworten weichen stark voneinander ab.)
  • Verteilen Sie die Lösungen und eröffnen Sie damit die Diskussion zum guten Zuhören.

Ach, ja – hier noch die Übung: Zuhör-Übung

OhrenstäbchenDeluxe

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